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Di, 4. Oktober 2022, 6:37 Uhr

Bankensektor Q2 Berichtssaison & Ausblick: Gemischte Signale der ersten Quartalsberichte im Bankensektor


20.07.22 12:10
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Mit Beginn der Berichtssaison für das zweite Quartal 2022 zeigt sich, dass die Banken heftigem Gegenwind ausgesetzt sind, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.

Traditionell würden die US-amerikanischen Großbanken mit zu den ersten Unternehmen gehören, die ihre Geschäftsergebnisse für das abgelaufene Quartal veröffentlichen würden. Stand 19.07.2022 hätten 26% der US-Finanzfirmen des S&P 500 und 17% der Finanzinstitute aus dem EURO STOXX 600 bisher berichtet. Die Quartalsergebnisse von US-Banken wie Goldman Sachs, JP Morgan, Citigroup und Morgan Stanley sowie von europäischen Instituten wie der DNB Bank müsse man wohl als "Mixed Bag", zu Deutsch etwa als durchwachsen, bezeichnen. Abgesehen von firmenspezifischen Unterschieden im Management der einzelnen Banken und den sich daraus auch ergebenden Ertragsunterschieden, hätten zwar alle teils deutliche Verbesserungen beim Nettozinsergebnis gemeldet. Dies erkläre sich durchweg durch das gestiegene Zinsniveau.

Decker glaube jedoch nicht, dass ein Mehrertrag aus dem Zinsüberschuss nachhaltig zur Steigerung des Gesamtergebnisses beitragen werde. Normalerweise würden Zinsniveaus in Boomphasen steigen. In solchen Phasen würden in der Regel die Erträge nicht von hohen Kreditausfällen geschmälert; im Gegenteil: Es könnten meist auch weitere Provisionserträge aus Handels- oder M&A-Aktivitäten generiert werden.

Derzeit bewegen wir uns makroökonomisch jedoch tendenziell auf ein eher rezessives Umfeld zu, so Decker. Dadurch steige auf der anderen Seite wieder die Notwendigkeit von Rückstellungen für mögliche Kreditverluste, die sich negativ auf die Bankergebnisse auswirken würden. Hinzu komme, dass gerade in den USA über die letzten neun Monate eine Verflachung der Zinsstrukturkurve zu beobachten gewesen sei, so dass die Erträge aus dem Geschäftsmodell der Fristentransformation von Banken niedriger ausfallen würden, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Fakt sei, dass man in den USA derzeit sogar eine inverse Zinsstrukturkurve vorfinde. Und im Investmentbanking scheinen im Moment auch nur noch die wirklich zwingenden Transaktionen zu laufen, so Decker.

Weiteres Ungemach drohe den Banken aus Richtung der Regulatorik: So habe die spanische Regierung letzte Woche angekündigt, dass für die nächsten zwei Jahre eine neue Steuerabgabe für Banken geplant sei, mit der rund drei Mrd. Euro eingenommen werden sollten. Spätestens seit der Lehman-Pleite sehe sich der Bankensektor vor allem in Europa mit verschärften Regulierungen konfrontiert, die zum Teil drakonische Ausmaße angenommen hätten. So sei den Banken in Europa zu Beginn der Covid-Pandemie ein Verbot von Dividendenausschüttungen auferlegt worden, um die Krisenfestigkeit des Sektors zu gewährleisten. Kaum habe sich der zuvor arg gebeutelte europäische Bankensektor dank des Zinsanstiegs wieder erholt, solle jetzt zumindest ein Teil des höheren Zinsergebnisses wieder abgeschöpft werden.

Nach ersten Erkenntnissen solle die Steuer auf in Spanien erwirtschaftete Erträge erhoben werden. Die Auswirkungen auf international tätige Bankengruppen wie BBVA oder Banco Santander dürften einigermaßen überschaubar sein. Dennoch stelle sich unweigerlich die Frage, ob dieser Ansatz der spanischen Regierung auf andere europäische Länder übertragbar sei, was keine guten Nachrichten für den Bankensektor in Europa seien. Ohnehin würden sich Banken in einem durchaus fragmentierten Markt bewegen und würden mit steigenden Kosten und strukturell mit zunehmender Konkurrenz aus dem digitalen Bereich konfrontiert.

Sollten sich also die wirtschaftlichen Aussichten weiter eintrüben, werde es der Bankensektor sein, der aufgrund seiner hohen Korrelation zu den wirtschaftlichen Aktivitäten überproportional darunter zu leiden habe. Hinzu komme, dass eine bislang wichtige Unterstützung für die Kurse - nämlich die vor allem in den USA beliebten Aktienrückkäufe - zunehmend reduziert oder gar ausgesetzt würden. Das wirke sich negativ auf die Attraktivität der Branche aus. Eine Erhöhung eines Engagements sollte daher wohlüberlegt und die Geschäfts- als auch Konkurrenzsituation des jeweiligen Finanzinstitutes gut verstanden und analysiert sein. (20.07.2022/ac/a/m)