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Fr, 7. Oktober 2022, 9:21 Uhr

Bodenschätze 4.0 - Wie viel Potenzial steckt in den Rohstoffen von Morgen?


18.02.19 11:00
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Ob nun Elektrifizierung, Automatisierung oder Digitalisierung, die Weltwirtschaft befindet sich in ihrem größten Umbruch seit der Industrialisierung, so Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag".

Mindestens. Das schaffe auf Unternehmensseite nicht nur neue Angebote, es verändere auch die Nachfrage. Ganz besonders die nach Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel. Längst seien diese auch an der Börse keine Geheimtipps mehr. Das habe sie und die Unternehmen, die sie fördern würden, teuer gemacht. Doch noch immer scheine ihr Potenzial riesig.

Kobalt: Angebot, Nachfrage und Preis des schweren, silberblauen Metalls, das nicht nur leitfähig sondern mit Blick auf seine magnetische Eigenschaft auch extrem hitzebeständig und inzwischen neben Lithium und Coltan essenzieller Bestandteil von Smartphone-Akkus und E-Auto-Batterien sei, hätten zuletzt eine ziemlich rasante Achterbahnfahrt hingelegt. Die globale Nachfrage beispielsweise habe sich zwischen 2010 und 2015 von 65.000 auf über 120.000 Tonnen pro Jahr verdoppelt. Damit habe auch der Preis für den wertvollen Rohstoff explodiert, dessen weltweit bekannte Vorkommen bei rund 25 Millionen Tonnen lägen. Allein 2017 habe sich das Metall um 129 Prozent verteuert. Anfang 2018 dann habe eine Tonne Kobalt 95.000 US-Dollar gekostet. Eine Vervierfachung gegenüber den Tiefstständen von 2016.

Danach allerdings sei eine heftige Korrektur gefolgt, welche aus einem zwischenzeitlichen Überangebot herrührt habe. Und so habe sich die Tonne Kobalt Ende 2018 für 55.000 Dollar und zuletzt sogar nur noch für rund 31.000 Dollar verkauft. 2019 könnte sich das Angebot nun wieder verknappen und der Preis somit bereits Mitte des Jahres um 30 Prozent höher stehen, würden die Experten des unabhängigen Beratungsunternehmens Capital Economics glauben. Grund dafür sei der vorübergehende Exportstopp, den der Rohstoffkonzern Glencore für eine seiner Kobalt-Minnen im Kongo wegen zu hohem Uran-Gehalt verhängt habe und einige Monate anhalten dürfte. Aber auch längerfristig stehe den Londoner Analysten nach einer Preissteigerung wenig im Weg. Bis 2020, würden sie schreiben, könnte die Tonne Kobalt wieder 80.000 Dollar kosten.

Grund dafür sei zuvorderst der weiter ansteigende Marktanteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen, denn in deren Batterien ist Kobalt bislang unersetzbarer Bestandteil. Allein Tesla brauche im Schnitt zwischen zehn und zwölf Kilogramm Kobalt je Fahrzeug. Und würden 2030 rund 30 Prozent der Neuwagen über einen Elektroantrieb verfügen, was Schätzungen der Boston Consulting Group (50 Prozent, inklusive Hybrid-Modelle) sogar unterschreite, entspräche das einer zusätzlichen Kobalt-Nachfrage von rund 300.000 Tonnen und damit dem doppelten des aktuellen Marktvolumens.

Möge derzeit ein Überangebot bestehen, langfristig dürfte gerade die Versorgungssituation mit Blick auf den politisch extrem instabilen Kongo, dessen Minen für rund zwei Drittel der globalen Förderung verantwortlich zeichnen würden, ein Risiko bleiben. Allein rund 20 Prozent des weltweiten Angebots stamme Schätzungen nach aus unkontrollierten, informell betriebenen Klein-Minen.

Es scheine als könnte den Anstieg des Kobaltpreises auf lange Sicht nur eines aufhalten: Batteriezellen, die ohne das teure Metall auskämen. Tesla und Panasonic würden bereits an Alternativen forschen, doch bis es die bei einem Erfolg marktreif gebe, dürfte es noch dauern.

In Kobalt zu investieren, bleibe gerade nach den jüngsten Korrekturen verlockend, dürfte aber weiter nichts für Anleger mit schwachen Nerven sein. Was vor allem daran liege, da es hierzulande weder Kobalt-ETFs noch spezielle Kobalt-Aktienfonds gebe. Bleibe das Investment in einzelne Aktiengesellschaften. Mit Blick auf kleinere Unternehmen sei ein solches aber oft riskant. Und bei Großkonzernen wie Glencore würden - noch - andere Rohstoffe die Geschäftsentwicklung bestimmen.

