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Fr, 22. Januar 2021, 16:07 Uhr

Deutsche Bank

WKN: 514000 / ISIN: DE0005140008

OTS: Deutsche Bank AG / Kapitalmarktausblick 2021: Ein Jahr mit Chancen, die ...


24.11.20 11:02
dpa-AFX

Kapitalmarktausblick 2021: Ein Jahr mit Chancen, die gesucht und


gefunden werden müssen (FOTO)


Frankfurt am Main (ots) -



- Die Weltwirtschaft wird sich weiter erholen, größter Unsicherheitsfaktor


bleibt die Corona-Pandemie


- Preiswerte, zyklische Aktien sollten besonders profitieren - die Verlierer der


Krise holen auf


- Gold glänzt nicht mehr: Industriemetalle sollten sich besser entwickeln als


Edelmetalle



Das Jahr 2020 war ein Jahr voller Herausforderungen - auch für Anleger.

Die


Corona-Pandemie hat die Gesellschaft, die Weltwirtschaft und zeitweise auch die


Kapitalmärkte hart getroffen. Wie es 2021 mit der Wirtschaft und an den


Finanzmärkten weitergeht, werde weiterhin in hohem Maße davon abhängen, wie sich


die Corona-Pandemie entwickelt, betonen die Kapitalmarktexperten der Deutschen


Bank in ihrem Ausblick 2021, den sie heute in Frankfurt am Main vorgestellt


haben. "Wir sehen aktuell mehr Chancen als Risiken", sagt Dr. Ulrich Stephan,


Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Die Börse


blicke nach vorne und dürfte sich demnach weiter deutlich erholen. "Denn auch


die wirtschaftliche Erholung sollte sich nach dem schwierigen Winterhalbjahr


fortsetzen. Die wohl schnellere Verfügbarkeit von Impfstoffen wird diese


Entwicklung sogar noch beschleunigen", ergänzt Stefan Schneider, Chefvolkswirt


für Deutschland bei Deutsche Bank Research. Doch es gebe zahlreiche Risiken,


auch und vor allem wegen der noch immer steigenden Infektionen und den damit


verbundenen Einschränkungen in vielen Ländern. Das mache Prognosen schwieriger.



Trotzdem blicken die Experten der Deutschen Bank optimistisch ins kommende Jahr.


Die derzeitigen Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen


Lebens würden zwar die Wirtschaft im Winterhalbjahr belasten, so Schneider.


"Aber selbst wenn sie verlängert werden, dürfte der Wirtschaftseinbruch längst


nicht so stark sein wie im Frühjahr." Schneider erwartet, dass sich die


Wirtschaft 2021 weiter erholt. "Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den tiefsten


Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, aber der Ausblick auf 2021/22 hellt sich


auf." Allerdings unter Vorbehalt: So blockieren gerade Ungarn und Polen den


notwendigen Beschluss zu den Corona-Hilfen der EU. Betroffen von dem Veto ist


neben den geplanten Corona-Wiederaufbauhilfen im Umfang von bis zu 750


Milliarden Euro auch die mittelfristige EU-Haushaltsplanung. Diese umfasst für


die nächsten sieben Jahre Mittel in Höhe von knapp 1,1 Billionen Euro. Insgesamt


geht es um ein Paket in Höhe von mehr als 1,8 Billionen Euro. Auch die genaue


Höhe des nächsten erwarteten Konjunkturpakets in den USA ist derzeit noch offen.



Stärkstes Wachstum seit Jahrzehnten



Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft hart getroffen. Das globale


Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte laut Schneider im laufenden Jahr um 3,5


Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfen. Für 2021 erwartet er ein Wachstum von


5,9 Prozent. Diese Gegenbewegung wäre das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten. In


den USA schrumpft die Wirtschaft 2020 wohl um 3,6 Prozent und sollte 2021 dann


um 4,0 Prozent zulegen. In der Eurozone liegt das Minus bei 7,4 Prozent, im


kommenden Jahr dürfte das BIP um 5,6 Prozent klettern. Deutschland kommt mit


einem erwarteten Minus von 5,5 Prozent besser durch die Krise als beispielsweise


die europäischen Südländer, im kommenden Jahr sollte das BIP um 4,5 Prozent


zulegen - das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Aus wirtschaftlicher


Perspektive meistert China die Corona-Pandemie am besten: Das BIP wächst im


kommenden Jahr voraussichtlich um 9,5 Prozent, nach einem Plus von 2,2 Prozent


im laufenden Jahr. "Chinas Wirtschaft hat die V-förmige Erholung zur Jahresmitte


2020 weitgehend abgeschlossen. Die chinesische Wirtschaft brummt, und davon


profitiert spürbar auch die exportorientierte deutsche Industrie", sagt


Schneider. Im kommenden Jahr dürfte das Reich der Mitte für viele Schlagzeilen


sorgen. "Die kommunistische Partei begeht ihren 100. Geburtstag, und es ist das


Jahr des Bullen - da wird die Regierung alles für ein starkes und solides


Wachstum tun", so Stephan.



