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So, 13. Oktober 2019, 23:09 Uhr

Gerry Weber

WKN: 330410 / ISIN: DE0003304101

GERRY WEBER-Aktie: Halbjahreszahlen überzeugen - deutliches Umsatzplus dank Einzelhandelsausbau


18.06.12 16:36
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Steffen Manske, Analyst der National-Bank AG, stuft die Aktie von GERRY WEBER unverändert mit "kaufen" ein.

Der Bekleidungshersteller GERRY WEBER habe Ende vergangener Woche einen erfolgreichen Geschäftsgang für das zweite Quartal präsentiert und den Jahresausblick entsprechend bestätigt. Zu den positiven Aspekten würden die Analysten das gegenüber dem ersten Quartal beschleunigte Umsatz- und EBIT-Wachstum, den fortgesetzten Ausbau im Groß- und Einzelhandel und die gute Akzeptanz der neu eingeführten Produkte im US-amerikanischen Konsumgütermarkt zählen.

Zum Umsatzwachstum im zweiten Quartal von 12,8% auf 211 Mio. EUR habe der Großhandel 137,8 Mio. EUR (+3,4%) und der Einzelhandel 68,9 Mio. EUR (+34,3%) beigesteuert. Während sich die Verschiebung der Auslieferungstermine im Großhandel im ersten Quartal noch durch einen rückläufigen Umsatz bemerkbar gemacht habe, sei hier erfreulicherweise bereits die Trendwende erfolgt. Mit den Bemühungen, die Auslieferungen dichter an den Verkaufszeitpunkt zu bringen, dürfte sich dieser Trend im Jahresverlauf fortsetzen und zu einer Jahresglättung führen. Der Einzelhandel bleibe unverändert der dominierende Wachstumstreiber. So habe GERRY WEBER insbesondere vom jüngsten dynamischen Ausbau der eigenen Verkaufsflächen profitiert.

Die hier zuzurechnenden drei Online-Shops würden mit einem Umsatz von ca. 4 Mio. EUR unverändert noch einen geringen Stellenwert einnehmen, obwohl das Wachstum im ersten Halbjahr mit 35% ordentlich erscheine. Enthalten seien auch Umsätze aus dem Abverkauf der Wissmach-Ware in einer Größenordnung von 4 bis 5 Mio. EUR. Somit nehme der Einzelhandel umsatzseitig eine immer tragendere Rolle ein.

GERRY WEBER habe im zweiten Quartal mit einem Zuwachs von 16,8% auf 29,3 Mio. EUR eine überproportionale EBIT-Verbesserung geschafft. Die EBIT-Marge sei somit von 13,4% auf 13,9% ausgebaut worden. Positive Einflussfaktoren seien dabei ein zum Umsatzplus weniger deutlicher Anstieg des größten Kostenblocks Materialaufwand. Sowohl die in den letzten Jahren erfolgte Verkleinerung der Kollektionen als auch das höhere Umsatzvolumen hätten dabei für einen gestiegenen Einfluss gegenüber einzelnen Lieferanten und somit einer höheren Preismacht gesorgt. Demgegenüber würden die ab Erwerb der 200 Wissmach-Filialen anfallenden Miet- und Personalkosten für 850 neue Mitarbeiter im Retailgeschäft negativ zu Buche schlagen.

Die Ergebnisbeiträge beider Segmente auf Basis des Vorsteuergewinns (Großhandel: 23,5 Mio. EUR, Einzelhandel: 3,3 Mio. EUR) würden aber auch aufgrund einzelner Effekte nicht den Umsatzanteilen entsprechen. So führe die Eröffnung neuer Einzelhandelsgeschäfte anfangs noch zu Ergebnisbelastungen, der Großhandel profitiere hingegen schnell mit einer Handelsmarge durch den Weiterverkauf der Ware an den eigenen Einzelhandel und den Gewinnbeiträgen aus den so genannten Vertrauenslimiten.

