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Do, 26. Mai 2022, 15:23 Uhr

Brenntag

WKN: A1DAHH / ISIN: DE000A1DAHH0

Brenntag verstärkt sich in Nordamerika


09.06.11 09:01
Aktienservice Research

Bad Nauheim (aktiencheck.de AG) - Nach Meinung der Experten von "Aktienservice Research" ist die Aktie von Brenntag ein spekulativer Kauf.

Vom Eiergroßhändler zum Weltmarktführer in der Chemiedistribution, so lasse sich die mehr als 135-jährige Firmengeschichte von Brenntag zusammenfassen. Zum Ausbau der globalen Präsenz hätten in den vergangenen Jahrzehnten auch immer wieder Akquisitionen gehört. Eine Strategie, an der man bis heute festhalte, wie der jüngste Zukauf in den USA zeige. Der Konzern wachse aber nicht nur extern, sondern vorwiegend organisch. Angesichts der wohl weiter steigenden Weltbevölkerung und des wachsenden Wohlstands in Schwellenländern, habe das Geschäft auch langfristig gute Perspektiven. Schließlich spreche beides für eine anhaltend steigende Nachfrage nach Chemikalien aller Art. Entsprechend aussichtsreich scheint ein Investment in die Aktie zu sein, so die Experten von "Aktienservice Research".

Das Papier von Brenntag sei seit März 2010 an der Börse gelistet. Nach einer kurzen Korrektur kurz nach dem IPO habe sich ein Aufwärtstrend gebildet, der nach wie vor intakt sei, auch wenn es - wie bei Kursentwicklungen üblich und nicht ungewöhnlich - immer mal wieder kurze Verschnaufpausen gegeben habe. Eine solche habe sich auch nach dem Anfang Mai markierten bisherigen Höchststand von 85,69 Euro gezeigt. Jüngst habe sich der Kurs diesem Niveau bis auf wenige Cent angenähert, sei dann aber wieder etwas zurückgefallen. Würde ein Sprung über diese Hürde gelingen, wäre aus charttechnischer Sicht der Weg für weitere Zuwächse frei.

Neben dem in der vergangenen Woche wieder freundlichen Börsenumfeld, könnte auch die jüngste Nachricht aus dem Unternehmen zum Aufwärtsimpuls beigetragen haben. Der Chemiehändler stärke mit einem weiteren Zukauf sein Geschäft in Nordamerika. Übernommen werde der US-Konkurrent G. S. Robins & Company, den Angaben zufolge ein führender regionaler Distributor von Industriechemikalien mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Das familiengeführte Unternehmen habe im vergangenen Jahr Umsätze von 96 Mio. US-Dollar erwirtschaftet. Angaben zum Kaufpreis seien zwar nicht gemacht worden, zu teuer dürfte der Zukauf aber nicht gewesen sein, wenn Brenntag seinem bisherigen Kurs einer umsichtigen Akquisitionspolitik treu geblieben sei. Auch werde die Übernahme als operativ sinnvoll bewertet.

Brenntag setze damit seine Anfang Mai bekräftigte Strategie fort, seine führende Marktposition neben organischem Wachstum auch durch weitere Akquisitionen ausbauen zu wollen. Für Zukäufe stünden dem Unternehmen unter anderem die Mittel aus dem Börsengang zur Verfügung. Erklärtes Ziel sei, die eigene Position in den Märkten aufstrebender Volkswirtschaften zu verbessern, insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und Osteuropa. In etablierten Märkten wie Europa und Nordamerika solle durch Zukäufe das Produkt- und Serviceportfolio sowie das flächendeckende Distributionsnetz optimiert werden.

Dass Brenntag sich mit Akquisitionen und deren erfolgreicher Integration auskenne, beweise die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten: Allein seit 1990 habe der Konzern mehr als 100 Firmen erfolgreich übernommen und integriert und nehme damit eine führende Rolle in der Konsolidierung des stark fragmentierten Marktes ein. Diese Kernkompetenz wolle Brenntag weiterhin als Wachstumsbeschleuniger zusätzlich zu seinem organischen Wachstum nutzen. Angesichts des nach wie vor stark fragmentierten Marktes habe der Vorstand weiterhin vor allem kleinere Übernahmen im Visier, die er dann schnell in den Konzern eingliedern wolle. So solle auch der jüngste Zukauf innerhalb der nächsten sechs Monate in das nordamerikanische Geschäft von Brenntag integriert werden.

