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Do, 25. April 2019, 16:29 Uhr

Globale Konjunktur am Scheideweg


18.01.19 10:20
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Eine außergewöhnliche Fülle an negativen Faktoren - oft politischen Ursprungs - belasten derzeit die konjunkturellen Perspektiven, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Gute Orientierung für die künftige Entwicklung würden Einkaufsmanagerindices bieten. Sobald diese sich stabilisieren würden, dürfte sich auch die Stimmung an den Kapitalmärkten wieder bessern...

Die kürzlich veröffentlichten November-Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone hätten mit einem Minus von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat die ohnehin negativen Erwartungen der Analysten unterschritten. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Wert sogar um 3,3 Prozent gesunken. Einen stärkeren Rückgang der Industrieaktivitäten habe es zuletzt im Zuge der letzten Rezession im Dezember 2012 gegeben. Die deutsche Industrieproduktion sei im November um 1,9 Prozent im Vergleich zum Oktober 2018 gesunken. Erwartet worden sei ein leichtes Plus.

Damit würden sich die schon länger zunehmenden Hinweise auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik nun auch in den Produktionszahlen widerspiegeln. Wichtige vorlaufende Indikatoren zum Verhalten und der Stimmungslage von Unternehmen - in Deutschland beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex und die Auftragseingänge - und Konsumenten würden sich sukzessive bereits seit Anfang 2018 verschlechtern. Ähnliche Signale würden sich global und seit wenigen Wochen auch zunehmend in den USA zeigen.

Vor allem die Handelskonflikte würden weltweit belastend wirken. Vor dem Hintergrund unsicherer Absatzmöglichkeiten würden Unternehmen Investitionen verschieben. Andere hätten mit zollbedingt steigenden Kosten zu kämpfen, beispielsweise die US-Automobilindustrie, die ebenfalls auf die Anschaffungsneigung drücken würden. In den USA sei zuletzt die Haushaltssperre hinzugekommen, die angesichts der schon heute außergewöhnlichen Länge sowohl den Konsum wegen fehlender Gehaltszahlungen als auch Investitionen aufgrund stockender Auftragsvergaben und verspäteter Auszahlungen von staatlichen Investitionshilfen belaste.

Europaweit würden noch weitere - vor allem politisch bedingte - Faktoren wirken, wie die immer wieder aufkommenden Sorgen um den Zusammenhalt der Eurozone und der völlig unberechenbare EU-Austrittsprozess Großbritanniens. In Deutschland würden der immer deutlicher werdende Fachkräftemangel und die Probleme der Automobilindustrie durch die Umstellung auf neue EU-Vorgaben sowie die Absatzkrise bei Dieselfahrzeugen die Produktion dämpfen.

Die Liste ließe sich fortführen. Aktuell wirke eine außergewöhnliche Fülle an Entwicklungen negativ auf viele in 2018 noch dynamisch wachsende Volkswirtschaften. Dabei hätten einige das Potenzial, nicht nur regional oder branchenspezifisch, sondern global das Wachstum erheblich zu schwächen.

Eine gute Orientierung für den weiteren Verlauf könnten Einkaufsmanagerindices als Vorlaufindikator für die künftige konjunkturelle Entwicklung geben. In Deutschland sei die Grundlage für die monatlich veröffentlichten Daten eine Befragung von 500 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe bzw. dem Dienstleistungssektor zu Auftragseingängen und -beständen, Lagerbeständen, Einkaufsmengen und -preisen etc. Dabei würden Werte von über 50 eine Zunahme der Geschäftsaktivitäten anzeigen. Der Dezember-Wert für Deutschland habe bei 51,5 gelegen nachdem er allerdings Ende 2017 noch deutlich über 60 notiert habe.

In Frankreich, Italien und China seien die Einkaufsmanagerindices in den letzten Wochen bereits unter die Marke von 50 Punkten gefallen und würden damit auf eine weiter nachlassende Konjunkturdynamik hindeuten. In einigen anderen Staaten seien die Indikatoren in den letzten Monaten ebenfalls stark gesunken und würden sich teilweise nur noch knapp im expansiven Bereich befinden.

Solange sich keiner der genannten Belastungsfaktoren eindeutig positiv entwickele, dürfte der Abwärtstrend der Einkaufsmanagerindizes bestehen bleiben. Dabei würde ein Abrutschen weiterer Volkswirtschaften unter die Marke von 50 Punkten Rezessionsgefahren signalisieren. Berechtigte Hoffnungen auf Fortschritte hingegen dürften die Situation vieler Unternehmen schnell wieder drehen und die Tendenz zur konjunkturellen Abschwächung bremsen.

Anleger sollten vor diesem Hintergrund zunächst weiter vorsichtig agieren. Es sei noch nicht sicher, dass an den internationalen Aktienbörsen die Tiefpunkte bereits erreicht seien. Gerade politische Prozesse hätten sich in den letzten Jahren durch eine stark zunehmende Unkalkulierbarkeit ausgezwichnet und hätten gleichzeitig teils massive Auswirkungen auf das Börsengeschehen gehabt. Es sei daher sinnvoll, zunächst eine hoffentlich im Laufe der kommenden Monate einsetzende Beruhigung der unübersichtlichen Lage abzuwarten. (18.01.2019/ac/a/m)