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Evotec

WKN: 566480 / ISIN: DE0005664809

Evotec durch neue Kooperation beflügelt


15.09.11 09:07
Aktienservice Research

Bad Nauheim (aktiencheck.de AG) - Für die Experten von "Aktienservice Research" ist die Aktie von Evotec ein spekulativer Kauf.

Während der TecDAX in der vergangenen Woche Verluste verzeichnet habe, sei die Aktie des Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmens kräftig gestiegen. Eine neue Kooperation bei der Entwicklung eines Medikaments sowie die deshalb angehobene Umsatzprognose seien offenbar Kaufargumente gewesen. Grund genug, sich Evotec einmal genauer anzuschauen.

Der weltweite Pharmasektor sei derzeit im Umbruch: Viele Patente würden auslaufen oder in den nächsten Jahren ihren Schutz verlieren - neue Produkte seien vergleichsweise rar. Daher seien in den vergangenen Quartalen etliche Firmenkäufe in der Branche auszumachen gewesen, wohinter offenbar das Kalkül stecke, Umsatzeinbußen auszugleichen, die entstünden, wenn Schlüsselprodukte ihren Patentschutz verlieren würden und Nachahmerpräparate (Generika) auf den Markt kämen.

Weil die Suche nach geeigneten Substanzen für Medikamente sehr zeit- und kostenintensiv sei, Pharmafirmen daher ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Zuge von Effizienzsteigerungen reduzieren würden, würden zudem vermehrt Wirkstoffe für potenzielle neue Medikamente eingekauft oder lizenziert. Von diesem Trend würden Firmen profitieren, die gezielt nach Wirkstoffen suchen und diese Suche als Dienstleistung anbieten oder gefundene potenzielle Wirkstoffkandidaten für Präparate in Form von Kooperationen und Entwicklungspartnerschaften vermarkten würden. Dazu zähle auch Evotec.

Weltweit tätig, biete Evotec unabhängige und integrierte Lösungen im Bereich der Wirkstoffforschung, angefangen bei der Identifizierung von Wirkstoffkandidaten bis hin zur klinischen Entwicklung. 1993 gegründet, sehe sich die kleine deutsche Firma heute als einzigartig positioniert, dank erstklassiger Wissenschaftler, modernster Technologien sowie umfangreicher Erfahrung und Expertise in wichtigen Indikationsgebieten wie Neurowissenschaften, Schmerz-, Stoffwechselerkrankungen, Krebs und Entzündungskrankheiten.

Nachdem der 2009 einberufene Firmenlenker Werner Lanthaler das Ruder übernommen und einen radikalen Strategiewechsel eingeleitete habe, wobei die risikoträchtige eigene Forschung und Entwicklung nach Medikamenten stark zurückgeführt worden sei, konzentriere sich Evotec wieder verstärkt auf das risikoärmere Kerngeschäft, die Wirkstoffsuche für große Pharma- und Biotechnologiekonzerne, um dann mit Forschungsallianzen und Entwicklungspartnerschaften neue pharmazeutische Produkte zu entwickeln.

Bezüglich der Zusammenarbeit mit großen Firmen habe Evotec jüngst einen neuen Deal gemeldet, der als großer Erfolg bei der Suche nach einem Partner für einen der eigenen Medikamentenkandidaten gewertet werden könne. Der Schweizerische Pharmariese Roche und Evotec hätten eine exklusive weltweite Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Kommerzialisierung der Substanz EVT 302 unterzeichnet, dem so genannten MAO-B-Inhibitor von Evotec, der das Fortschreiten der Alzheimerschen Krankheit verlangsamen solle. Weil Roche für die klinische Entwicklung, Herstellung und Kommerzialisierung zuständig sein werde und auch die Kosten dafür trage, biete die Vereinbarung für Evotec große Chancen und sei gleichzeitig ohne finanzielles Risiko.