Erwartungsgemäß habe der Konzern den Ausbau des Verkaufsnetzes fortgesetzt. So seien im zweiten Quartal neben den übernommenen 200 Wissmach-Filialen 21 neue eigene "Houses of GERRY WEBER" auf nunmehr 278 Geschäfte eröffnet worden. Im ersten Halbjahr stehe ein Zuwachs von 43 eigenen Geschäften zu Buche, womit sich der Konzern auf gutem Wege zum Jahresziel von 75 neuen selbst betriebenen "Houses of GERRY WEBER" befinde. Die Anzahl der dem Großhandel zugerechneten, franchise-geführten "Houses of GERRY WEBER" sei allein im zweiten Quartal um 19 Filialen auf 285 gestiegen und die Shop-in-Shop-Anzahl sei um 148 auf 2.495 geklettert.

Der Umbau der seit März zugehörigen Wissmach-Filialen verlaufe erfolgreich. Das Ziel von GERRY WEBER sei dabei der Ausbau der Monolabel-Stores, d.h. die Stärkung der kleineren Marken. Aus den 200 Geschäften sollten vor allem Filialen der jüngeren Marke TAIFUN entstehen. Für die einzelnen Geschäfte laufe aktuell der Abverkauf der Wissmach-Ware mit vorgegebenen Rabatten, wonach eine Schließung und der Umbau in vier bis sechs Wochen erfolgen würden. Als ersten Integrationsschritt seien u.a. bereits neue, günstigere Rahmenverträge abgeschlossen worden. Zudem würden die Kosten des Umbaus aktuell etwas unter dem Jahresplan von 16 bis 17 Mio. EUR liegen.

Der Markteintritt in den USA über den vorsichtigen Schritt einer Vertriebspartnerschaft mit Bloomingdale's mit zwei Shopin-Shop Flächen und dem Verkauf der Mode in mittlerweile elf Geschäften der Kaufhauskette Dillard's (ISIN US2540671011 / WKN 861569) sei GERRY WEBER gelungen. Mit beiden Partnern werde bereits über den Ausbau der Zusammenarbeit gesprochen.

Der Bekleidungskonzern erwarte für das laufende Geschäftsjahr unverändert ein prozentual zweistelliges Umsatz- und Ergebniswachstum. So werde ein Umsatzanstieg auf 795 Mio. EUR und eine EBIT-Margenausweitung auf 14,5% bis 14,6% als Ziel genannt. Die Ergebnisentwicklung werde dabei durch die Umbaukosten der bisher größten Unternehmensakquisition, den 200 Wissmach-Filialen, beeinträchtigt. Die Basis dieser Prognose dürften nach Erachten der Analysten die in den letzten Jahren eröffneten Standorte sowohl im Einzel- als auch im Großhandel bilden. Diese Strategie werde auch im laufenden Jahr fortgesetzt. So sollten weitere 75 neue eigene "Houses of GERRY WEBER" eröffnet werden. Die Analysten würden die Unternehmensziele als erreichbar anbetrachten und in ihren Planungen einen Umsatzanstieg von 13,5% auf 798 Mio. EUR sowie eine operative Ergebnisverbesserung von 16,5% auf 116 Mio. EUR (EBIT-Marge 14,6%) zugrunde legen.

Die Eröffnung weiterer Verkaufsstellen im In- und Ausland würden die Analysten unverändert als den wesentlichen Eckpfeiler weiteren mittelfristigen Wachstums erachten. Im aktuellen Jahr stehe dabei im Retailgeschäft die erfolgreiche Integration der Wissmach- Filialen im Blickpunkt. Für neue "Houses of GERRY WEBER" sehe das Unternehmen allein in Deutschland mittelfristig ein Potenzial von 400 Verkaufsstellen (Geschäftsjahr 2010/11: 238). Im Großhandel würden aktuell die Expansionsschritte in den USA laufen. Potenzial für weitere Filialen bestehe aber unter anderem auch in den Benelux-Ländern, Russland sowie im Nahen Osten. Sowohl die Online-Aktivitäten als auch die Umsätze mit Lizenzprodukten würden die Analysten wie bisher als Schwachpunkte erachten, in denen GERRY WEBER seine Markenpräsenz ausbauen könnte.

