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DJ MARKT-AUSBLICK/Der Ölpreis gibt unverändert den Takt vor


19.02.16 13:56
Dow Jones Newswires



DJ MARKT-AUSBLICK/Der Ölpreis gibt unverändert den Takt vor




Von Benjamin Krieger




FRANKFURT (Dow Jones)--Der Ölpreis ist unverändert die entscheidende Stellschraube für den Risiko-Appetit an den Finanzmärkten. Legt man die Kursverläufe des Ölpreises und des DAX-Future in dieser Woche übereinander, so offenbart sich ein nahezu perfekter Gleichlauf. Steigt der Ölpreis, so steigt auch der Terminkontrakt auf den DAX. Und umgekehrt.




Mit den niedrigen Preisen für Öl und andere Rohstoffe verbinden sich weltweit sinkende Inflationserwartungen. Und damit indirekt auch die Erwartung niedriger Zinsen. In Deutschland beispielsweise sind die Energiepreise im Januar im Vergleich zum Dezember um 2,5 Prozent gefallen. Das ist der größte monatliche Rückgang seit fast sieben Jahren. Die Gespenster Deflation und Rezession gehen um.




Nicht ganz unbegründet, wie Carsten Klude von M.M.Warburg meint. So entfalle die Hälfte des Anstiegs der Investitionen von 2010 bis 2014 in den USA auf die Ölindustrie. "Einige Beobachter befürchten, dass die Ölunternehmen in den letzten Jahren derart viele Schulden aufgebaut haben, dass daraus ein systemisches Risiko entstehen könnte", sagt der Volkswirt. Ähnlich dem Platzen der Blase am Markt mit verbrieften Wertpapieren, auf die 2008 die Pleite von Lehman Brothers folgte.





Die Rettung kommt aus Saudi-Arabien



Der gleichzeitige Rückgang des Ölpreises und der Zinserwartungen setzt vor allem den Energiesektor und die Finanzindustrie unter erheblichen Druck. Francisco Blanch von der Bank of America Merrill Lynch schätzt, dass der jüngste Wertverlust von 4,6 Billionen US-Dollar an den Börsen rund um den Globus zu fast zwei Dritteln auf diese beiden Sektoren entfällt.




"Stehen wir also vor einer Rezession?", fragt der Rohstoffstratege. Kurioserweise könnte die Rettung für die Finanzmärkte gerade aus Saudi-Arabien kommen, dem größten Ölproduzenten der Welt. Blanch schätzt, dass die Inlandsnachfrage in dem Land in den kommenden Monaten um 450.000 Fass Rohöl pro Tag steigt. Die Exporte dürften um eben dieses Volumen zurückgehen, was den Ölpreis stützen dürfte.




Mit dem nahenden Frühling werde zudem der Andrang an den Tankstellen zunehmen. "Wir rechnen mit einer starken Fahrsaison im Sommer", sagt Blanch. Die drastisch gekürzten Kapazitäten der Ölproduzenten würden sich ebenfalls zunehmend auf den Preis auswirken. Und auch das Einfrieren der Förderung der Opec sei ein wichtiger Schritt. All das werde den Ölpreis bis zur Jahresmitte auf 47 Dollar zulegen lassen.





Bei steigendem Ölpreis wieder ins Risiko gehen



Sollte dieses Szenario Realität werden, dürfte man vor allem im US-Energiesektor tief aufatmen. Viele Produzenten dort sind hoch verschuldet. "Die Zahl der Ausfälle kleinerer Öl- und Gasproduzenten steigt und auch das Risiko für die Großen", sagt Blanch. Bislang seien in der Branche Anleihen im Volumen von 18 Milliarden Dollar ausgefallen. Für die 25 größten Ölproduzenten sei die Wahrscheinlichkeit eines Schuldnerausfalls im Schnitt auf 27 Prozent gestiegen.




Genau diese Sorgen hatten die weltweiten Börsen zum Jahresbeginn einbrechen lassen. Sollte der Ölpreis tatsächlich wieder zulegen, dürfte sich die Lage merklich entspannen. Dann könnten die Investoren wieder voll ins Risiko gehen. Schließlich sind ihre Cash-Bestände einer jüngsten Umfrage unter Fondsmanagern in den USA zufolge so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.




Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com




DJG/bek/raz




(END) Dow Jones Newswires




February 19, 2016 07:56 ET (12:56 GMT)




Copyright (c) 2016 Dow Jones & Company, Inc.







 
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