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Do, 1. Dezember 2022, 9:15 Uhr

Aktien: Unsicherheit dürfte anhalten


19.07.22 17:05
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Nachlassende Zinserhöhungsängste in den USA wirkten in den letzten Tagen positiv auf die Aktienmärkte, so die Analysten der National-Bank AG.

Trotz weiterhin hoher US-Inflationsdaten hätten sich mehrere Vertreter der FED bemüht und die Furcht, dass die US-Notenbank bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen gleich um 100 Basispunkte erhöhen werde, gedämpft. Marktteilnehmer würden nun wieder mehrheitlich mit einem 75-Punkte-Zinsschritt rechnen. In Europa stehe der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am Donnerstag an. Hier dürfte es zu einer Zinsanhebung um 25 Basispunkte kommen. Der Fokus dürfte aber vielmehr auf dem Zinserhöhungspfad liegen. Die EZB befinde sich im Zwiespalt zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunktursorgen, was Zinserhöhungen für die Währungshüter schwierig mache.

Wie es in Europa konjunkturell weitergehe, hänge auch stark an der Wiederinbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 1, deren Wartung diese Woche offiziell ende. Ob Russland den Gashahn zugedreht lasse, bleibe ungewiss. Sollte der Gasstopp bestehen bleiben, dürfte dies erst einmal für Verunsicherung sorgen. Ob und wie lange dieser dann Bestand habe, dürfte nur Putin wissen. Da dieser oft unberechenbar handele, bleibe alles möglich. Ein dauerhafter Gasstopp im Herbst/Winter würde in Deutschland sicherlich in eine Rezession münden.

Nachdem die großen US-Banken bereits berichtet hätten, nehme die Berichtssaison zum zweiten Quartal in den USA langsam Fahrt auf. Von großem Interesse würden die Ausblicke sein und wie die US-Unternehmen bzw. die Konsumenten mit den starken US-Zinserhöhungen zurechtkommen würden. In Europa laufe die Berichtssaison allmählich an. Die Zahlen sollten noch recht solide ausfallen, doch dürften die Perspektiven für europäische Unternehmen in Anbetracht der diversen Belastungen (Inflation, möglicher Gasnotstand, Rezessionsgefahren) sehr vage ausfallen, was sich in den Ausblicken für den Rest des Jahres niederschlagen dürfte.

Die Unsicherheit dürfte anhalten und die Volatilität zunehmen. Nehme Russland die Gaslieferungen wieder auf, dürfte dies für kurzzeitige Entspannung sorgen. Ein Gasstopp hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen und dürfte die Aktienmärkte kurzfristig deutlich belasten. Daher würden die Analysten auf kürzere Sicht ihre vorsichtige und abwartende Positionierung beibehalten. Aktuell gelte es vor allem, das Gesamtmarktrisiko an den Aktienmärkten überlegt und planvoll einzugrenzen. Regional würden die Analysten US-Unternehmen bevorzugen, da diese oftmals stärker inlandszentriert seien. Eine hinreichende Diversifikation an den globalen Aktienmärkten bleibe unverzichtbar. "Global Player" mit eigener Preissetzungsmacht sollten sich mittelfristig unverändert rentieren. (19.07.2022/ac/a/m)