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Mo, 5. Dezember 2022, 5:38 Uhr

BMW St

WKN: 519000 / ISIN: DE0005190003

BMW: Deutsche Autoindustrie auf Krisenfahrt - Aktienanalyse


12.11.18 09:58
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Autobauers BMW AG (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000, Ticker-Symbol: BMW, NASDAQ OTC-Symbol: BAMXF) unter die Lupe.

Alles neu mache in Bayern der Herbst. Danach sehe es zumindest bislang aus. Erst würden die Christsozialen ihre absolute Mehrheit verlieren, dann der FC Bayern München die Tabellenführung in der Fußballbundesliga und jetzt patze auch noch Vorzeigekonzern BMW mit einem überraschend heftigen Gewinneinbruch. Politisch wachgerüttelt, sportlich aufgerüttelt und wirtschaftlich einmal kräftig durchgeschüttelt. Alle drei bayerischen Urgesteine hätten schon deutlich bessere Zeiten gesehen, als die heutigen. Von Volkswagen-Tochter Audi ganz zu schweigen. Die Ingolstädter hätten schließlich nicht nur ihren Chef zwischenzeitlich in die Untersuchungshaft verloren, in den letzten beiden Monaten sei in Sachen US-Absatz nun auch noch Tesla mit beängstigend hoher Geschwindigkeit vorbeigebraust.

Und obwohl nun manch einer starken CSU oder einem starken Münchner Fußballclub hinterhertrauern möge, seien es die Probleme des Automobilsektors, die bald deutlich schwerer wiegen könnten, als eine verlorene Wahl oder ein schlechtes Fußballspiel. Seien sie schließlich kein allein bayerisches, sondern ein deutschlandweites. Der Automobilindustrie, ob nun in Bayern, Baden-Württemberg oder Niedersachsen, würden die Gewinne wegbrechen. Der wirtschaftliche Motor des Landes strauchle, schlittere und wanke in bedenklichem Ausmaß.

Doch zunächst zurück nach Bayern. Dorthin, wo BMW-Chef Harald Krüger unter der Woche die Ergebnisse seines Konzerns zum dritten Quartal des laufenden Jahres vorzulegen habe. Habe deshalb, da er freiwillig die trotz der bereits zuvor nach unten korrigierten Erwartungen erstaunlich schwachen Zahlen wohl kaum der Öffentlichkeit präsentiert hätte.

Während der Umsatz um 4,7 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro gestiegen sei, habe sich das Betriebsergebnis der Münchner gegenüber dem Vorjahr um deutliche 27 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro verschlechtert. Im Kerngeschäft, sprich dem Automobile-Segment, sei der Gewinn sogar um 47,1 Prozent auf nur noch 930 Millionen Euro zurückgegangen. Analysten hätten hier mit einem Ergebnis von mehr als einer Milliarde Euro gerechnet. Die operative Marge habe sich von 8,6 Prozent im Vorjahr auf gerade einmal noch 4,4 Prozent halbiert. Deutlich weniger als die angestrebten sieben Prozent.

Schuld daran seien zwar externe Faktoren und Einmaleffekte, doch die würden sich in letzter Zeit zu häufen beginnen und kämen auch nicht mal eben von irgendwo her. Chinas Zölle auf US-Autos beispielsweise hätten BMW im dritten Quartal rund 600 Millionen Euro gekostet, da die Münchner einen Großteil ihrer vor allem in China beliebten SUVs in den USA bauen würden. Hinzu kämen zusätzliche Investitionen im Wert von rund einer Milliarde Euro in Elektrifizierung und das autonome Fahren. Der anstehende Brexit beeinflusse die Ergebnisse bislang zwar freilich nicht, doch auch hier bereite man sich bei den Münchnern schon mal auf einen "harten" EU-Ausstieg vor.

Alles drei Baustellen, die auch im kommenden Jahr nicht einfach so verschwinden würden. Hinzu komme das neue Abgasprüfverfahren, das den Absatz weiter und bis ins Jahr 2019 hinein negativ beeinflussen dürfte. Dieses hätte den "europäischen Markt vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht", so BMW-Finanzchef Nicolas Peter. Mit Blick auf das dritte Quartal hätten zudem Rückstellungen hinsichtlich einer 1,6 Millionen Fahrzeuge betreffenden Rückrufaktion die Bilanz belastet. Ursache sollten Probleme mit der Abgasrückführung sein. Ebenso hätten teurere Rohstoffe und ungünstige Wechselkurse negativ auf das Ergebnis gewirkt.

Auch wenn Vorstandsboss Harald Krüger von einer "Kumulation" an negativen Effekten und einer "besonderen Situation" gesprochen habe, sowie davon, dass sein Konzern auch weiterhin profitabel und verlässlich bleibe, habe dieser erneute Dämpfer bei Anlegern wie Analysten für enttäuschte Gesichter gesorgt. Der Autobauer habe klar negativ überrascht, habe Kepler Cheuvreux-Experte Michael Raab die Ergebnisse der Münchner zusammengefasst. Sein Kursziel habe er bei schwachen 71 Euro belassen, empfehle damit bei einem derzeitigen Kurs von rund 74 Euro den Verkauf der Aktie. Auch Metzler-Analyst Jürgen Pieper sei deutlich geworden: "Hier läuft in München auch im Kerngeschäft etwas falsch, bei der Produktpalette und bei der Preisdurchsetzung", so der Experte. Seit Jahresbeginn habe die BMW-Aktie nun schon 15 Prozent an Wert verloren, auf Dreijahressicht seien es 20 Prozent.

