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Sa, 13. August 2022, 23:35 Uhr

Apple

WKN: 865985 / ISIN: US0378331005

Apple erfindet sich neu - Aktienanalyse


01.04.19 09:31
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Apple erfindet sich neu - Aktienanalyse

Florian Spichalsky von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des US-Giganten Apple Inc. (ISIN: US0378331005, WKN: 865985, Ticker-Symbol: APC, Nasdaq-Symbol: AAPL) unter die Lupe.

Das iPhone-Geschäft schwächele. Angesichts der sinkenden Nachfrage nach den Smartphones stünden die Kalifornier vor einem radikalen Veränderungsprozess. Apple müsse sich neu erfinden. Denn wer auf neue Entwicklungen nicht schnell genug reagiere, könne in einen Abwärtsstrudel geraten. Junge Unternehmen mit innovativen Ideen würden den Markt erobern, die alten würden an eingestaubten Geschäftsmodellen zerbrechen. Ein gutes Beispiel sei Nokia. Einst habe das finnische Tech-Unternehmen zu den Vorreitern seiner Branche gezählt, ehe Apple-Guru Steve Jobs "One More Thing" in Form der ersten iPhone-Generation vorgestellt habe und in rasanter Geschwindigkeit an Nokia vorbeigezogen sei. Der Rest sei Geschichte. Bei der jüngsten Keynote im Steve Jobs Theater am Konzernsitz in Cupertino halte Apple-Chef Tim Cook keine Überraschung in die Luft. Schnell sei klar: Das Unternehmen stecke mitten in einem Strategiewechsel. Dieser komme spät, die Konkurrenz sei mächtig.

Im Mittelpunkt der Innovationen stehe ein eigener Streamingdienst, der den Großen Konkurrenz machen solle. "Die Akzeptanz der Verbraucher gegenüber Streaming-Angeboten wächst und immer mehr Anbieter wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Durch Apple erhalten die Platzhirsche Netflix und Amazon Prime Video ernstzunehmende Konkurrenz, welches mit Apple Music bereits beweisen konnte, dass es Medieninhalte erfolgreich "as a service" an den Verbraucher bringen kann", meine Frank Schwarz, Fondsmanager des MainFirst Global Equities Fund. Das Ziel könnte ambitionierter nicht sein, schließlich habe Cook es mit den mächtigsten Gegnern der digitalen Unterhaltungsbranche zu tun - beide würden Unsummen in Eigenproduktionen stecken. In diesem Jahr sollten es allein beim Branchenpionier Netflix, der einen Vorsprung von zehn Jahren habe, 80 Prozent der 15 Milliarden-Dollar-Investition sein. Davon sei Apple weit entfernt.

Zunächst gebe das Unternehmen eine Milliarde Dollar für eigene Inhalte aus und plane als zweites Standbein eine Sammelplattform für andere Streaming-Anbieter. Letztere müssten zwar einen Teil der Abogebühren an Apple abtreten, allerdings könnten sie so ihre Reichweite steigern - ein Vorteil, der die Wahrscheinlichkeit verringere, von Branchenriesen überrollt oder aufgekauft zu werden. Damit verabschiede sich Apple von bis zum jetzigen Zeitpunkt unantastbaren Prinzipien: Mehr und mehr könnten User, die konzernfremde Geräte nutzen würden, auf Apple-Dienste zugreifen. Ein Beispiel sei Apples TV-App. Sie werde auf Fernsehern von Sony, Samsung, LG und anderen Herstellern - ja, sogar auf den Fire-TV-Boxen des Rivalen Amazon - verfügbar sein.

Die neue Strategie stehe im direkten Zusammenhang mit den rückgängigen iPhone-Verkäufen. Cook wisse, dass er seine Kunden möglichst lang im Apple-Universum halten müsse, wenn es schon nicht gelinge, ihnen alle zwei Jahren das neuste Smartphone zu verkaufen. Kurzum: Das Geschäft mit dem iPhone sei endlich. Das hätten auch Anleger beim Blick auf das Weihnachtsquartal 2018 feststellen müssen. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren sei der Umsatz und Gewinn des Konzerns geschrumpft. Anfang des Jahres habe Apple sogar seinen Quartalsausblick senken müssen - ein Strategiewechsel schien unausweichlich. Doch das Geschäft mit Inhalten und Abonnements sei keine Verzweiflungstat.