Im Rahmen der Vereinbarung erhalte Evotec eine Vorabzahlung von 10 Mio. US-Dollar. Weitere Meilensteinzahlungen für die Entwicklung und Kommerzialisierung könnten sich auf bis zu 820 Mio. US-Dollar summieren. Zudem habe Evotec Anspruch auf abgestufte Umsatzbeteiligungen in zweistelliger Höhe an den verkauften Produkten. Roche bekomme dafür die Rechte an der Substanz EVT 302, die bei Evotec bereits die Phase-I der klinischen Entwicklung durchlaufen habe. 2012 wolle Roche mit dem Wirkstoff eine Phase-II-Studie starten. Im Erfolgsfall würden Experten aber frühestens 2016/17 den Markteintritt des Medikaments erwarten. Alzheimer gelte als eines der lukrativsten Pharmaindikationsgebiete, auch weil es bisher kaum wirklich wirksame Mittel zur Behandlung der Krankheit gebe.

Als relativ kleine Firma sei Evotec bei der Entwicklung eigener Wirkstoffkandidaten auf Partnerschaften mit finanzstarken Mitstreitern angewiesen und der Vorstand habe die vereinbarte Kooperation als besonderen Erfolg bewertet. "Allein wäre Evotec nicht in der Lage, die Kosten für die Entwicklung eines Alzheimermedikamentes zu stemmen", habe er erläutert. Die neue Kooperation mit Roche dürfte zudem den Schmerz mildern, den der Rückschlag (Einstellung der Entwicklung eines Antidepressivums) in diesem Jahr bei einer anderen Partnerschaft mit den Schweizern hervorgebracht habe.

Wegen der Einmalzahlung habe Evotec zudem seine Umsatzprognose für 2011 erneut angehoben, gehe nun von 77 bis 79 Mio. Euro aus. Erst im August habe die Gesellschaft ihr Ziel auf 70 bis 72 Mio. Euro erhöht, nachdem bereits im Juni eine erste Schätzung von März auf 68 bis 70 Mio. Euro vergrößert worden sei. 2010 habe Evotec 55,3 Mio. Euro umgesetzt, was einem Plus von 29% entsprochen habe.

Gleichzeitig habe die Firma mit einem Nettoprofit von fast 3 Mio. Euro schwarze Zahlen geschrieben, nachdem im Vorjahr noch ein riesiger Verlust von 45,5 Mio. Euro angefallen sei. Im ersten Halbjahr 2011 habe sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Der Umsatz sei dank des erweiterten Portfolios an Wirkstoff-Forschungsallianzen sowie auch dank Akquisitionen kräftig um 34% auf 33,4 Mio. Euro geklettert. Daneben habe sich der Überschuss von 0,1 auf 0,8 Mio. Euro erhöht. Der Vorstand habe von der besten Halbjahresperformance der Firmengeschichte gesprochen.

Die jüngst vereinbarte Kooperation mit Roche sei ein großer Erfolg, was offenbar auch bei den Investoren für Kauflaune gesorgt habe. Offen sei, wie lange dieser Effekt nun nachwirke, schließlich dürfte es noch ein paar Jahre dauern, bis das Medikament, wenn erfolgreich, auf den Markt komme. Die Zusammenarbeit scheine jedoch inklusive der anderen Forschungs- und Entwicklungsallianzen die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von Evotec insgesamt zu untermauern. Die nach dem Strategiewechsel wenigen verbliebenen eigenen Forschungsprojekte seien dabei durch das nun wieder forcierte Kerngeschäft gut abgesichert. Ferner seien die Forschungsausgaben für die seit 2010 wieder profitable Firma wieder auf einem vertretbaren Niveau, um weiter schwarze Zahlen zu schreiben, wie zuletzt auch die Halbjahreszahlen gezeigt hätten.

Wie in der Branche üblich, seien jedoch Rückschläge mit einzukalkulieren, was im Fall von Evotec angesichts der im Verhältnis zur Firmengröße zwar sehr soliden, aber ansonsten vergleichsweise geringen Kapitalstärke ein nicht zu vernachlässigendes Risiko darstelle. Dem sollten sich Anleger bewusst sein, wenn sie auf die zweifelsohne vorhandenen Chancen, die eine Investition in Evotec bietet, setzen würden.

Durchaus erwägenswerte, sehr spekulative Long-Positionen in der Evotec-Aktie sind daher nach Meinung Experten von "Aktienservice Research" bezüglich Positionsgrößen und Risikomanagement angemessen zu handhaben. (Ausgabe 531 vom 14.09.2011) (15.09.2011/ac/a/t)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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