Verglichen mit der Premium-Konkurrenz aus Stuttgart seien BMW-Aktionäre damit noch gut bedient. Das Daimler-Papier sei in den letzten drei Jahren um 35 Prozent abgestürzt, seit Jahresbeginn stehe ein Minus von 26 Prozent zu Buche. Die Gründe dafür seien ähnlich denen des bayerischen Konkurrenten. Im laufenden Jahr habe Daimler bereits zwei Gewinnwarnungen ausgegeben. Auch VW liege verglichen mit 2017 in Sachen Ergebnis zurück, wenngleich bei weitem nicht so deutlich wie Daimler und BMW. Die Aktie der Wolfsburger stehe deshalb auch nur mit sieben Prozent im Minus und performe bis dato deutlich besser als der DAX, der bereits zwölf Prozent verloren habe. Auf Dreijahressicht habe der Kurs des VW-Papiers sogar um 60 Prozent zugelegt, was zuvorderst freilich daran liege, dass die Niedersachsen nach Auffliegen des Abgasskandals gemessen an ihren Ergebnissen zwischenzeitlich etwas zu deutlich abgestraft worden seien. Aber wohl auch daran, dass sie nicht nur vom Premiummarkt abhängig seien.

Den nämlich wirble es im Rahmen der Elektrifizierung wie es scheine zuerst durcheinander. Im Vergleich zu einem Mercedes, Audi oder BMW, sei ein Tesla nicht teuer und wer einen Wagen aus der kalifornischen E-Auto-Schmiede fahre, der fahre die Zukunft, wirke hip, jung und cool. Gefährlich, da es Tesla-Gründer Elon Musk nun auch endlich geschafft habe, seinen Konzern profitabel zu machen. Vor allem, da die Produktion des Model 3 nun funktioniere. So habe Tesla in den vergangenen zwei Monaten in den USA 4.500 Neuwagen mehr als Audi und nur 1.460 weniger als BMW verkauft. Alarmierende Zahlen, seien die USA hinter China schließlich der größte Absatzmarkt innerhalb der Branche.

"Die enorme Stärke der Deutschen, ihre Dominanz bei Verbrennungsmotoren, ist im sich anbahnenden Elektrozeitalter immer weniger wert", fasse es Analyst Pieper zusammen. Und auch wenn Daimler, BMW und Volkswagen nun Milliarden in die Elektrifizierung stecken würden, Tesla habe im "elektrischen" Premiumbereich einen gewaltigen Vorsprung in Sachen Markenpopularität. Und was die weniger teuren Wagen angehe, dürften die Chinesen langfristig die besseren Standortfaktoren besitzen. Nicht nur, dass sie dort günstiger produzieren könnten, auch einige der bislang größten Batterie-Hersteller kämen aus dem Reich der Mitte.

Zugegeben ein weiter Blick in die Zukunft, im Jetzt bedrohe weiter vor allem der vor sich hin schwelende amerikanisch-chinesische Handelskonflikt die Ergebnisse. Auch US-Zölle auf Auto-Importe aus Europa seien noch lange nicht vollständig vom Tisch. Nicht zu vergessen freilich auch das deutsche Dieselchaos. Das und die damit einhergehenden Abgasumrüstungen seien es, die die deutschen Hersteller für den Moment am härtesten treffen würden. "Es besteht das Risiko weiterer Gewinnwarnungen", warne Frank Schwope, Analyst der NordLB, damit wohl zu Recht.

In München laufe inzwischen immerhin die Neuauflage des so wichtigen 3er-Modells vom Band, im kommenden Jahr dann auch in China. Zudem dürften die neuen SUV-Modelle X5 und X7 zahlungskräftige Käufer anlocken. Doch bei all den anstehenden Herausforderungen könnte das zu wenig sein. Vor allem mit Blick auf den Aktienkurs. Anlegern fehle ganz offensichtlich die Perspektive, eine klare Idee für die Zukunft. "Wir scheuen keine Herausforderung", so Harald Krüger. Das dürften sie auch nicht. Nicht in München, nicht in Stuttgart und auch nicht in Wolfsburg. (Analyse vom 09.11.2018)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze BMW-Aktie:

Xetra-Aktienkurs BMW-Aktie:
73,32 EUR -0,05% (12.11.2018, 09:38)

Tradegate-Aktienkurs BMW-Aktie:
73,38 EUR -0,49% (12.11.2018, 09:53)

ISIN BMW-Aktie:
DE0005190003

WKN BMW-Aktie:
519000

Eurex Optionskürzel BMW-Aktienoption:
BMWF

Ticker-Symbol BMW-Aktie:
BMW

NASDAQ OTC Ticker-Symbol BMW-Aktie:
BAMXF

Kurzprofil BMW AG:

Die BMW Group (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000, Ticker-Symbol: BMW, NASDAQ OTC-Symbol: BAMXF) ist mit ihren Marken BMW, MINI, Rolls-Royce und BMW Motorrad der weltweit führende Premium-Hersteller von Automobilen und Motorrädern und Anbieter von Premium-Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Das BMW Group Produktionsnetzwerk umfasst 30 Produktions- und Montagestätten in 14 Ländern; das Unternehmen verfügt über ein globales Vertriebsnetzwerk mit Vertretungen in über 140 Ländern.

Im Jahr 2017 erzielte die BMW Group einen weltweiten Absatz von mehr als 2.463.500 Automobilen und über 164.000 Motorrädern. Das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsjahr 2017 belief sich auf 10,655 Mrd. Euro, der Umsatz auf 98,678 Mrd. Euro. Zum 31. Dezember 2017 beschäftigte das Unternehmen weltweit 129.932 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seit jeher sind langfristiges Denken und verantwortungsvolles Handeln die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges der BMW Group. Das Unternehmen hat ökologische und soziale Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, umfassende Produktverantwortung sowie ein klares Bekenntnis zur Schonung von Ressourcen fest in seiner Strategie verankert. (12.11.2018/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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