Suchen
Login
Anzeige:
Mo, 20. Mai 2019, 16:21 Uhr

DJE Marktkommentar: "Märkte in Bewegung: Was im Jahresverlauf für weitere Dynamik sorgt"


21.04.19 10:06
Redaktion boerse-frankfurt.de


Jens Erhardt gibt einen umfassenden Ausblick auf die nächsten drei Quartale 2019 - und bleibt weitgehend optimistisch trotz einer Abschwächung der europäischen Konjunktur. 17. April 2019. PULLACH (DJE Kapital). Vor einem Jahr hatten wir ein schwierigeres Börsenjahr 2018 vorausgesagt, was dann besonders für die Exportweltmeister Deutschland und China zutraf. Die US-amerikanischen Beeinträchtigungen - unter anderem in der Handelspolitik - drückten diese beiden Aktienmärkte am meisten. 

Die Zinsprognose war richtig. Die allgemein vorausgesagten Zinssteigerungen traten nicht ein. In Europa gaben die Zinssätze noch einmal nach - und in den USA wurde zwar der Leitzins erhöht, die Zinsen für länger laufende Staatsanleihen gingen dagegen unerwartet stark zurück. Erwartungsgemäß wirkte sich die Bremspolitik der US-amerikanischen Notenbank nur unterdurchschnittlich stark aus. Die hohen freien Bankreserven, die zuvor im Zuge des Quantitative Easing der US-Notenbank Federal Reserve stark gestiegen waren, verminderten sich zwar - sie waren aber immer noch überdurchschnittlich hoch, um ausreichend Spielraum für weitere Kredite zu geben. Eine Kreditklemme, die für Aktienbaissen und Konjunkturschwächephasen kennzeichnend ist, ergab sich nicht. Eine drastischere Bremspolitik der Federal Reserve war auch nicht notwendig, da die Inflationsrate sich gegen Jahresende und am Jahresanfang 2019 sogar leicht abschwächte. Hintergrund waren die vorübergehend deutlich rückläufigen Ölpreise.

Deutsche und japanische Anleihen schwach


Anleihen sind weiterhin eine renditeschwache und langfristig kursgefährdete Anlage. Die deutschen und japanischen zehnjährigen Zinssätze wurden erneut leicht negativ. Auch in den USA liegt der Realzins nur wenig über Null. An vielen Börsen besteht eine bislang selten gesehene Differenz zwischen derartig niedrigen Zinsen für Staatsanleihen einerseits - und hohen Gewinnrenditen, international durchschnittlich 6 bis 7 Prozent, von Aktien andererseits. Besonders groß ist die Differenz in Deutschland mit etwa 8 Prozent Gewinnrendite für Unternehmen bei fehlender Verzinsung, also real sogar negativ, für Anleihen.

Aktien im leichten Aufwind


Daher müsste sich die deutsche Aktienbörse relativ gut entwickeln. Zwar sind die Probleme vor allem aus politischer Sicht - Trump torpediert den Welthandel - für Deutschland überdurchschnittlich groß, aber andererseits ist die Bewertung auch ungewöhnlich niedrig. Denn: Deutsche Aktien notieren bewertungsmäßig (Gewinn, Substanz) auf einem 50-Jahres-Tief gegenüber US-Aktien. Viele US-Aktien verdienen zwar aufgrund ihres höheren Wachstums auch eine bessere Bewertung, aber es gibt auch international tätige größere Aktiengesellschaften, die sowohl in Deutschland als auch Europa relativ niedrig bewertet sind - in den USA dagegen bei ähnlichem Betätigungsfeld wesentlich höher.

Günstige Bewertungen in Europa und Deutschland


Durchschnittlich dürfte der deutsche Aktienmarkt jedoch auch auf längere Sicht niedriger bewertet werden als die Wachstumsmärkte USA oder Asien. In Deutschland fehlt es an Wachstumsunternehmen, etwa aus dem Internet-Sektor. Trotzdem erscheint das Chance/Risiko-Verhältnis für deutsche und europäische Aktien aktuell günstig. Auch aus markttechnischer Sicht haben europäische Titel Nachholbedarf. Internationale Fondsmanager sind aktuell zum Beispiel in europäischen Aktien stark untergewichtet. Die flexibel eingestellten internationalen Fondsmanager hatten zuletzt sogar Leerverkäufe in europäischen Aktien zu ihrer bevorzugten Anlagestrategie erklärt. Wenn aber die Masse der Fondsmanager auf fallende Kurse in Europa setzt, war dies in der Vergangenheit noch nie eine richtige Strategie.

