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Mo, 8. August 2022, 15:50 Uhr

Bayer

WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017

Bayer: Konnte man das Desaster nicht ahnen? - Aktienanalyse


25.03.19 09:09
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Bayer: Konnte man das Desaster nicht ahnen? - Aktienanalyse

Florian Spichalsky von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer AG (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001, Ticker-Symbol: BAYN, Nasdaq OTC-Symbol: BAYZF) unter die Lupe.

Der Aktienkurs breche drastisch ein. Zeitweise sei er um 14 Prozent gefallen, während der Börsenwert um mehr als acht Milliarden Euro geschrumpft sei. Manch Analyst sehe in Bayer schon einen Übernahmekandidaten. Insgesamt sei der Börsenwert seit dem ersten Glyphosat-Urteil nun schon um 30 Milliarden Euro gesunken. Die Konsequenz: Analysten würden große Sorge äußern, Anleger warnen und die Papiere des Bayer-Konzerns abstufen.

So auch Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst. Nach der in seinen Augen überraschenden Prozessniederlage habe er die Bayer-Aktie von "outperform" auf "neutral" abgestuft und das Kursziel von 90 auf 60 Euro zusammengestrichen. Der Konzern habe keine überzeugenden Argumente, um die Behauptungen des Klägers zu entkräften, habe der Analyst erklärt.

Auch die DZ BANK habe die Aktie von "kaufen" auf "halten" abgestuft und den fairen Wert von 85 auf 62 Euro gesenkt. Das Gerichtsurteil zu Ungunsten von Monsanto habe einen neuerlichen Kurssturz ausgelöst. Außerdem sei das Risiko hoch, dass weitere Negativnachrichten folgen würden, habe Analyst Peter Spengler geschrieben. Immerhin würden über 11.000 Glyphosat-Klagen auf die Leverkusener warten. Rosige Zeiten würden anders aussehen.

Doch der Reihe nach: Eine Geschworenen-Jury in San Francisco habe diese Woche einstimmig entschieden, dass der Monsanto-Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein entscheidender Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman sei. Das Opfer habe das Herbizid 25 Jahre lang auf seinem Grundstück verwendet. Diese Nachricht sorge an der Börse für einen Ausverkauf der Bayer-Aktie. Für viele Investoren sei die Entscheidung des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco offenbar unerwartet gekommen.

Viele wären davon ausgegangen, dass die Aufteilung des Prozesses in zwei Phasen Bayers Chancen verbessere, meine Analyst Richard Vosser von der US-Bank J.P. Morgen. Denn wäre die Jury zu dem Schluss gekommen, dass Roundup nicht für Hardeman Krebserkrankung mitverantwortlich sei, hätte es keine weitere Prozessrunde gegeben. Das Verfahren in San Francisco gelte als "Bellwether Trial": So würden in den USA Musterfälle genannt, die genutzt werden, um künftige Vergleichsmöglichkeiten zu bestimmen. In einem weiteren Teil des Musterverfahrens solle nun geklärt werden, ob Monsanto über Risiken des Produkts hinweggetäuscht habe und wie hoch die Schadensersatzsumme ausfalle.

Bereits im August 2018 habe der Konzern eine Schlappe einstecken müssen. Ein Gericht habe dem Hausmeister Dewayne Johnson zunächst rund 254 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen, später sei die Summe aus formalen Gründen auf 78 Millionen Dollar gekürzt worden. Auch damals sei der Aktienkurs eingebrochen. Nun gehe der Kursverfall weiter. Während Bayer den Vorfall aus dem Vorjahr noch als Einzelfall habe abtun könne, weise das jüngste Urteil des US-Gerichts die Richtung für künftige Entscheidungen.