Ähnlich wie Kobalt profitiere auch Lithium zuvorderst von der Mobilitätswende im Automobilsektor, denn jedes Elektroauto verschlinge je nach Leistung zwischen drei und zehn Kilogramm Lithium. Und mit Blick auf die Neuwagenverkäufe könnte der Stromer-Anteil bereits in den kommenden Jahren zwischen fünf und sieben Prozent liegen. Das wiederum könnte bei gleich bleibendem Bedarf bis 2025 mindestens zu einer Verdopplung der derzeitigen Jahres-Lithiumnachfrage von rund 210.000 Tonnen führen. Die Analysten des Beratungsunternehmens Roskill würden in jenem Zeitraum mit einer Gesamt-Bedarfssteigerung von 21 Prozent pro Jahr rechnen. Lithium schließlich stecke bereits heute und fernab der Auto-Industrie in unzähligen Akkumulatoren, die Lithium-Ionen-Batterie dürfte inzwischen jedem ein Begriff sein.

Darüber hinaus werde das silber- bis weißgraue und ultraleichte Alkalimetall auch als Schmiermittel, in Klimaanlagen und in der Produktion von Glas oder Keramik verwendet. Und allein mit Blick auf den Akku- und Batteriesektor solle die Nachfrage nach dem "weißen Gold" bis 2028 um 26 Prozent von 140.000 auf 1,4 Millionen Tonnen steigen. Das zumindest wolle Roskill errechnet haben. Deren Division Manager David Merriman glaube daher, dass sich Angebot und Nachfrage auf dem Lithiummarkt nur noch bis 2021 im Gleichgewicht halten dürften, danach könnte ein deutlicher Überhang auf der Nachfrageseite entstehen, da es an der Finanzierung für den Aufbau neuer Kapazitäten fehle. Darüber hinaus zwinge das Wettrennen um Marktanteile im Elektroauto-Markt Automobil- und Batteriehersteller dazu, sich langfristig hohe Mengen des Rohstoffs zu sichern, gebe Lynx Broker-Experte Sascha Sadowski zu bedenken.

Von Aussichten, wie diesen, habe der Lithium-Preis zuletzt allerdings kaum mehr profitieren können, was vor allem die Aktien der Lithium-Förderer und Verarbeiter deutlich verbilligt habe. Einzelne Aktien hätten 2018 um mehr als 50 Prozent korrigiert. Sei der Preis ausgehend von 6.000 Dollar je Tonne im Jahr 2015 zwischenzeitlich auf über 20.500 Dollar gestiegen, habe die Tonne Lithium jüngst nur noch rund 18.000 Dollar gekostet.

Obwohl der Bedarf also weiter ansteige, würden die Preise sinken. Als Grund gelte vielen Experten eine von Investoren befürchtete Überversorgung. Die US-Bank Morgan Stanley habe beispielsweise in einer Analyse darauf hingewiesen, dass sie bis 2025 von einem Angebotsanstieg um 500.000 Tonnen jährlich ausgehe. Und das nur mit Blick auf Argentinien, Chile und Australien. Im Gegensatz zu Kobalt würden sich zudem rund 70% der bislang bekannten Lithium-Lagerstätten in Chile, Argentinien und Bolivien befinden, politisch also wesentlich stabileren Ländern als der Kongo. Zudem komme Lithium global vergleichsweise häufig vor, zu Engpässen käme es also zunächst nur dann, wenn es den Förderern nicht gelinge, mit der schnell steigenden Nachfrage Schritt zu halten. Doch bislang scheine es ihnen zu gelingen. 2018 seien neue Kapazitäten aufgebaut worden, die 2019 auf den Markt gedrückt hätten, erkläre Fastmarkets-Experte William Adams. Auch Andrew Miller, Analyst bei Benchmark Mineral Intelligence glaube, dass der Bedarf erst zwischen 2020 und 2021 "so richtig" einsetzen werde, prognostiziere für 2019 aber dennoch einen Preisanstieg von 13,5%.