USA spielen wieder stärker Weltpolizei


Abgesehen von den USA sind Aktien international preiswert bezogen auf Gewinne und Substanz. Allerdings herrscht auch eine erhebliche politische Unsicherheit. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist noch nicht beendet. Längerfristig werden die US-Amerikaner - da sind sich Demokraten und Republikaner einig - versuchen, das chinesische Wirtschaftswachstum zu bremsen. Beispielgebend sind die politischen Interventionen der USA, den westlichen Verbündeten eine Installation von Huawei-Telekom-Systemen im 5G-Standard zu untersagen. Auch die Drohungen der US-Amerikaner in Sachen Nord Stream 2-Pipeline sprechen für sich. Die Deutschen sollen, übrigens ein Drittel teureres, amerikanisches Flüssiggas beziehen - und nicht wie in den Jahrzehnten zuvor inklusive des Kalten Krieges Erdgas aus Russland.

Ölpreis unter Druck


Politische Unsicherheiten gibt es daher weiterhin im Ölsektor. Die Iran-Sanktionen haben den Ölpreis zunächst nach oben getrieben, die US-amerikanische Rekordförderung hat ihn dann wieder gesenkt. Drastische Produktionskürzungen in Saudi-Arabien und massive Angebotsausfälle in Venezuela führten im Jahresverlauf zu einem erneuten Preisanstieg. In Venezuela könnte sich sogar ein Stellvertreter-Krieg zwischen den USA auf der einen Seite und Russland und China auf der anderen Seite entwickeln. Die Amerikaner liefern erstmals seit Jahrzehnten wieder Waffen nach Taiwan, was Konflikte mit China auslösen könnte.

Brexit mal nüchtern betrachten


Den Brexit haben wir nie als großes Problem für die Aktienmärkte gesehen. Weder die Briten noch die EU-Politiker werden so kurzsichtig sein, Großbritannien aus dem gemeinsamen Markt zu werfen. Damit dürften die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weit geringer ausfallen als allgemein erwartet. Da Großbritannien einer der wichtigsten Exportmärkte für Deutschland in Europa ist, wäre ein harter Brexit ein erhebliches Risiko.

Trotz Unsicherheiten freundliches Börsenklima


Insgesamt erwarten wir trotz dieser Unsicherheiten eine selektiv freundliche Börse. In den USA werden im ersten Halbjahr zwar Gewinnrückgänge bei den Aktiengesellschaften erwartet - im zweiten Halbjahr jedoch wieder Gewinnsteigerungen nach der sich abzeichnenden freundlicheren Notenbank-Politik. In China deuten erste Frühindikatoren bereits auf eine Konjunkturbesserung hin. Die Bewertungen sind in Asien generell niedrig. Besonders in Hong Kong rechnen wir mit einer freundlichen Börsentendenz. Viele Aktien haben an diesem Markt eine überdurchschnittliche Dividendenrendite. Eine Lockerung der US-amerikanischen Geldmarktpolitik überträgt sich wegen der Wechselkursbindung, also fester Kurs zwischen US- und Hong Kong Dollar, automatisch auf die Konjunktur in Hong Kong.

Rohstoffe: Steigende Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung


Eine Konjunkturbelebung in den Schwellenländern wirkt sich positiv auf die Rohstoffpreise und damit auf die Rohstoffbörsen und Rohstoffwährungen aus. Für die meisten Rohstoffe ist mit einer Angebotsknappheit zu rechnen, so dass eine anziehende Nachfrage zu höheren Preisen führen könnte. Ähnliches gilt für Gold, wo die Minenproduktion zurückgehen dürfte und die in den letzten Jahren niedrige Nachfrage der Anleger wieder steigen könnte. Aufgrund der zahlreichen politischen Unsicherheiten weltweit beginnen besonders die Chinesen wieder stärker Gold nachzufragen. Im vergangenen Jahr haben auch die Notenbanken international zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Rekordkäufe in Gold vorgenommen. Wir halten deshalb an unseren Goldbeständen in den Fonds und Depots fest.

Ausblick 2019: Politik ist Markttreiber, Euro hat Potenzial


Risiken sehen wir mehr in politischer Hinsicht als den sonst von Börsentrends entscheidend prägenden Notenbanken. Die Amerikaner haben von Dezember 2018 auf Ende Januar 2019 eine 180-Grad-Wende in Richtung Lockerung vollzogen. Um einen Gesichtsverlust zu vermeiden, dürfte die US-Notenbank damit in absehbarer Zeit nicht die Zinsen wieder erhöhen. Dies erscheint im Hinblick auf die schwächeren Konjunkturdaten in den USA auch ratsam. Trump braucht für eine Wiederwahl eine gute Konjunktur im kommenden Jahr. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen nicht vor dem nächsten Wahltermin im November 2020 erhöhen wird. Für die Weltbörsen wäre dies aus monetärer Sicht ein gutes Umfeld.