Während der Präsentation der Halbjahresergebnisse und der Führung durch die Unternehmenszentrale hätten die Analysten ein Bestreben zur deutlichen Stärkung der Führungsstrukturen erkannt. Nach der zweijährigen Verlängerung des Vorstandsmandats für den Unternehmensgründer Gerhard Weber bis zum Oktober 2013 würden sie im nächsten Jahr einen Wechsel an der Unternehmensspitze erwarten. Bis zu einer diesbezüglichen Bekanntgabe und der von den Analysten erwarteten Bekräftigung der bisherigen Konzernstrategie könnte sich bei Investoren jedoch noch eine abwartende Haltung einstellen.

Für die Ermittlung des fairen Unternehmenswertes würden die Analysten zwei Bewertungsverfahren, die Multiplikatorenanalyse und das Discounted Cash Flow (DCF)-Modell nutzen.

In der Multiplikatorenanalyse würden Bewertungsrelationen (u.a. Kurs/Gewinn-Verhältnis und Kurs/Cashflow-Verhältnis) bestmöglich vergleichbarer Gesellschaften auf das Zielunternehmen der Analysten angewendet. Sie hätten sich entsprechend für Modeunternehmen entschieden, die einerseits einen wesentlichen Umsatzanteil in Europa generieren würden und deren Wachstum im Kern auf dem Ausbau des Einzelhandelsfilialnetzes fuße. Auf Basis dieses Verfahrens würden sie einen fairen Wert des Eigenkapitals von 1,863 Mrd. EUR bzw. 40,59 EUR je Aktie ermitteln.

In dem zweiten Bewertungsverfahren werde die zukünftige Leistungsfähigkeit des Unternehmens berücksichtigt. In der Discounted Cash Flow (DCF)-Methode würden dabei die der Gesellschaft aus dem operativen Geschäft zufließenden Mittel, die für die Bedienung der Ansprüche der Kapitalgeber zur Verfügung stünden, die so genannten Freien Cash Flows, mit einem risikoadäquaten Zinsfuß WACC (= weighted average cost of capital) auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Zur Ermittlung des Marktwertes des Eigenkapitals werde zum berechneten Unternehmenswert von 1,562 Mrd. EUR gemäß DCF-Modell die Netto-Finanzliquidität des Unternehmens 67,5 Mio. EUR. addiert, so dass die Analysten einen fairen Wert des Eigenkapitals von 1,630 Mrd. EUR bzw. 35,50 EUR je Aktie ermitteln würden.

GERRY WEBER verfüge über ein etabliertes Geschäftsmodell und mit dem deutlichen Ausbau des eigenen Retailgeschäfts, der Gewinnung weiterer Großhandelspartner in bestehenden und neuen Regionen, der Steigerung der Online-Umsätze sowie einer verstärkten Lizenzierung der Marken über solide organische Wachstumspotenziale. Diese würden durch mögliche Akquisitionen weiterer Verkaufsflächen sowie dem denkbaren Kauf einer neuen Konzernmarke gesteigert. Mit den Bewertungsverfahren würden die Analysten aktuell einen fairen Aktienkurs von 38,05 EUR errechnen, womit sie ihr Kursziel bei 38,00 EUR unverändert lassen würden. Bei einem aktuellen Börsenkurs von 29,58 EUR errechne sich ein Kurspotenzial von 28,6%.

Auf der Basis der ihres Erachtens aktuell guten Unternehmensentwicklung bekräftigen die Analysten der National-Bank AG ihr bisheriges "kaufen"-Votum für die GERRY WEBER-Aktie. (Analyse vom 18.06.2012) (18.06.2012/ac/a/d)


Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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