Wie das Investment in Kobalt, bleibe aber auch das in Lithium ein riskantes. Noch sei nicht abzusehen, wie lange die Lithium-Ionen-Batterie die bevorzugte Akku-Variante bleibe. Längst gebe es mögliche Alternativen, wie beispielsweise die Natrium-Ionen- oder die Kohlenstoff-Batterie. Direkt in Lithium könne man an der Börse zudem bislang nicht investieren, dafür aber mithilfe von Zertifikaten auf die Preisentwicklung wetten oder Aktien der Förderer und Produzenten kaufen. Gerade die seien nach den jüngsten Korrekturen auch wieder deutlich günstiger zu haben. "Wer als Investor in den kommenden Jahren vom Lithium-Boom profitieren möchte, der sollte dabei auf führende Unternehmen der Branche setzen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass sich die Aktienkurse der Marktführer in allen Branchen langfristig am besten entwickeln.", empfehle Lynx Broker-Analyse Sadowski und verweise unter anderem auf die beiden Marktführer, Albemarle und Sociedad Química y Minera de Chile.

An Nickel hätten lange Zeit die wenigsten gedacht, wenn es um den Rohstoffbedarf der Zukunft gegangen sei, der wiederum maßgeblich von den Umwälzungen in der Fahrzeugindustrie beeinflusst werden dürfte. Dabei komme bis dato in den meisten Elektro-Fahrzeugen eine Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Methode zum Einsatz, wisse Nitesh Shah, Director Commodities Strategist bei ETF Securities. Die Chancen, dass sich diese langfristig durchsetze, stünden gut. Und während derzeit Nickel, Mangan und Kobalt noch zu gleichen Teilen vorkämen, verschiebe sich das Verhältnis der Metalle allmählich zugunsten von Nickel auf 8:1:1, so der Experte weiter.

Mit Blick auf die Tesla-Batterien sei Nickel bereits heute mengenmäßig der wichtigste Bestandteil der positiven Elektrode. Grund für die Verschiebung: Nickel komme zu einem Großteil aus Russland, Australien und Kanada (50% der Weltfördermenge) und damit nicht - wie Kobalt - aus einer krisengeplagten, instabilen Region. Und: Nickel sei deutlich günstiger. Koste eine Tonne Kobalt derzeit die bereits erwähnten 31.000 Dollar, sei die Tonne Nickel für 12.350 Dollar zu haben. Vor einem Jahr, als die Tonne Kobalt noch rund 95.000 Dollar gekostet habe, sei der Unterschied ein noch auffälligerer gewesen.

Auch Nickel habe einer Korrektur hinter sich, wenn auch eine weniger deutliche. Habe der Kurs - im Gegensatz zu Kobalt und Lithium sei Nickel an der Börse handelbar - von Juni 2017 bis Juni 2018 noch von 8.850 auf 15.100 Dollar zugelegt, habe er in den Monaten bis Dezember des vergangenen Jahres um 30% auf 10.700 Dollar eingebrochen, ehe er sich nun, 2019, wieder um 23% erholt habe und bei rund 12.650 Dollar je Tonne stehe. Gehe es nach den Analysten der Bank of America, eine "vollkommen gerechtfertigte" Erholung.

Grundsätzlich sei von dem mittelharten, silbrig-weißen Metall, das unter anderem auch zur Produktion von nichtrostenden Stählen und Nickellegierungen eingesetzt werde, genug auf der Erde vergraben. Die Reserven lägen Schätzungen nach irgendwo zwischen 70 und 170 Millionen Tonnen. Auch hier würden sich Preissteigerungen also nicht durch eine generelle Knappheit erklären lassen, sondern allein durch eine sich erhöhende Nachfrage bei gleichbleibendem oder sinkendem Angebot. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Wirtschaft floriere. Doch derzeit sehe es global mehr nach einem konjunkturellen Abschwung aus. Bleibe also zuvorderst die Hoffnung auf Nickel als essentieller Bestandteil des E-Autos.

In Nickel investieren lasse sich über Aktien von Bergbauunternehmen - Norilsk Nickel (ISIN US55315J1025/ WKN A140M9) beispielsweise heiße der derzeit größte Produzent, aber auch die bekannten Schwergewichte wie Vale (ISIN BRVALEACNOR0/ WKN 897136), Glencore (ISIN JE00B4T3BW64/ WKN A1JAGV) und BHP Billiton (ISIN GB00BH0P3Z91/ WKN A2N9WV) würden Minen besitzen - oder Optionsscheine, Zertifikate und ETCs. (Ausgabe vom 14.02.2019) (18.02.2019/ac/a/m)





 
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