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Epigenomics plädiert für Kapitalzusammenlegung


19.05.11 16:45
MIDAS Research

Mannheim (aktiencheck.de AG) - Thomas Schießle, Analyst von MIDAS Research, stuft die Epigenomics-Aktie unverändert mit dem Rating "langfristig kaufen" ein.

Der zuständige Biotech-Analyst bei MIDAS Research bringe es auf den Punkt: Es sei nicht nur abzusehen gewesen, sondern auch anlässlich der Bilanzpressekonferenz Anfang April bereits angekündigt worden: Im zweiten Halbjahr 2011 würden bei der Epigenomics AG (Börsenkürzel: ECX) bis dahin die aufsummierten Verluste nach HGB-Rechnungslegung die Hälfte des nominellen Grundkapitals überschritten haben. Dieser Umstand würde nach § 92 Abs. 1 AktG zur unverzüglichen Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung führen. "Ein rein formaler Akt", betone der Fachanalyst, "der den Aktionären die Gelegenheit zur Aussprache gibt, ohne dass zwingend Maßnahmen beschlossen werden müssen". Es bestünde auch kein akuter Handlungsbedarf, ergänze Thomas Schießle, schließlich ändere sich durch die § 92-Meldung nichts an dem wichtigen Finanzstatus.

Nach Überzeugung des Analysten sei kein aktueller Finanzierungsbedarf zu erkennen, wenn man die momentan vorhandenen liquide Mittel in Höhe von EUR 23,5 Mio. (Stichtag 31. März 2011) sowohl in Relation zum aktuellen Finanzmittelverbrauch als auch zu dem anvisierten Mittelverbrauch für das gesamte Geschäftsjahr 2011 stelle. Akute Kapitalerhöhungsbefürchtungen seitens der Investoren seien nach Analystenmeinung unbegründet - der durch die Meldung ausgelöste Kurssturz mithin "irrational".

Im Auftaktquartal 2011 sei der Nettoverlust bei Epigenomics auf EUR 2,9 Mio. gestiegen und habe damit den Wert des Startquartals 2010 nur um EUR 0,3 Mio. übertroffen. Der Jahresstart sei aus dem Blickwinkel der bloßen Zahlen wenig spektakulär gewesen und ändere nicht die MIDAS Research-Schätzung für das aktuelle Berichtsjahr, betone der Fachanalyst.

Für das gesamte Geschäftsjahr sehe die Planung einen Finanzmittelabfluss von ca. EUR 12 Mio. vor, sodass in den dann folgenden Monaten noch über EUR 10 Mio. zur Verfügung stehen würden, um die 2012/13 kräftig auszubauenden Marketingmaßnahmen vor und für den angestrebten Produktlaunch des Epi proColon 2.0 nach einem positivem Votum der FDA in den USA - dem aktuell bedeutendsten Werttreiber der Berliner - zu finanzieren. Bereits heute seien Vertriebs- und Marketingaktivitäten und die Entwicklung von Epi proColon® 2.0 die Hauptkostentreiber. In diese Kategorie würden auch gesundheitsökonomische Analysen einer bevölkerungsweiten Früherkennung von Darmkrebs fallen.

Eine solche Untersuchung sei im Mai von Dr. Uri Ladabaum von der Universität Stanford und weiteren Wissenschaftlern durchgeführt und auf dem wichtigsten Fachkongress in den USA, der Digestive Disease Week 2011, vorgelegt worden. Diese Studie zeige, dass Septin9-Bluttests eine medizinisch effektive und kosteneffiziente Screening-Strategie seien, wenn man durch sie mehr Menschen zur Teilnahme bewege. Und genau das wollten die Berliner. Dass dies realistisch sei, würden erste Ergebnisse einer weiteren Studie der Universität von Utah, USA zeigen. Demnach wäre die Mehrheit der derzeit nicht an der systematischen Früherkennung teilnehmenden Patienten bereit, einen Septin9-Test durchführen zu lassen.

