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Di, 13. April 2021, 6:15 Uhr

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Die wichtigsten steuerlichen Fragen zu Bitcoin & Co


25.02.21 12:54
FONDS professionell

Wien (www.aktiencheck.de) - Spätestens seit dem neuerlichen Höhenflug von Bitcoin interessieren sich immer mehr Anleger für Investments in Kryptowährungen - doch steuerliche Aspekte werden dabei nur allzu gerne verdrängt, so die Experten von "FONDS professionell".

Was sei beim Handel mit Bitcoin und anderen virtuellen Währungen steuerlich zu beachten? Nicht selten müssten selbst erfahrene Berater bei solchen und ähnlichen Fragen passen. Aufgrund der Neuartigkeit und schnellen Entwicklung in Richtung regelkonformer Finanzprodukte würden zahlreiche Mythen rund um die steuerliche Behandlung von Kryptoassets kursieren.

Der "Kryptosteuerguide", der 2019 aus einer Kooperation zwischen dem Regtech-Start-up Blockpit, dem Wirtschaftsprüfer und Steuerexperten Ecovis, dem Linde Verlag und der überregionalen Newsplattform Trending Topics entstanden sei, liefere eine Zusammenfassung des steuerrechtlichen Status Quo in Österreich, Deutschland und der Schweiz:

Wann würden Steuern auf Bitcoin & Co. in Deutschland anfallen?

Bei Kryptowährungen handle es sich definitorisch um "andere Wirtschaftsgüter" im Sinne von § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG. Bei Anschaffung und Veräußerung innerhalb der Jahresfrist würden steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte gem. § 22 Nr. 2 i. V. m. § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG erzielt. Der Veräußerungsgewinn ermittle sich gem. § 23 Abs. 3 EStG durch Gegenüberstellung von Veräußerungspreis und Anschaffungskosten abzüglich etwaiger Werbungskosten (z.B. Tradingkosten). Entgegen der - insbesondere in Internetforen - häufig vorzufindenden Meinung seien Veräußerungsgewinne aus Kryptogeschäften nicht als Kapitaleinkünfte zu behandeln, die unabhängig von der Haltedauer immer der Abgeltungsteuer unterlägen.

Gebe es eine Grenze, unterhalb derer Kryptowährungen in Deutschland steuerfrei bleiben würden?

Gewinne würden nur dann der Besteuerung zugeführt, wenn die Veräußerungsgewinne eines Kalenderjahres 599 Euro übersteigen würden. Bei der 600-Euro-Grenze des § 23 Abs. 3 S. 5 EStG handle es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag. Das bedeute, dass bei Überschreiten der Freigrenze der volle Veräußerungsgewinn der Besteuerung unterliege. Einkünfte unterhalb der Freigrenze von 600 Euro müssten nicht angegeben werden. Empfehlenswert sei es jedoch, sämtliche Transaktionen zu dokumentieren, um im Falle von Rückfragen diese vorweisen zu können.

Wie hoch sei die Steuer auf Kryptowährungen?

Ein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn unterliege dem progressiven Steuertarif gemäß § 32a EStG. Dieser beginne bei 14 und endet bei 45 Prozent. Ab einem Jahres-Bruttoeinkommen in Höhe von 54.950 Euro gelte ein konstanter Grenzsteuersatz von 42 Prozent bis zu einem Einkommen von 260.533 Euro. Ab einem Einkommen von 256.304 Euro sei ein Grenzsteuersatz in Höhe von 45 Prozent zu beachten. Wenn der Steuerpflichtige Mitglied einer Religionsgemeinschafft sei, falle zudem noch Kirchensteuer an. Der Kirchensteuersatz betrage in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent und in den übrigen Bundesländern neun Prozent der Einkommensteuer.

Welche Berechnungsmethoden seien erlaubt und was würden diese bedeuten?

Bei der Ermittlung der Anschaffungskosten stelle sich häufig das Problem, dass die eingesetzten Coins zu unterschiedlichen Zeitpunkten und unterschiedlichen Kursen/Anschaffungskosten erworben worden seien. Gemäß deutscher Auslegung sei die FiFo-Methode (First-in-First-out) am geeignetsten, die Anschaffungskosten zu bestimmen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Anschaffungskosten nach Durchschnittswerten zu ermitteln.

Gebe es Trades, die steuerfrei bleiben würden (Spekulationsfrist)?

Würden im Privatvermögen gehaltene Kryptowährungen erst nach einem Jahr Behaltefrist veräußert, so seien diese Trades steuerfrei. Werde ein Veräußerungsgeschäft innerhalb der einjährlichen Haltefrist abgewickelt, greife noch die Freigrenze von 600 Euro p.a. Fraglich sei, ob der Verkauf einer abgespaltenen Kryptowährung - zum Beispiel Bitcoin-Cash - zu einem steuerpflichtigen Veräußerungsgeschäft gem. §§ 22 Nr. 2 i. V. m. § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG führen könne. Hierzu müsste Bitcoin-Cash "angeschafft" worden sein.

An einer solchen Anschaffung fehle es aber, da kein entgeltlicher Erwerb von einem beteiligten Dritten vorliege. In den genannten Fällen müsse in der Steuererklärung nichts angegeben werden, jedoch sollten die Verkäufe außerhalb der Spekulationsfrist entsprechend dokumentiert werden, ebenso die Ermittlung der unter Grenze befindlichen Spekulationseinkünfte, um im Falle von Rückfragen seitens der Finanzbehörde entsprechend vorbereitet zu sein.

Wie werde mit realisierten Verlusten umgegangen?

Die Verluste könnten nur mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften desselben Veranlagungszeitraums verrechnet werden. Insoweit sei keine Gleichartigkeit der Geschäfte erforderlich. So könnten beispielsweise Spekulationsgewinne aus Grundstücksverkäufen mit Spekulationsverlusten aus Kryptogeschäften verrechnet werden. Die Saldierung mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten sei jedoch ausgeschlossen. Verbleibende Verluste könnten jedoch ins Vorjahr zurückgetragen und unbegrenzt vorgetragen werden. Die Freigrenze in Höhe von 600 Euro sei vor Durchführung des Verlustrücktrags zu berücksichtigen. Gewinne und Verluste zwischen Ehegatten könnten bei Zusammenveranlagung verrechnet werden.

Gebe es eine Möglichkeit, Steuern auf Kryptowährungen zu vermeiden?

Im privaten Bereich könne eine Versteuerung vermieden werden, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung der jeweiligen Kryptowährung die einjährige Behaltefrist beachtet werde, der Verkauf also frühestens ein Jahr nach Anschaffung passiere. Im betrieblichen Bereich sei grundsätzlich jeder Trade steuerpflichtig (bei natürlichen Personen zum Progressionstarif, bei GmbHs gelte die Körperschaftsteuer). Hier könne die Steuerbemessungsgrundlage lediglich dahingehend optimiert werden, dass Trades mit Verlusten realisiert würden (sofern vorhanden), welche dann mit den Gewinnen ausgeglichen werden könnten. (Ausgabe vom 24.02.2021) (25.02.2021/ac/a/m)




 
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