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Mo, 24. Juni 2019, 15:11 Uhr

USA: Arbeitsmarktbingo setzt sich im Januar fort


01.02.19 16:25
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Das Bureau of Labor Statistics in den USA gab heute bekannt, dass die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft zum Jahresauftakt um 304.000 angestiegen ist, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dagegen nehme sich auch die deutlich über Konsens liegende Prognose der Analysten von +190.000 bescheiden aus. Für November und Dezember sei das zunächst gemeldete Plus in Summe um 70.000 nach unten revidiert worden. Die Arbeitslosenquote habe von 3,9% auf 4,0% zugelegt.

Marktreaktion: US-Staatsanleihen hätten mit leichten Verlusten auf die Zahlen reagiert. Der Dollar habe anfängliche Gewinne zum Euro nicht halten können.

Einschätzung: Wie schon im Dezember wirke auch das für Januar vermeldete Stellenplus von 304.000 absurd hoch an. Das Beschäftigungsplus weiche um 84.000 vom Schnitt der letzten zwölf Monate ab. Wie bereits im Dezember liege kein einleuchtender Grund vor, weshalb der Beschäftigungszuwachs ausgerechnet im Januar so stark vom Durchschnitt nach oben abweichen sollte, noch dazu vor dem Hintergrund des Government Shutdowns. Die Analysten hätten schon im Dezember Probleme bei der Erfassung bzw. Bereinigung der Daten vermutet. Diese Zweifel hätten sich mit den heutigen Zahlen erhärtet, insbesondere angesichts der ungewöhnlich starken Abwärtsrevision der Dezemberzahlen um fast 100.000.

Auch wenn man die jüngsten Daten zur Beschäftigungsentwicklung mit größter Vorsicht interpretieren würde, so bestehe doch kein Zweifel daran, dass die Beschäftigung weiter sehr dynamisch wachse. Von einem nachlassenden Beschäftigungsaufbau, wie er typischerweise recht früh zu Beginn einer Konjunkturabkühlung stattfinde, sei jedenfalls nichts zu sehen. Etwas verwunderlich sei der anhaltend starke Beschäftigungszuwachs auch vor dem Hintergrund des angeblichen Arbeitskräftemangels in zahlreichen Regionen und Branchen. Ein enger Arbeitsmarkt spräche eigentlich für einen abflauenden Beschäftigungszuwachs.

Während die Beschäftigtenzahlen nicht durch den Government Shutdown beeinträchtigt seien, sei es die Arbeitslosenquote schon. Die während des Regierungsstillstandes in Zwangsurlaub geschickten Staatsdiener seien als arbeitslos gewertet worden und hätten so zu einem nochmaligen Anstieg der Arbeitslosenzahl beigetragen. Es sei aber davon auszugehen, dass die Zahl der Arbeitslosen im Februar und März kräftig sinken werde. Die Arbeitslosenquote dürfte daher rasch wieder auf 3,8% oder gar 3,7% zurückgehen. Angesichts des ungebremsten Beschäftigungsaufbaus würden die Analysten die Annahme eines Rückgangs der Arbeitslosenquote auf 3,5% bis zur Jahresmitte weiter für sehr plausibel halten.

Die Löhne hätten im Januar mit 0,1% p.m. wie von den Analysten erwartet langsamer zugelegt als im Vormonat. Die Vorjahresrate sei minimal auf 3,2% gesunken. Im Februar und März sei wegen eines günstigen Kalendereffekts jeweils mit einem Lohnplus von 0,4% p.m. zu rechnen. Im Vorjahresvergleich dürfte das Lohnwachstum 3,5% erreichen.

Implikationen Geldpolitik: Der Arbeitsmarktbericht dürfte der US-Notenbank einige Sorgen hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung nehmen. Ein ungebrochen starker Beschäftigungsanstieg in Kombination mit anziehendem Lohnwachstum spräche eigentlich für weitere Zinsanhebungen. Angesichts des äußerst "taubenhaften" Auftretens von FED-Präsident Powell am letzten Mittwoch würden die Analysten eine Zinsanhebung aber frühestens wieder im Juni als wahrscheinlich ansehen. (01.02.2019/ac/a/m)