Diese Erkenntnis gelte es in weiteren Studien zu erhärten, um schließlich auch die Versicherungen zu überzeugen. Es sei also nicht zwingend, dass der Finanzmittelverbrauch in den kommenden Monaten steigen müsse, vielmehr könnte er durchaus schrittweise aufgrund von positivem Cashflow aus Verkaufserlösen auch abnehmen, wovon letztlich auch abhängen werde, ob das Unternehmen einen Finanzierungsbedarf habe oder nicht. Schließlich seien die wichtigsten Erlösquellen neben den Lizenzzahlungen für Septin9-basierte Tests F&E-Finanzierungen der Partner und die Produkterlöse in Europa.

Im Zusammenhang mit der ganzen Diskussion über die nur rein formal nötige Verlustanzeige nach HGB wäre eine gute Nachricht fast unter den Tisch gefallen: Im ersten Quartal 2011 habe Quest Diagnostics Inc. (ISIN US74834L1008 / WKN 904533) gegenüber den Berlinern beteiligungspflichtige Umsätze aus dem Verkauf von rund 1.500 ColoVantage™-Tests ausgewiesen. Schon im März hätten die Analysten über die hohe Bedeutung berichtet, die dem Test in den USA zugebilligt werde. Nach Aussagen des Topmanagements gehöre der ColoVantage™ Darmkrebs-Bluttest als innovativer Test offensichtlich mit zu den wesentlichen Impulsgebern bei Quest im aktuellen Jahr. Nicht ohne Grund werde der Test auch direkt auf der Homepage www.questdiagnostic.com beworben.

Und die weitere Entwicklung könne sich sehen lassen: Bis Ende April seien insgesamt rund 4.000 Tests durchgeführt worden. Diese junge Verkaufsstatistik lasse sich in ihrer Dynamik zwar nicht eins zu eins in die Zukunft fortschreiben, spreche aber durchaus, so der Biotech-Analyst, für die Akzeptanz des Tests in der Ärzteschaft. Auf der anderen Seite bleibe Kostendisziplin in jedem Fall oberstes betriebswirtschaftliches Gebot. Eine außerordentliche Hauptversammlung, um auf das Ausgangsthema zurückzukommen, wäre dahingehend "kontraindikativ", denn sie würde nur Kosten verursachten. Es gelte, eine günstigere Lösung zu finden.

Der Vorschlag laute konkret, der Hauptversammlung am 28. Juni 2011 unter anderem einen Beschlussvorschlag des Vorstands und Aufsichtsrats zu einer vereinfachten Herabsetzung des Grundkapitals (gemäß §§ 229 ff. AktG) vorzuschlagen.

In diesem Zusammenhang würde das Aktienkapital im Verhältnis 5 zu 1 zusammengelegt, was an der Börse in mehreren Schritten binnen mehrerer Börsentage umgesetzt würde. Dieser Vorschlag führe dazu, dass das Grundkapital von derzeit EUR 44.092.085,00 auf EUR 8.818.417,00 verringert und in 8.818.417 Stückaktien eingeteilt werden solle. Die Differenz von EUR 35.273.668,00 würde der Kapitalrücklage zugeführt, um so die aufgelaufenen Verluste auszugleichen, wobei Höhe des Eigenkapitals und Bilanzsumme unverändert bliebe. Durch diese vorgeschlagene Herabsetzung des Grundkapitals könnte eine außerordentliche Hauptversammlung vermieden werden.

Doch noch bedeutender scheine dem Fachanalysten der "kurssteigernde" Effekt der Kapitalherabsetzung: Die abgesenkte Aktienzahl sollte spiegelbildlich zu einer rechnerischen Kurserhöhung auf über EUR 6 nach Durchführung der Kapitalzusammenlegung führen und so den Handlungsspielraum bei etwaigen künftigen Kapitalmaßnahmen und strategischen Transaktionen erweitern helfen.

Die Wertung des MIDAS Research-Fachanalysten falle denn auch klar aus: Die vorgeschlagene Kapitalzusammenlegung sei nicht nur sinnvoll und kostensparend, sondern sie sei dem Grunde nach gerade vor dem Hintergrund der Fortschritte im Produktportfolio der Berliner die Basis für künftige Kurssteigerungen.

Thomas Schießle, Analyst von MIDAS Research, rät weiterhin die Epigenomics-Aktie langfristig zu kaufen. (Analyse vom 19.05.2011) (19.05.2011/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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