Immerhin wachse kein anderes Segment so schnell wie jene Dienste, zu denen Apple Music, das Cloud-Angebot und der AppStore zählen. 2018 habe die Sparte um rund ein Drittel auf fast 40 Milliarden Dollar zugelegt. Damit mache sie inzwischen etwa 15 Prozent des Konzernumsatzes aus. Vom neuen Video-Streamingdienst verspreche sich Cook weiteres Wachstum. Daniel Ives, Technologie-Analyst beim US-Investmentunternehmen Wedbush spreche sogar von einem möglichen "Game Changer". Innerhalb von drei Jahren könne Apple 100 Millionen neue Abonnenten gewinnen, die mit der Zeit sieben bis zehn Milliarden Dollar des Umsatzes ausgemacht hätten. Tatsächlich lasse sich das Potenzial schwer einschätzen - nicht zuletzt, weil immer mehr Bewerber im Showbusiness mitmischen würden. So auch Hulu und HBO now, oder Sky im deutschen Markt. Warner Media und Disney würden noch in diesem Jahr an den Start gehen wollen - Unternehmen, die wahrlich keine Fliegengewichte seien und auch für Apple ernstzunehmende Konkurrenz darstellen würden.

"Allerdings gehen wir davon aus, dass die Konsumenten dazu übergehen werden, mehrere Streamingdienste gleichzeitig zu abonnieren und dafür lieber auf ihr Kabelpaket verzichten." Deshalb sei Potenzial für Wachstum vorhanden, erkläre Analyst Schwarz. Experten seien nicht einig über die künftige Entwicklung des Aktienkurses. Weil das neue Angebot des iPhone-Konzerns mehr in die Breite als in die Tiefe gehe, belasse J.P. Morgan die Einstufung auf "overweight" mit einem Kursziel von 228 Dollar. Goldman Sachs wiederrum belasse die Einschätzung bei "neutral" mit einem Kursziel von 140 Dollar. Analyst Rod Hall bemängele vor allem fehlende Preisinformationen zum neuen Angebot.

Anleger würden wenig euphorisch auf den Strategiewandel reagieren. Investoren seien vor allem angesichts der wenigen Details zu den neuen Plänen enttäuscht: "In den USA ist der Streamingmarkt bereits gesättigt und es herrscht eine gewisse Konsummüdigkeit", meine Analyst Colin Gillis von der Beratungsfirma Chatham Road Partners. Dass Apple auf mehr Originalinhalte als Netflix und Amazon bei ihren jeweiligen Markteinführungen komme, spiele da nur eine untergeordnete Rolle. Dabei habe der Cook extra Hollywood-Stars wie Steven Spielberg, Jennifer Aniston, Oprah Winfrey und Reese Witherspoon auf die Bühne geholt. Eindruck habe der Apple-Chef damit nur im entfernten Hollywood machen können, Investoren seien kühl geblieben.

Doch damit nicht genug. Der Techriese aus dem US-Bundesstaat Kalifornien presche mit weiteren Formaten vor. Neben der neuen Video-Strategie habe Cook eine App für Magazine und Zeitschriften, das Spieleportal Apple Arcade sowie eine neue Kreditkarte in Kooperation mit Goldman Sachs vorgestellt. Die Karte - ganz im minimalistischen Apple-Design - erweitere den Bezahldienst Apple Pay. Für den Kartenantrag, der ab Sommer von US-Nutzern gestellt werden könne, müssten Nutzer lediglich ihre Wallet-App öffnen und dort einige Angaben machen. Nach kurzer Prüfung sei die virtuelle Mastercard einsatzbereit. Kinderleicht quasi.

