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Mi, 6. Juli 2022, 6:17 Uhr

China-Devisenreserven aktuelle Entwicklung


10.11.06 14:57
Helaba Trust

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Dass China ein Land der Superlative ist, wurde in den vergangenen Tagen wieder deutlich, so die Analysten der Helaba Trust.

Nachdem die State Administration of Foreign Exchange - Chinas Devisenverwaltungsbehörde - die Höhe der Devisenreserven der Volksrepublik für den Monat September noch auf 987,9 Mrd. US-Dollar beziffert habe, vermelde das chinesische Staatsfernsehen, dass die Marke von 1.000 Mrd. US-Dollar inzwischen überschritten worden sei. Neben dem Zufluss ausländischer Direktinvestitionen sei größtenteils der Exportüberschuss im Außenhandel für den rasanten Anstieg der Reserven verantwortlich.

Das wachsende Ungleichwicht im Außenhandel wie auch der rapide Anstieg der Devisenreserven würden der Volksrepublik allerdings zunehmend Probleme bereiten. So versuche die chinesische Zentralbank seit längerer Zeit durch eine Erhöhnung der Kreditzinsen sowie eine wiederholte Verschärfung der Mindestreserveanforderungen einem Überhitzen der vor allem investitions- und exportgetriebenen Wirtschaft entgegenzuwirken.

Der Anstieg der Reserven blähe allerdings die sowieso rasch wachsende inländische Geldmenge noch zusätzlich auf und konterkariere damit das geldpolitische Bremsmanöver. Zwar versuche die Notenbank die Effekte auf die Geldmenge durch Sterilisierungsoperationen zu unterbinden. So sei es derzeit üblich, die inländischen Kreditinstitute zum Ankauf niedrig verzinslicher Schuldverschreibungen der Zentralbank zu verpflichten und dadurch die Geldmengenexpansion abzuschwächen.

Darüber hinaus bereite auch das Management des gewaltigen Fremdwährungsportfolios den Chinesen zunehmend Sorgen. Der Großteil - vermutlich über 70% - dürfte in US-Dollarkapitalanlagen investiert worden sein. Aus dieser enormen Konzentration der Devisenreserven ergebe sich allerdings ein erhebliches Kursrisiko im Falle einer spürbaren US-Dollarabwertung. Eine neue Verteilung des Reserveportfolios hin zu einer ausgewogeneren Allokation erweise sich jedoch als schwierig.

So würden umfangreiche US-Dollarverkäufe am Devisenmarkt sicherlich einen dramatischen Kursrutsch des Greenbacks hervorrufen und China einen erheblichen Wertverlust im verbleibenden US-Dollarbestand bringen. Chinas Politiker seien sich dieser Problematik allerdings bewusst. Man wolle den Ertrag der US-Dollaranlagen erhöhen, indem man statt in risikoarme Treasuries verstärkt in höher verzinsliche Alternativen wie Unternehmensanleihen investiere.

Angesichts der zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Probleme, die direkt mit dem wachsenden Bestand an Devisenreserven zusammenhängen würden, müsse die chinesische Regierung mittelfristig allerdings mehr tun als nur die Ertragsperspektiven ihres Fremdwährungsportfolios zu erhöhen. Durch "passive" Diversifizierung, d.h. die Investition neuer Kapitalzuflüsse außerhalb des US-Dollarraums könnte Peking dem Ziel eines ausgewogeneren Fremdwährungsportfolios näher kommen. Mittelfristig erscheine es völlig sinnvoll, die Ungleichgewichte im Außenhandel abzuschaffen und somit den Zustrom an neuen Devisen abzubremsen. Dazu sei aber eine weitere konsequente Aufwertung des Renminbi unabdinglich.

Eine weitergehende Liberalisierung des grenzüberschreitenden Kapitalverkehrs, der chinesischen Staatsbürgern und Unternehmen Kapitalanlagen im Ausland ermöglichen würde, könnte ebenfalls dazu beitragen, den Nettozufluss an Kapital zu hemmen. Da gegenwärtig allerdings weder eine drastische Aufwertung noch eine umfassende Liberalisierung des Kapitalverkehrs zur Debatte stünden, dürften Chinas Reserven auf absehbare Zeit weiter zulegen. (10.11.2006/ac/a/m)