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Mo, 5. Dezember 2022, 19:39 Uhr

Aktienmarkt: Das Auf und Ab geht weiter


16.09.22 13:43
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Das Auf und Ab an den Märkten geht munter weiter, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Während die zuletzt abnehmende Dynamik der US-Inflation im August noch einen der Haupttreiber für das sich aufhellende Sentiment dargestellt habe, so sei zur Wochenmitte wieder Ernüchterung eingekehrt. Die höher als erwartet ausgefallene Kernrate habe nicht nur den Anlauf zur nächsten Zwischenrally beendet, sondern habe der US-Anlegerschaft auch den höchsten Tagesverlust seit gut sechs Monaten beschert.

In Anbetracht der vielschichtigen Risikofaktoren, die uns seit Jahresbeginn begleiten würden, möge die Kursreaktion auf die höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten übertrieben erscheinen. Ein Blick auf die derzeitigen Handelsvolumina zeige jedoch, dass die Liquidität äußerst dünn sei. Dies decke sich mit den jüngsten Umfragen unter globalen Fondsmanagern, wonach die Mehrheit der institutionellen Investoren das Geschehen derzeit lieber von der Seitenlinie aus verfolge und ihre Aktiengewichtung dementsprechend deutlich zurückgefahren habe. Die Umsätze an den Aktienbörsen würden daher niedrig bleiben, was in Kombination mit überraschenden Nachrichten häufig in bedeutenden Marktbewegungen resultiere - in die eine, oder die andere Richtung.

Auch der sogenannte große Verfallstag von Optionen am heutigen Freitag, im Fachjargon auch gerne Hexensabbat genannt, habe zumindest in der Historie ebenfalls im Vorfeld gerne für größere Kursbewegungen gesorgt. Optionen seien dabei ein gutes Stichwort. Denn bei genauerem Blick auf den Derivatemarkt zeige sich, dass das Verhältnis von Puts zu Calls mittlerweile auf dem höchsten Niveau seit der Finanzkrise sei. Mit anderen Worten: seit rund 14 Jahren seien an der CBOE, der weltweit größten Options-Börse mit Sitz in Chicago, nicht mehr in diesem Ausmaß auf fallende Kurse gesetzt, bzw. sich auf fallende Kurse abgesichert worden - nur ein weiteres Indiz dafür, wie hoch derzeit die Unsicherheit am Markt sei.

Das Umfeld bleibe daher volatil. Vor allem auch deshalb, da die jüngsten Inflationsdaten abermals Zinssorgen befeuert hätten. Der Anleihemarkt habe zuletzt wieder einmal die Richtung für Aktien vorgegeben. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen würden derzeit ihre Juni-Niveaus testen, welche gleichzeitig das bisherige Aktienmarkttief markiert hätten. Vor allem für das zinssensitive Growth-Segment sei dies von entscheidender Relevanz. Im Hinblick auf die Konjunkturdynamik und die weiteren Schritte der Geldpolitik werde daher in der kommenden Woche den Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und der FED-Sitzung eine hohe Bedeutung zukommen.

Wenngleich im Hinblick auf die bisherige Septemberperformance DAX & Co. gegenüber den Amerikanern die Nase vorne hätten, seien auch in Europa die hohen Preise und Konjunktursorgen nach wie vor tonangebend. Zumindest beim Thema Energiepreise sei aber zuletzt Bewegung reingekommen. Im Anschluss an die Rede von Präsidentin von der Leyen zur Lage der Europäischen Union habe die Europäische Kommission einen detaillierteren Vorschlag zur Bewältigung der Energiekrise im Winter 2022/23 vorgelegt.

Zu den Maßnahmen würden die Verringerung der Nachfrage, die Abschöpfung der überschüssigen Gewinne von Stromerzeugern und Energieunternehmen und die Möglichkeit für die Mitgliedstaaten, die Unterstützung für die Energierechnungen der Verbraucher zu finanzieren, gehören. Die meisten Maßnahmen würden mit früheren Vorschlägen übereinstimmen, aber die Kommission habe auch eine grundlegendere Reform der Strommarktregeln angekündigt, die mittelfristig auf niedrigere Preise abziele. Positiv in diesem Kontext sei zu erwähnen, dass die europäischen Kassastrompreise im Zuge der Maßnahmen zuletzt substanziell nachgegeben hätten.

Licht und Schatten lägen daher aktuell nahe beieinander. Gerade diese Kombination aus komplexer Datenlage und nach wie vor angespanntem geopolitischen Umfeld erschwere das Navigieren an den Aktienmärkten. Das enorme Ausmaß an schlechter Stimmung habe zumindest in der Historie immer wieder gute Einstiegsmöglichkeiten geboten, wohlwissend, dass die fundamentale Ausgangslage - vor allem in Europa weiterhin schwierig bleibe. Die Analysten würden daher ihre "halten"-Empfehlung aktuell aufrecht behalten und ein weiterhin äußerst volatiles Umfeld erwarten, welches zumindest kurzfristig immer wieder interessante Chancen für Ein- und Ausstiege bieten sollte. (16.09.2022/ac/a/m)





 
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