Durch die vielen Zukäufe in den vergangenen Jahrzehnten sei Brenntag zur Nummer eins in der Chemiedistribution geworden. Habe die Firma 1874 als Eiergroßhändler begonnen, sei 1912 der Eintritt in den Handel mit Chemikalien erfolgt. Durch den kontinuierlichen Ausbau sei man heute als Weltmarktführer in einer attraktiven Wachstumsbranche tätig, deren Dynamik insbesondere große Distributoren begünstige, beispielsweise weil sie vom Outsourcing-Trend in der Chemiedistribution profitieren würden.

Der Konzern sehe sich als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und Weiterverarbeitender Industrie. Er kaufe von seinen zahlreichen Lieferanten große Mengen an Industrie- und Spezialchemikalien, kommissioniere diese in bedarfsgerechte Größen und biete seinen Kunden weltweit ein umfassendes Sortiment an mehr als 10.000 verschiedenen chemischen Produkten. Den rund 160.000 Kunden würden dabei dank weiterer Dienstleistungen wie Just-in-time-Lieferung, Mischungen und Formulierungen, Neuverpackung, Bestandsverwaltung, Abwicklung der Gebinderückgabe und technischem Service Lösungen aus einer Hand geboten.

Das Geschäftsmodell von Brenntag klinge vielversprechend, zudem habe es in der jüngsten Wirtschaftskrise seine Widerstandsfähigkeit und sein Wachstumspotenzial unter Beweis gestellt. Der Konzern habe ferner vom sich anschließenden Aufschwung profitiert, wie die Zahlen für 2010 und im ersten Quartal 2011 zeigen würden. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz zum Vorjahr von 6,37 auf 7,65 Mrd. Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe sich von 1,46 auf 1,64 Mrd. Euro verbessert. Der Nachsteuergewinn sei gar von 0,5 auf 146,6 Mio. Euro geschnellt.

Im Auftaktquartal 2011 habe es weitere Zuwächse gegeben, wozu das organische Wachstum des Geschäfts, effiziente Kostenstrukturen sowie die fortschreitende Integration der im dritten Quartal 2010 übernommenen Firma EAC Industrial Ingredients beigetragen hätten. Der Umsatz habe um 22,7% auf 2,13 Mrd. Euro zugelegt. Das EBITDA habe sich um 17,7% auf 158,1 Mio. Euro verbessert. Unter dem Strich sei der Profit von 2,2 auf 66,9 Mio. Euro geklettert, insbesondere dank gesunkener Finanzierungskosten nach der Tilgung von Verbindlichkeiten 2010 und deutlich niedrigerer Abschreibungen.

Der Konzern sei weltweit führend in einem Wachstumsmarkt, der insbesondere große Distributoren begünstige. Dabei habe er eine äußerst breite und zudem regional stark diversifizierte Kundenbasis, was die Abhängigkeit von einzelnen Branchen und Regionen mindere. Das Unternehmen verfolge außerdem eine umsichtige Expansionsstrategie, was neben organischem Wachstum eine zusätzliche treibende Kraft sei. Außerdem würden die Geschäftsergebnisse und die derzeit weiterhin guten Aussichten überzeugen. Auf Basis eines erwarteten Ergebnisses je Aktie (EPS) für 2011 von etwa 5,20 Euro gehe auch die Bewertung mit einem KGV von rund 16 in Ordnung, obgleich die Aktie kein Schnäppchen sei.

Dennoch bleibt sie insgesamt betrachtet ein interessantes Investment, sodass nach einem Sprung über die Hürde von 85,69 Euro spekulative Käufe der Brenntag-Aktie in Erwägung gezogen werden können, so die Experten von "Aktienservice Research". (Aktien Ausgabe 528 vom 08.06.2011) (09.06.2011/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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