Investoren blicken aber natürlich auch auf die USA, wo der neugewählte Präsident


Joe Biden im Januar aller Voraussicht die Amtsgeschäfte übernehmen wird. "Biden


dürfte den Druck auf China zwar weiterhin beibehalten, dabei aber weniger


konfrontativ agieren und stattdessen multilaterale Ansätze fahren. Wir erwarten


deshalb mehr Berechenbarkeit im Außenhandel der USA", erläutert Schneider. "Der


Handelskonflikt mit der EU dürfte sich wohl entschärfen." Da der US-Kongress


gespalten ist, rechnen Experten mit einem "Biden light": Die Demokraten werden


ihre großen, transformativen Programme kaum realisieren können, darunter die


Rücknahme der Trump-Steuerreform, der New Green Deal, die Zerschlagung großer


Tech-Firmen oder der Mindestlohn in Höhe von 15 US-Dollar. Auch geplante massive


Fiskalprogramme in Höhe von zwei bis drei Billionen Dollar dürften an der


voraussichtlich konservativen Senatsmehrheit scheitern. "Ein Kompromiss dürfte


bei rund 750 Milliarden Dollar liegen und weitere Unterstützung für Arbeitslose,


Hilfen für Schulen und den Gesundheitssektor sowie Infrastrukturausgaben


umfassen", prognostiziert Schneider.



Inflation: Erst einmal nicht, aber dann?



Notenbanken haben bereits eine nochmalige Ausweitung ihrer expansiven Politik in


Aussicht gestellt. Damit soll verhindert werden, dass die massiv steigenden


Fiskaldefizite in restriktiveren Kapitalmarktbedingungen münden. "Kurzfristig


wird das zwar noch nicht zu Inflation führen", so Schneider. "Anleger sorgen


sich aber zunehmend über ein Szenario, bei dem es zu einer deutlichen Trendwende


bei der Inflation kommt. Für 2021 ist das aber noch kein Thema." Die


Inflationserwartungen würden aber natürlich schon jetzt die Kapitalmärkte


umtreiben, ergänzt Stephan mit Blick auf die Realrenditen und den Goldpreis.



Wie also positionieren in diesem Umfeld? "Für Anleger wird 2021 ein Jahr mit


Chancen, die gesucht und gefunden werden müssen", sagt Anlagestratege Stephan.


Zinserhöhungen durch die Notenbanken sind nicht zu erwarten. Die Leitzinsen


bleiben niedrig. Spareinlagen werden also weiterhin kaum Rendite abwerfen. An


den Rentenmärkten sieht es anders aus. "Mit der erwarteten volkswirtschaftlichen


Erholung sollten die Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten leicht


zulegen, während Renditen für Kurzläufer sicherlich noch länger von den


Notenbanken niedrig gehalten werden", sagt Stephan. Er schließt nicht aus, dass


es turbulente Phasen an den Rentenmärkten geben könnte. "In den vergangenen


beiden Jahren ist das Geld vor allem in Anleihen geflossen und raus aus Aktien",


sagt er. "Wenn mit der wirtschaftlichen Erholung eine Normalisierung einsetzt


und Investoren wieder umschichten, könnten die Anleihenkurse kurzfristig stärker


nachgeben und deren Renditen entsprechend steigen." Mit geringeren politischen


Unsicherheiten unter Präsident Biden dürfte der US-Dollar weniger stark als


sicherer Hafen gefragt sein und erst einmal schwächer tendieren. Diese Schwäche


sollte der Greenback aber im Jahresverlauf mit dem erwarteten höheren Wachstum


in den USA hinter sich lassen.



Aktien: Die Letzten werden die Ersten sein



Chancen finden Anleger vor allem an den Aktienmärkten. "Die Erwartungen für die


Unternehmensgewinne haben sich für viele Firmen nicht nur stabilisiert, sondern


dürften sich für 2021 deutlich positiver entwickeln", sagt Stephan. "In vielen


Branchen waren die Gewinne 2020 jedoch schwach, darum hängt die Latte für eine


Steigerung 2021 nicht hoch." Entsprechend sollten sich solche Werte erholen, die


dieses Jahr besonders gelitten haben. Das sind vor allem preiswerte, zyklische


Aktien aus den Branchen Tourismus, Industrie, Automobile sowie Metall- und


Bergbau, weil sie von einer Konjunkturerholung profitieren. "Die Verlierer der


Krise werden aufholen. Die Bewertungsunterschiede zwischen Wachstumstiteln und


Value-Aktien sind zu groß geworden, um sie zu ignorieren", so Stephan. Das liegt


natürlich nicht unerheblich an den massiven Gewinneinbrüchen klassischer


Value-Branchen in der Corona-Rezession. Darüber hinaus sieht der Experte Chancen


bei Gesundheitsaktien. Weniger gut könnten teure defensive Werte wie


Gebrauchsgüter sowie Nahrungsmittel und Getränke laufen. "Bei Technologiewerten


stimmt natürlich der langfristige Trend, kurzfristig könnte es aber aufgrund der


teilweise hohen Bewertungen sein, dass sie sich in den kommenden Monaten


schlechter entwickeln als die Titel anderer Branchen", ergänzt Stephan.


