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Bitcoin und Co. - Neues aus Betrugistan


26.05.18 10:02
Max Otte

Bill Harris ist mir, als vehementen Verfechter unseres Bargelds, nicht gerade sympathisch. Als Mitbegründer von Paypal hat er dazu beigetragen, dass eines unserer Grundrechte unter starkem Beschuss steht. Doch mit einer Aussage sammelte Harris zuletzt Punkte bei mir. Er bezeichnete Bitcoin als „größten Betrug in der Geschichte“. Und er forderte, dass Regulierungsbehörden wie die Federal Exchange Commission die Werkzeuge erhalten, um uns Anleger endlich vor diesem Betrug zu schützen. Kryptowährungen sind nach seiner Meinung nur zur Bereicherung weniger Förderer und für die Zwecke von Kriminellen dienlich, haben aber keinerlei Vorteile gegenüber regulärem Geld. Da sind wir einer Meinung. Danke, Mr. Harris!




Seit 2017 fluten die Kryptowährungen den Markt


Und das mit Versprechungen, die sie kaum werden halten können. Nicht wenige von ihnen erweisen sich als Betrug. Die Entwickler greifen bei einem Initial Coin Offering (ICO) das Geld der naiven Sparer und Kleinanleger ab und machen sich davon. Einige andere haben zwar gute Absichten, scheitern aber, weil ihre Projekte unausgereift sind oder den Nutzern keinen echten Mehrwert bieten. Dazu ein schönes aktuelles Beispiel:





Bananen-Investments per Ethereum


Die Entwickler des Bananacoin meinen es durchaus ernst. Oleg Dobrovolski, Alexander Bichkov und ihr kleines Team haben 2015 in Laos eine Bananenplantage gegründet und bereits erste Ernten eingefahren. So weit, so gut. Doch sie wollen mehr. Ihr Bananacoin soll es Anlegern ermöglichen, in die Plantage zu investieren. Deshalb soll der Wert der Coins an den Exportpreis von einem Kilogramm Bananen aus Laos nach China gekoppelt sein. Dadurch soll der Kurs soll mit der Nachfrage nach Bananen wachsen. Somit funktioniert der Bananacoin jedoch weniger wie digitales Geld, sondern vielmehr wie ein Bananen-Future. Schauen wir mal, was daraus wird…





Solche Projekte sind harmlos. Doch mit etwas krimineller Energie lassen sich noch ganz andere Maschen mit den Kryptowährungen abziehen:


Krypto-Miner auf dem Vormarsch


Immer mehr Halunken setzen auf Krypto-Miner. Darüber schürfen sie auf befallenen Computer heimlich Kryptogeld – besonders beliebt ist dabei die Währung Monero, die auf eine besonders starke Anonymisierung und Sicherheit der Nutzer setzt. Das IT-Sicherheitsunternehmen Comodo hat im ersten Quartal 2018 beobachtet, dass knapp 29 Millionen von 300 Millionen Malware-Attacken auf Krypto-Miner zurückgehen. Im März stieß Comodo, einem aktuellen Report zufolge, auf 127.000 Krypto-Miner. Diese Schädlingsart befindet sich somit an der Spitze von durch Comodo entdeckter Malware. Krypto-Miner sind einfach einzusetzen, schürfen ohne Zutun der Opfer im Verborgenen und sorgen dafür, dass bei den Drahtziehern die Kassen klingeln. Laut einem Bericht von Kaspersky hat eine Bande innerhalb von sechs Monaten mit 10.000 infizierten Computern 7 Millionen US-Dollar eingeheimst.


Sicherlich: All diese Vorkommnisse könnten wir einfach als Kinderkrankheiten einer neuen Technologie ansehen, die im Grunde Gutes will und die Menschheit womöglich auch voranbringen wird. Doch wenn ich mir so manche Aussagen der Protagonisten innerhalb dieser Szene anhöre, werden meine Zweifel nur bestärkt…


Die Hybris der Bitcoin-Evangelisten


Kennen Sie Vitalik Buterin? Er ist mit 24 Jahren bereits eine der schillerndsten Botschafter der Blockchain-Technologie. In einem aktuellen Interview mit dem Magazin Vice berichtete er von seinen Anfängen im Krypto-Bereich. Er war und ist jung und engagiert. Er möchte die Welt verändern. Die Möglichkeiten der Blockchain beschrieb er in dem Interview als „epochale Veränderung der bestehenden Verhältnisse“. Ob er sich als „Zerstörer der alten Welt“ sehe, angesichts des für Millionen Menschen drohenden Jobverlustes im Zuge der Digitalisierung, wurde Buterin gefragt. Er antwortete: „Ich zerstöre Jobs und schaffe bessere.“ Ich denke, der Grat zwischen Weltverbesserer und Kulturzerstörer ist ein schmaler. Radikale Veränderungen von jetzt auf gleich haben der Menschheit noch nie gutgetan.


Als Value Investor achte ich auf Tradition


Beständigkeit und Werte sind mir wichtig. Ein erfahrenes Management mit Respekt für die Vergangenheit und Vernunft für die Zukunft ist mir sehr viel lieber als ein vermeintliches Genie, das mir den Kick für mein Anlagevermögen verspricht.


Auch Aktien können Spaß machen


Natürlich juckt es auch mir manches Mal in den Fingern. Ab und zu will auch ich ein bisschen zocken, etwas wagen. Dann bleibe ich allerdings dennoch bei meinen Leisten, nehme etwas „Spielgeld“ in die Hand und investiere es in ein solides Unternehmen, das in einer aktuell unbeliebten Branche arbeitet, gerade einen heftigen Kursabsturz hinter oder einen Turnaround vor sich hat. Entscheidend ist immer, ob den Risiken tatsächlich eine hohe Kurschance gegenübersteht.


Auf gute Investments,


Ihr


 Max Otte





P.S.: Mit welchen Aktien ich persönlich gerne ein bisschen Risiko eingehe, erfahren Sie hier.



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