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Do, 11. August 2022, 13:59 Uhr

Aktienmärkte: Gemengelage bleibt herausfordernd


24.05.22 16:23
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Das Dickicht an Belastungsfaktoren für die globalen Aktienmärkte ist weiter undurchdringbar, so die Analysten der National-Bank AG.

Der momentan unlösbar erscheinende Cocktail aus Inflationsrisiken und Wachstumssorgen dürfte das Aktiensentiment wenigstens auf Sicht der nächsten Monate weiter deutlich belasten und einer grundsätzlichen Erholung im Wege stehen. Die Unsicherheit über die Dauer des Krieges in der Ukraine sowie der chinesischen Zero-Covid Policy und die damit einhergehenden Angebotsknappheiten würden maßgeblich das Dilemma verkörpern, in dem sich viele Unternehmen und viele Volkswirtschaften befinden würden. Ohne eine Auflösung dieser Krisenherde sei an eine nachhaltige Erholung nicht zu denken. Eine solche sei - Stand heute - leider nicht in Sicht.

Die Angebotsengpässe würden einen deutlichen Druck auf die Inflationsraten ausüben und in der Folge die Notenbanken unter Zugzwang setzen, ihren geldpolitischen Kurs stärker zu modifizieren, als dies geplant gewesen sei. Der Umfang der letzten Zinserhöhung der US-Notenbank sowie die sehr dezidierte Rhetorik in Richtung weiterer Zinsschritte in dieser Größenordnung würden den Determinierungsgrad verdeutlichen, den markanten Preissteigerungen nunmehr mit voller Entschlossenheit entgegenzutreten. Dass die Ursächlichkeit der Preissteigerungen eher von der Angebotsseite als von der Nachfrageseite herkomme, mache die Aufgabe nicht leichter und stelle für die Notenbanken ein großes Problem dar, da die Angebotsbeschränkungen nahezu vollständig außerhalb ihres Beeinflussungsrahmens lägen.

Die Gemengelage an den globalen Aktienmärkten bleibe herausfordernd. Eine hohe Bedeutung für die weitere Tendenz werde die Entwicklung der Unternehmensgewinne haben. Die Berichterstattung zum ersten Quartal sei bei den von uns betrachteten Indices mit deutlichen Zuwächsen bei den Umsätzen und den Gewinnen erfreulich verlaufen und zeige die (noch) gute Verfassung vieler Unternehmen zu Beginn des Jahres. Die Frage werde nun sein, inwieweit sich die vagen Unternehmensausblicke in sinkenden Unternehmensumsätzen respektive -gewinnen niederschlagen würden. Der unheilvolle Mix aus Ukraine-Krieg und sehr restriktiver chinesischer Corona-Politik mit seinen negativen Implikationen insbesondere hinsichtlich der Lieferketten werde seine Wirkung erst im zweiten Quartal voll entfalten. Für die Aktienanlage spreche allerdings ihre Eignung als Inflationsschutz. Dies gelte zuvorderst für "Global Player" mit Preissetzungsmacht.

Zusammenfassend würden die Analysten bei ihrer vorsichtigen und abwartenden Positionierung bleiben. Die Gesamtlage bleibe äußerst angespannt und schwierig. Nach wie vor würden sie jedoch wegen der räumlichen Entfernung zum Kriegsgeschehen und der nahezu vollständigen Energieunabhängigkeit die USA als Anlageland für deutlich attraktiver als Europa halten. (24.05.2022/ac/a/m)