Um die schwächelnde Konjunktur in Europa aufzufangen, müsste Europa fiskalpolitisch expansiver werden. Nur mit einer solchen Politik könnte Europa gegenüber den USA konjunkturell aufholen. Dann würde sich auch der Euro gegenüber dem Dollar wieder verbessern verglichen mit derzeitiger Unterbewertung von rund 18 Prozent hinsichtlich der Kaufkraft. Die deutliche Schwächeperiode des Euros seit der Finanzkrise könnte dann einer stabileren Phase weichen.

von Dr. Jens Ehrhardt, Vorsitzender des Vorstands der DJE Kapital AG

17. April 2019, © DJE Kapital

Über den Autor


Jens Ehrhardt ist Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, eine seit 45 Jahren unabhängige Vermögensverwaltung. Das Unternehmen verwaltet aktuell rund 12,1 Milliarden Euro (Stand: 31.01.2019) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors. Disclaimer Inhalte des Onlineangebots Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes. 

Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht dafür, dass die folgenden Informationen vollständig oder richtig sind. Infolgedessen sollte sich niemand auf die hierin enthaltenen Informationen verlassen. Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden. 

Zum Handel an der FWB zugelassene Wertpapiere sowie Eurex-Derivate (mit Ausnahme des DAX®Future-, STOXX® 50 Future-, EURO STOXX® 50 Future-, STOXX 600 Banking Sector Future-, EURO STOXX Banking Sector Future- und Global Titans Future-Kontrakts und Eurex Zinssatz Derivaten) stehen derzeit nicht zum Angebot, Verkauf oder Handel in den Vereinigten Staaten zur Verfügung noch dürfen Bürger, die den US-amerikanischen Steuergesetzen unterliegen, diese Wertpapiere anbieten, verkaufen oder handeln. 

Die in XTF Exchange Traded Funds® gelisteten Fondsanteile sind zum Handel an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nutzer dieses Informationsangebotes mit Wohnsitz außerhalb von Deutschland weisen wir darauf hin, dass der Vertrieb der in XTF Exchange Traded Funds gelisteten Fondsanteile in diesem Land möglicherweise nicht zulässig ist. Die Verwendung der Informationen geschieht auf eigene Verantwortung des Nutzers. Verweise und Links Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Internetseiten ("Links"), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Autors liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Autor von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Autor erklärt daher ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf der verlinkten Seiten erkennbar waren. 

Der Autor hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der gelinkten/verknüpften Seiten. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. 

Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Mailinglisten. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist. Rechtswirksamkeit des Disclaimers Dieser Disclaimer ist ein Teil des Internetangebots, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern einzelne Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt. Einbindung von weiteren Inhalten Dritter Es ist möglich, dass innerhalb unserer Website Inhalte Dritter unter anderem im Form von sog. iFrames eingebunden werden. Die Anbieter dieser Inhalte werden technisch bedingt Ihre IP-Adresse erfahren, um ihre Inhalte an ihren Browser zu senden, eventuell Cookies setzen wollen oder Analyse-Tools einsetzen. Für den datenschutzgerechten Umgang mit ihren Daten sind diese Drittanbieter eigenverantwortlich. Zu den Kontaktmöglichkeiten des Anbieters, dessen Datenschutzbestimmungen und eventuell eingeräumte Widerspruchsmöglichkeiten verweisen wir auf das Impressum und die Datenschutzerklärung des jeweiligen Drittanbieters.




powered by stock-world.de

Zertifikate-Trends: Setzen auf DAX-Erholung
Nach der Ölpreis-Rallye erwartet so mancher Zertifikate-Anleger fallende Notierungen. Auch die Bayer-Aktie ...
Scale-Monatsbericht: Schwung ist weg
Die Dynamik der ersten Monate dieses Jahres ist dahin. Dem Shooting-Star 2G Energy trauen Analysten noch ...
Hüfners Wochenkommentar: "Was kommt nach dem [...]
Hüfner analysiert die drei möglichen Verläufe der Konjunktur: einen Crash, eine Erholung ...
Anleihen: Lieber auf der sicheren Seite
Die Aktienmärkte haben sich diese Woche wieder viel freundlicher gezeigt, gleichzeitig sind Bundesanleihen ...
Marktstimmung: "Liegt das Schlimmste hinter uns?"
Trotz schwieriger Nachrichtenlage und Kursverlusten zeigen sich Anleger wieder optimistischer, insbesondere ...

 
Weitere Analysen & News
DAX fällt unter 12.100 Punkte!
Der DAX ist im heutigen Handel weiter gefallen und hat auch die wichtige Unterstützung um 12.100 Punkte nach ...
14:24 , Björn Junker
Präsidentschaftskandidat Joe Biden für Entkriminalis [...]
Cannabisstocks (by GOLDINVEST) - Ein Sprecher des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden erklärte ...
14:01 , wikifolio.com
Noch kein „UBERflieger“
Da fieberten Anleger nun Monate auf den Börsengang des Fahrdienstvermittlers Uber Technologies ...