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Sa, 10. Dezember 2022, 10:58 Uhr

Aktienmärkte: Marktteilnehmer schauen gespannt nach Jackson Hole


23.08.22 15:00
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Nach einer wochenlangen Erholungsphase haben die wichtigen globalen Aktienmärkte in den letzten Tagen den Rückwärtsgang eingelegt, so Dr. Frank Wohlgemuth, CIIA von der National-Bank AG.

Diese Bewegung gehe mit einer deutlichen Befestigung der Renditen an den Rentenmärkten einher. Als ursächlich für den Schwächeanfall an den Aktienmärkten würden erneute Inflationssorgen sowohl in den USA als auch in Europa gelten. Gespannt würden die Marktteilnehmer in dieser Woche daher nach Jackson Hole, dem alljährlichen hochrangigen Notenbanktreffen in den USA, schauen. Insbesondere die Rede von FED-Chef Powell am Freitag werde mit großer Spannung erwartet, immerhin habe die jüngste signifikante Erholungsbewegung der Aktienmärkte auf der Annahme der Investoren basiert, dass die FED bald ihren strikten Zinserhöhungskurs verlassen werde. Im Fokus stehe daher der weitere Zinspfad der FED. Die Frage, ob die Kursgewinne der letzten Wochen nur eine Erholung im vorherrschenden Bärenmarkt gewesen seien oder doch der Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung, werde maßgeblich davon abhängen.

Die Analysten der National-Bank AG würden erwarten, dass der Preisdruck in den USA weiter abkühle, insbesondere sollten über die nächsten Wochen weitere Fortschritte bei den Lieferengpässen sichtbar werden. Diese sollten den Druck auf die FED bezüglich weiterer Zinsschritte reduzieren und damit gleichzeitig die Attraktivität der Aktienmärkte weiter unterstützen. Unabhängig von Fortschritten bei den Lieferengpässen werde der Druck auf die Notenbanken jedoch hoch bleiben. Gerade der US-Arbeitsmarkt zeige sich anhaltend in einer sehr guten Verfassung. So seien mittlerweile alle Arbeitsplatzverluste seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder ausgeglichen worden. Der weitere Zinspfad der US-Notenbank werde folglich maßgeblich vom Datenverlauf abhängig sein. Im Hinblick auf den Zinserhöhungspfad der EZB sei davon auszugehen, dass dieser aufgrund des ohnehin disinflationären Einflusses des schwächeren Wachstums in der Eurozone sowie aktuellen Rezessionsbefürchtungen geringer ausfalle, als von vielen Marktteilnehmern ursprünglich angenommen.

Die Analysten der National-Bank AG hätten seit Wochen darauf hingewiesen: Trotz eines durchaus berechtigten Optimismus, dass sich manche Belastungsfaktoren wie beispielsweise die Lieferkettenproblematik sukzessive verbessern würden und sich die Lage der Unternehmen oftmals besser als erwartet darstelle, bleibe die Gemengelage an den Aktienmärkten weiter herausfordernd. Vorsicht sei kein schlechter Ratgeber in diesen unsicheren Zeiten. Bei Betrachtung des wachsenden Bewertungsunterschieds zwischen "teuren" Wachstums-Aktien und eher "billigeren" Value-Werten (Value-Spread) in den letzten Wochen könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich viele Anleger im Vorgriff auf anhaltende Schwächen in der Konjunktur bereits eindeutig positioniert hätten. Die Aussicht auf niedrigere Zinsen beflügele die Fantasie der Anleger, ähnlich wie zu Beginn der Corona-Pandemie. Konjunktursorgen würden beiseite gewischt. (23.08.2022/ac/a/m)