Klar sei, die Klagewelle werde Bayer sehr viel Geld kosten. Für Konzernchef Werner Baumann, der die Übernahme des Saatgutunternehmens vorangetrieben habe, könnte es deshalb nun eng werden. Eigentlich habe der Manager mit der Übernahme "auf revolutionäre Weise" dabei helfen wollen, die Welt zu ernähren. Doch der Plan, seine 30-jährige Bayer-Karriere zu krönen und das im DAX notierte Unternehmen zum führenden Agrarkonzern der Welt zu machen, sei nicht aufgegangen. So sei das eben mit den Revolutionen: Sie würden sich nur schwer kontrollieren lassen. Revolutionsführer Baumann lege sich dabei gleich mit allen gleichzeitig an: Mit Umweltschützern, weil Monsanto gentechnisch verändertes Saatgut verkaufe, auf das Landwirte anschließend Glyphosat spritzen könnten. Und mit den Aktionären, die etwas gegen die Kapitalvernichtung im Zuge der endlosen Rechtstreitigkeiten hätten.

Habe man das Desaster nicht ahnen können? Sicher habe man gekonnt. Doch man, in diesem Fall Werner Baumann, habe es nicht ahnen wollen. Stattdessen habe Baumann unbedingt und um jeden Preis möglichst schnell wachsen wollen. Dass das Image von der US-Saatguttochter zum Zeitpunkt des Kaufs sehr schlecht gewesen sei, habe er gewusst. Und trotzdem habe er das Unternehmen unbedingt kaufen wollen. In Baumanns Worten klinge das so: "Die Agrarwirtschaft ist eine hoch attraktive Wachstumsbranche, in der eine starke Konsolidierung stattgefunden hat." Die Marke Bayer, die "weltweit für Vertrauen und Qualität" stehe, zahle nun die Zeche. Dabei sollten die Synergieeffekte doch eigentlich andersrum fließen: Das saubere Image der Leverkusener sollte auf die Saatguttochter, die alles andere als ein Öko-Bauernhof sei, abfärben. Vorhaben fehlgeschlagen.

Es sei ein schwerer Schlag für Bayer und seinen Vorstandsvorsitzenden. Baumann habe voll darauf gepokert, dass sich in dem Prozess jene wissenschaftliche Meinung durchsetze, die davon ausgehe, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Da sich die Jury aber einstimmig für einen Zusammenhang zwischen dem meistverkauften Unkrautvernichtungsmittel und der Erkrankung Hardemans entschieden habe, stecke Baumann weiterhin in einer Verteidigungsschleife - gegenüber den Investoren und einer deutschen Öffentlichkeit, die die Monsanto-Übernahme kritisch sehe. Viele Anleger seien angesichts des Kursverfalls von 33% binnen Jahresfrist alles andere als erfreut. Bereits im Herbst 2018, als die Aktie den ersten Absturz habe hinnehmen müssen, hätten große Fonds den erfahrenen Manager mit der Frage gegrillt, ob das Rechtsrisiko von Monsanto ausreichend genug geprüft worden sei. Baumann bejahe dies unermüdlich. In anderen Worten: "Auch wenn der Druck groß bleibt, bleibe ich ruhig und analysiere die Dinge sachlich." Bayer-Aktionäre würden in diesen Tagen allerdings alles andere als ruhig bleiben - zurecht. (Analyse vom 22.03.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Bayer-Aktie:

Tradegate-Aktienkurs Bayer-Aktie:
58,70 EUR -0,68% (25.03.2019, 08:57)

Xetra-Aktienkurs Bayer-Aktie:
59,30 EUR -3,23% (22.03.2019, 17:35)

ISIN Bayer-Aktie:
DE000BAY0017

WKN Bayer-Aktie:
BAY001

Ticker-Symbol Bayer-Aktie:
BAYN

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Bayer-Aktie:
BAYZF

Kurzprofil Bayer AG:

Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001, Ticker-Symbol: BAYN, Nasdaq OTC-Symbol: BAYZF) ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Ernährung. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen, indem es zur Lösung grundlegender Herausforderungen einer stetig wachsenden und alternden Weltbevölkerung beiträgt. Gleichzeitig will der Konzern seine Ertragskraft steigern sowie Werte durch Innovation und Wachstum schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und steht mit seiner Marke weltweit für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität.

Im Geschäftsjahr 2018 erzielte der Konzern mit rund 117.000 Beschäftigten einen Umsatz von 39,6 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 5,2 Milliarden Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de. (25.03.2019/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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