Für den Fall, dass das Lesegerät kontaktloses Bezahlen via iPhone und Apple Watch nicht zulasse - aber immerhin liege die Akzeptanzquote im US-Handel bei 70 Prozent - werde der Kunde mit einer schlichten Karte aus Titanium inklusive Apfel-Logo und Name ausgestattet. Keine Kartennummer. Keine CVC-Nummer. Eine Designer-Karte eben. Das Besondere an der Apple Card: Einfache Bedienung, übersichtliche Darstellung der Transaktionen. Und tatsächlich würden die Ausgaben übersichtlich und nach Kategorien sortiert.

Apple reagiere mit seinen neuen Diensten auf das schwächelnde iPhone-Geschäft. Ob der Tech-Riese zu spät in den Video-Streaming-Markt einsteige, bleibe abzuwarten. Mit der neuen Strategie würde sich aber noch etwas anderes ändern. Bislang habe sich der Tech-Gigant aus Kalifornien überwiegend als Hardware-Lieferant verstanden, dem die Daten seiner Kunden relativ egal gewesen seien. Schwenke Apple nun Richtung Dienstleistungsunternehmen, könnte sich das ändern. Bei der Präsentation der neuen Kreditkarte betone Cook, dass die Nutzerdaten in guten Händen seien, weil Apple gar nicht wüsste, was der Nutzer zu welchem Preis wo gekauft habe. Zwar seien die Daten Goldman Sachs bekannt, doch würden sie nicht zu Marketing- und Werbezwecken weiterverkauft. Dieses Versprechen habe man schon von vielen Unternehmen gehört.

Mit Apple hätten langfristig orientierte Anleger sehr gutes Geld verdient - zumindest dann, wenn sie sich nicht von temporären Kursschwächen hätten aus der Ruhe bringen lassen. Der Konzern verfüge nach wie vor über die höchste Marktkapitalisierung der Welt. Manch Anleger erhoffe sich von den neuen Diensten die gleiche Strahlkraft wie vom iPhone-Geschäft. Hoffnung dürfe man haben, denn bei aller Skepsis und Kritik seitens Experten und Analysten: Apple werde wohl mal wieder in der Lage sein, sich auf neuen Geschäftsfeldern zu behaupten. Die neuen Dienstleistungen könnten wichtige Weichen für wieder steigendes Wachstum stellen. (Analyse vom 29.03.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Apple-Aktie:

XETRA-Aktienkurs Apple-Aktie:
170,89 Euro +1,27% (01.04.2019, 09:06)

Tradegate-Aktienkurs Apple-Aktie:
170,77 Euro +0,76% (01.04.2019, 09:27)

Nasdaq-Aktienkurs Apple-Aktie:
189,95 USD (29.03.2019)

ISIN Apple-Aktie:
US0378331005

WKN Apple-Aktie:
865985

Ticker-Symbol Apple-Aktie Deutschland:
APC

Ticker-Symbol Apple-Aktie Nasdaq:
AAPL

Kurzprofil Apple Inc.:

Apple Inc. (ISIN: US0378331005, WKN: 865985, Ticker-Symbol: APC, Nasdaq-Symbol: AAPL) ist ein US-amerikanischer Hersteller von Unterhaltungselektronik mit Hauptsitz im kalifornischen Cupertino. Aktuelle Verkaufsschlager des Elektronikriesen sind die Smartphones der iPhone-Modellreihe, die Tablets der iPad-Serie sowie die Notebooks der MacBook-Reihe. Neben dem Verkauf von Elektronik-Hardware gewinnt stark zunehmend der Verkauf von Medien über den iTunes Store und Applikationen über den Apple-App Store an Bedeutung. Die Marke Apple gilt mit einem Wert von USD 185 Mrd. als die wertvollste Marke der Welt. (01.04.2019/ac/a/n)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Der Vorstand und/oder Mitarbeiter der aktiencheck.de AG halten eine Netto-Longposition in den Aktien des analysierten Unternehmens. Es besteht also ein Interessenkonflikt auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen wollen.





 
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