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Mo, 24. Juni 2019, 15:28 Uhr

Öl-Futures Abwärtsbewegungen signalisieren Marktverknappung


15.10.18 13:15
WisdomTree Europe

London (www.aktiencheck.de) - Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree, kommentiert die Marktverknappung durch Öl-Futures.

Die Öl-Terminkurven befänden sich seit dem überwiegenden Teil des vergangenen Jahres in der Abwärtsbewegung und würden den Anlegern eine Verzinsung beim Rolling ihrer Kontrakte zusätzlich zu den Gewinnen bringen, die sie aus den Ölpreisbewegungen vor Ort erzielt hätten. Ein Anleger hätte in diesem Zeitraum 44% an Preis und 9% an Rollrenditen gewonnen, wenn er im Jahr bis September 2018 in eine Frontmonats-Brent-Strategie investiert hätte. Die Rückwärtsentwicklung sei durch die kurzfristig wahrgenommene Angebotsknappheit getrieben worden.

Die Rückwärtskurve sei weitgehend von der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) geschaffen worden. Seit Januar 2017 beschränke das Ölkartell die Ölversorgung, indem es seinen Mitgliedern und Partnern ein Kontingent für die von ihnen produzierte Ölmenge zuweise. Obwohl das Kartell in der Vergangenheit nicht wirklich die Quoten eingehalten habe, habe es sich diesmal außerordentlich gut geschlagen. Ein Teil des Grundes sei eine wirtschaftliche Implosion in Venezuela. Die Produktion aus dem Land gehe stark zurück, während andere OPEC-Mitglieder ihre Produktion bis vor kurzem nicht erhöht hätten.

Im Moment glauben wir, dass der globale Ölmarkt im Gleichgewicht ist, so die Experten von WisdomTree Europe. Doch obwohl die OPEC die Produktion ausbaue und das US-Schieferöl weiter wachse, sei dieses Gleichgewicht fragil. Es werde nur einen weiteren Angebotsschock nach Libyen oder Kanada erfordern, um die Versorgung infrage zu stellen.

Die extraterritorialen Sanktionen der USA gegen den Iran seien eine potenzielle Quelle der Verschärfung. Die USA hätten den Ländern eine Frist bis Anfang November gesetzt, um ihr Embargo für die Einfuhr von iranischem Öl einzuhalten. Zwischen 2016 und 2017 habe der Iran einen großen Teil zum Wachstum der OPEC-Förderung beigetragen. In den letzten Monaten sei die Produktion zurückgegangen. Das Ausmaß des iranischen Produktionsrückgangs könnte sich erhöhen, wenn die Sanktionen streng durchgesetzt würden.

Die iranischen Exporte nach Japan und Indien seien rückläufig. Vorerst erwarten wir, dass die chinesischen Behörden die Sanktionen der USA weitgehend ignorieren, so die Experten von WisdomTree Europe. Aber auch China, als größter Importeur von iranischem Öl, laufe Gefahr, das Land abzuschotten. Ein Handelsabkommen mit den USA könnte die Einhaltung der Sanktionen voraussetzen. Selbst wenn es kein Handelsabkommen gebe, sei die Reichweite der USA groß. Sinopec - ein chinesischer staatlicher Ölraffiner - habe Berichten zufolge die iranischen Importe reduziert, nachdem die USA Druck ausgeübt hätten, sich daran zu halten. Sinopec sei an den Börsen von Hongkong und New York notiert. Um die Situation zu verschärfen, könnte der Iran die Lieferungen um die Meerenge von Hormuz - einen 21 Meilen breiten strategischen Engpass am Arabischen Golf - blockieren, was die globale Ölversorgung weiter verschärfen würde.

Obwohl die OPEC sehr unvorhersehbar ist, bezweifeln wir, dass die Gruppe in den Zeitraum 2014 bis 2016 ohne Quoten zurückkehren wird, so die Experten von WisdomTree Europe. Keines der Mitgliedsländer wolle auf die Situation im Jahr 2014 zurückkommen, als der Ölpreisverfall so stark gewesen sei, dass die wirtschaftliche und finanzielle Gesundheit der OPEC-Staaten gefährdet gewesen sei. Ein Zuschauer Venezuelas zu sein, sei schon schmerzhaft genug.

Der Hauptteil des globalen Angebotswachstums liege im US-Tight Oil. Aber auch mit dieser Quelle gebe es Grenzen für das Wachstum. Die Infrastruktur müsse im Gleichschritt mit der Ölproduktion wachsen. Dass WTI Midland mit einem so hohen Rabatt auf WTI Cushing handle, zeige, dass es in den engen Ölregionen eine Überflutung an Öl gebe, die sich nicht schnell genug an die richtigen Stellen bewege. Infrastrukturbegrenzungen könnten das Tempo verlangsamen, in dem der US-Schiefer zur Deckung des globalen Ölbedarfs beitragen könne. (15.10.2018/ac/a/m)