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Fr, 24. Mai 2019, 6:54 Uhr

Compaq Fusion weniger gefährdet


03.10.01 11:17
Finance-Online

Nach Ansicht der Analysten von Finance-Online ist die Fusion von Compaq (WKN 868576) und Hewlett-Packard nun weniger gefährdet als noch vor der Gewinnwarnung von Compaq.

Compaq hätte als erster amerikanischer Hardwarehersteller konkrete Zahlen zum Ausfall durch die Terrorattacken vorgelegt. Das Unternehmen gehe davon aus, dass sich der Umsatz im abgelaufenen dritten Quartal auf 7,4 bis 7,5 Mrd. US-Dollar belaufen werde. Analysten hätten im Schnitt mit 8,2 Mrd. US-Dollar gerechnet. Im Vorjahr hätte der Umsatz noch bei 11,2 Mrd. US-Dollar gelegen. Statt eines bislang prognostizierten Gewinns von 7 bis 9 Cents je Aktie solle nun ein Verlust von 5 bis 7 Cents anfallen. Analysten hätten zuvor einen Gewinn von 5 Cents je Aktie vorhergesagt.

Schuld an der Gewinnwarnung seien die Terrorattacken in den USA. Durch die Streichung von Flugverbindungen sei ein erheblicher Schaden eingetreten, denn Compaq verfrachte zwei Drittel seiner Waren über den Luftweg. Dadurch und durch das langsame Anlaufen der Normalbetriebs im Flugverkehr habe Compaq nach eigenen Angaben etwa eine Woche an Geschäft verloren. Da im dritten Quartal durchschnittlich 50 Prozent der Umsätze im September generiert würden, sei der Verlust umso schmerzhafter.

Trotz schon getätigter Einsparungs- und Rationalisierungsmaßnahmen hätte Compaq unter diesen äußerst widrigen Umständen seine Ziele nicht erreichen können. CEO Mike Capellas hätte von einem "perfect storm" gesprochen als Allegorie für die Koinzidenz von so vielen Ereignissen mit negativem Vorzeichen, worunter der sowieso schon vorherrschende blutige Preiskampf im PC-Sektor und ein Taifun mit Auswirkungen auf Compaq fallen würden. Ohne diese Ereignisse zum Ende des Quartals hätte Compaq nach eigenen Angaben die eigenen Ziele wahrscheinlich erreicht.

Zusätzlich zum jetzt angekündigten Verlust werde Compaq im laufenden Quartal zahlreiche Beteiligungen abschreiben, beispielsweise an der Internet-Holding CMGI. Compaq hätte 1999 beim Verkauf von Altavista 17 Prozent am ehemaligen Internet-Inkubator erhalten. Hier werde es zu Abschreibungen von 500 Mio. US-Dollar kommen. Im Juli erst hätte Compaq angekündigt, statt bislang 7.000 nun 8.500 Stellen streichen zu wollen. Nach der Fusion mit Hewlett-Packard sei die Entlassung von weiteren 15.000 Mitarbeitern geplant. Diese Zahl könnte sogar noch nach oben korrigiert werden, wenn der entstehende Konzern der Rezession begegnen wolle.

Für den Beobachter würden sich nun drei Fragen stellen. Hätte Compaq unter normalen Umständen seine Planzahlen erreichen können, denn die wichtigen PC-Verkäufe zu Beginn des neuen Schuljahres hätten sich wenig aussichtsreich entwickeltet. Hätte Hewlett-Packard deshalb den langjährigen Konkurrenten Compaq so einfach übernehmen können. Beide Fragen würden sich mit einem vielleicht beantworten lassen. Wichtiger sei jedoch die Frage, ob die Fusion zwischen Compaq und HP gefährdet sei. Wahrscheinlich noch weniger als vor dieser Gewinnwarnung und vor den Terrorattacken. Denn nun würden die Regulierungsbehörden sehen, dass für Compaq und HP konkreter Handlungsbedarf bestehe.

Analysten würden nach der Warnung durch Compaq nun weitere Warnungen von anderen PC-Herstellern erwarten, beispielsweise auch HP. Dies würde bei dieser Akquisition durch Aktientausch das Aktienkurs-Verhältnis wieder etwas ausgleichen.