Entsprechend erscheine Europa als Anlageregion interessanter als die USA, wo IT-


und Internetwerte für rund 40 Prozent des Aktienmarktes stehen.



Der Glanz des Goldes verblasst



Einen Favoritenwechsel gibt es auch bei Rohstoffen: Industriemetalle sollten


sich besser entwickeln als Edelmetalle. Kupfer beispielsweise profitiert von der


zunehmenden Nachfrage nach Elektroautos. Aber auch Palladium ist weiter


nachgefragt, solange Verbrennungsmotoren gebaut werden. Bei Öl- und


Energieunternehmen sollten Anleger auf die Friedensverhandlungen in Libyen sowie


mögliche neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran achten. Die


Energiepreise dürften sich nach den turbulenten Entwicklungen 2020 stark


bewegen, weshalb Stephan bei Energieaktien eher zurückhaltend ist.



"Gold wird vermutlich weniger gefragt sein", sagt Stephan. Wenn sich die


Wirtschaft weiter erholt, ist dieser sichere Hafen nicht mehr so stark


nachgefragt. Hinzu kommt, dass bei höheren Zinsen die relative Attraktivität von


Gold abnimmt. Kritisch sieht er Kryptowährungen wie den Bitcoin, die seiner


Meinung nach hochspekulativ und damit für den langfristigen Vermögensaufbau kaum


geeignet sind: "Ein sicherer Hafen oder gar ein Ersatz für Gold sind sie nicht."



Immobilien: Das Büro steht noch



Auch die Anlageklasse Immobilien sollten Anleger nicht pauschal als sicher


einschätzen. Es gibt viele Chancen, jedoch auch einige Risiken. Die gute


Nachricht: "Das Büro steht noch", sagt Stephan. Auch wenn die Menschen


vermutlich künftig öfter im Homeoffice oder mobil arbeiten: "Die deutsche


Wirtschaft verändert sich - mehr Dienstleistungen, weniger Industrie.


Entsprechend steigt der Bedarf an Büroflächen." Ebenso wie die Nachfrage nach


Lagerflächen - Stichwort Onlinehandel und kurzer Weg zum Kunden.



Der Einzelhandel steht hingegen zunehmend vor Problemen und das nicht nur wegen


des Internethandels. Autos werden aus den Innenstädten verdrängt, das macht das


Einkaufen für viele dort unattraktiver. "Der Einzelhandel muss sich wandeln,


sonst wandert immer mehr Geschäft ins Internet oder auf die grüne Wiese", sagt


Stephan. Die Preise für Wohnimmobilen dürften vor allem in den Großstädten


weiter steigen. "Der Trend zur Urbanisierung wird auch durch die Corona-Krise


nicht ausgebremst oder gar umgedreht", betont Stephan. "Die Menschen zieht es


weiter in die Städte, und in Deutschland wird hier noch immer zu wenig gebaut."



Nachhaltigkeit: Investieren in die Zukunft



Die gute Nachricht lautet: "Anleger können mit ESG-Investitionen Geld


verdienen", ist Stephan überzeugt. Die Buchstaben ESG stehen für das


Berücksichtigen von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales


(Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Der


Klimawandel beschäftigt auch Politik und Wirtschaft. Die Gesellschaft macht


Druck, die Regulierung will mehr Nachhaltigkeit, und auch Investoren legen immer


mehr Wert darauf. Die Rettungs- und Fiskalprogramme der Staaten und Notenbanken


sind teils an ESG-Kriterien gebunden, der künftige US-Präsident Biden will grüne


Energien fördern, und auch China setzt zunehmend auf erneuerbare Energien.


"Europa ist Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit. Besonders deutsche


Industrieunternehmen sind hier sehr stark", so Stephan. "Anleger sollten das


Thema nicht außer Acht lassen, auch um ein besseres Chance-Risiko-Profil zu


erzielen und damit die Risiken im Portfolio breiter zu streuen."



Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass 2021 ein chancenreiches Jahr wird. "An


den Aktienmärkten dürften weitere gute Nachrichten über potenzielle Impfstoffe


für Rückenwind sorgen", sagt Stephan. "Die Börsen dürften das honorieren und auf


eine beschleunigte wirtschaftliche Erholung setzen."



Pressekontakt:



Deutsche Bank AG


Kommunikation



Dr. Markus Weik


Telefon: 069 910 - 41349


E-Mail: mailto:markus.weik@db.com



Hanswolf Hohn


Telefon: 069 910 - 84752


E-Mail: mailto:hanswolf.hohn@db.com



Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/8994/4772322


OTS: Deutsche Bank AG


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