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Mo, 22. April 2019, 6:14 Uhr

OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Dax mit Potenzial, Marktkommentar von ...


18.01.19 20:27
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Dax mit Potenzial, Marktkommentar von Werner Rüppel


Frankfurt (ots) - Am deutsche Aktienmarkt hat das Jahr gut


begonnen: Der Dax hat im Vergleich zum Ultimo 2018 immerhin um 6,1


Prozent zugelegt und notiert wieder über der runden Marke von 11000


Punkten.

Da liegt es nahe, Börsenweisheiten wie den Januar- oder


Jahresauftaktindikator hervorzukramen. Dieser besagt, dass das


Gesamtjahr meist wie der Jahresauftakt verläuft. Herangezogen wird


dabei zum einen die "Fünf-Tage-Regel", nämlich dass die


Kursentwicklung der ersten fünf Handelstage die Richtung für das


gesamte Jahr anzeigt. Mitunter wird auch die Performance des Monats


Januar als Wegweiser für den Rest des Jahres gesehen.



Nun hat Harald Quandt (HQ) Trust die "Fünf-Tage-Regel" für die


fünf Aktienindizes Dax, S&P 500, Topix, Euro Stoxx 50 und FTSE 100


untersucht. Dabei fällt das Ergebnis ernüchternd aus. "Der Ertrag in


den ersten fünf Handelstagen lag zwar über dem historischen


Mittelwert, einen statistischen Zusammenhang mit der


Jahresperformance gibt es aber nach unseren Berechnungen nicht",


stellt Marcel Müller, Leiter des Portfoliomanagements bei HQ Trust,


fest.



Auch die Performance des Monats Januar ist als Indikator für den


Verlauf des Gesamtjahres nicht aussagekräftig. Um dies festzustellen,


genügt allein der Blick auf die Dax-Entwicklung der vergangenen


Jahre. 2018 startete der Dax im Januar mit einem Plus von 2,1 Prozent


und verlor dann von Februar bis Dezember satte 19,9 Prozent an Wert.


Im Jahr 2016 büßte der Dax im Januar 8,8 Prozent ein, legte dann aber


von Februar bis Dezember 17,2 Prozent zu. Solche Zahlen lassen eher


einen Kontraindikator als einen Wegweiser für das Gesamtjahr


vermuten.



Wenn der Januar- oder Jahresauftaktindikator kaum eine


Aussagekraft hat, so heißt das für die Perspektiven an den


Aktienmärkten rein gar nichts. Zu fragen ist nach anderen Faktoren,


welche tatsächlich eine gewisse Indikatorfunktion haben. "Aufgrund


des sehr negativen Sentiments der Investoren gehen wir eher von


steigenden Aktienmärkten aus, sobald der Konflikt zwischen den USA


und China beigelegt wird", sagt HQ-Mann Müller. Denn im Gegensatz


zur "Fünf-Tage-Regel" sei ein negatives Sentiment ein sehr guter


Kaufindikator für Aktien.



Die Börse ist zwar einer der wenigen Märkte, an dem viele Anleger


erst dann kaufen, wenn es teuer ist - obwohl manch einer auch lieber


ein teures güldenes Steak verzehrt als ein normales, das auf jeden


Fall besser schmeckt. Doch gilt gerade am Aktienmarkt, trotz oder


besser aufgrund aller kurzfristigen Über- und Untertreibungen, die


alte Kaufmannsweisheit: Der Gewinn liegt im günstigen Einkauf.



Und wenn es auch erhebliche Risiken geben mag, so ist der deutsche


Aktienmarkt nach den kräftigen Korrekturen der vergangenen Monate


relativ günstig bewertet. So taxiert die DZ Bank das


Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax auf 11,6 (2019 erwartet) und 10,7


(2020 erwartet). Dabei geht Stratege Michael Bissinger zwar von einer


Verlangsamung des Gewinnwachstums aus, aber nicht davon, "dass wir in


eine Rezession abgleiten werden, was die Gewinne massiv unter Druck


setzen würde." Zudem prognostiziert die DZ Bank eine


Dividendenrendite des Dax von 3,7 Prozent (für 2019), was vor dem


Hintergrund des Nullzinsniveaus in Euroland mehr als attraktiv ist.


Insgesamt stellt Bissinger fest: "Die Kursrückgänge bei Dax und S&P


500 von in der Spitze über 20 Prozent scheinen übertrieben."



Darüber hinaus weist der Dax eine bemerkenswerte Eigenschaft auf:


Außer nach dem Platzen der Dotcom-Blase in den Jahren 2000 bis 2002


ist seit Berechnung des deutschen Börsenbarometers ab Ultimo 1987 auf


ein schlechtes Börsenjahr stets ein gutes gefolgt. So kletterte der


Dax 1991 nach einem Minus von 21,9 Prozent im Vorjahr um 12,9


Prozent. Und auf den Einbruch von 40,4 Prozent im Jahr 2008 folgten


2009 und 2010 Wertzuwächse von 23,8 Prozent und 16,1 Prozent. Auch


der Verlust von 14,7 Prozent 2011 wurde im folgenden Jahr mit einem


Dax-Plus von 29,1 Prozent wieder mehr als aufgeholt.



Vor diesem Hintergrund stellt das kräftige Minus von 18,3 Prozent


im Jahr 2018 einen guten Indikator für ein positives Abschneiden des


Dax im laufenden Jahr dar. Dies zumindest, wenn die Wirtschaft nicht


wider Erwarten kräftig einbricht oder uns der Himmel auf den Kopf


fällt.



Alles in allem hat der Dax in den kommenden Wochen weiteres


Aufwärtspotenzial. Da viele Investoren noch vorsichtig positioniert


sind, könnte die Erholung schneller vonstatten gehen als manch einer


erwartet.



OTS: Börsen-Zeitung


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