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Fr, 27. Januar 2023, 22:40 Uhr

Die Börse boomt - aber warum eigentlich?


29.05.20 12:35
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Als mit den Märzdaten die ersten Auswirkungen der Einschränkungen sichtbar wurden, war der Schrecken groß und die Erwartungen wurden gesenkt, so die Experten von LYNX Broker.

Erste Befürchtungen einer neuen Großen Depression seien laut geworden. Als die verheerenden Zahlen aus dem April hinzugekommen seien, seien die Erwartungen erneut nach unten revidiert worden. Parallel dazu sei jedoch die Berichtssaison gelaufen und hier sei es in vielen Fällen weit weniger schlecht gelaufen als zunächst vermutet.

Die Weltwirtschaft leide unter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Zwar würden Regierungen allerorts versuchen, Insolvenzen mit gigantischen Hilfspaketen zu verhindern, doch es sei klar, dass das nicht in jedem Fall funktionieren werde. Welche Folgen das nach sich ziehen werde, sei derzeit kaum vorhersehbar. Trotzdem boome die Börse. Wie könne das sein? Für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX, habe das einen einfachen Grund.

"Ja, die Krise hat Unternehmen weltweit schwer getroffen und es steht schlimm um die Wirtschaft, aber es ist nicht so schlimm gekommen, wie es zu Beginn der Krise erwartet wurde", erkläre er und führe aus: "Als mit den Märzdaten die ersten Auswirkungen der Einschränkungen sichtbar wurden, war der Schrecken groß und die Erwartungen wurden gesenkt. Erste Befürchtungen einer neuen Großen Depression wurden laut. Als die verheerenden Zahlen aus dem April hinzukamen, wurden die Erwartungen erneut nach unten revidiert. Parallel dazu lief jedoch die Berichtssaison und hier lief es in vielen Fällen weit weniger schlecht, als zunächst vermutet."

Tatsächlich würden die Prognosen für die US-Wirtschaft düster aussehen. Goldman Sachs, die Bank of America, Credit Suisse und JPMorgan hätten alle in den vergangenen Wochen ihre BIP-Prognosen gesenkt und eine hohe Arbeitslosigkeit vorhergesagt. "Hier überbietet man sich regelrecht mit Hiobsbotschaften. Goldman Sachs warnte Mitte Mai vor einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 25 Prozent. Die Ökonomen der Bank of Amerika sehen das BIP im zweiten Quartal um ganze 40 Prozent sinken und JP Morgan erwartet immerhin noch mehr als 10 Prozent Arbeitslosigkeit mindestens bis zum Ende des Jahres", fasse Sadowski zusammen.

Doch es gebe durchaus nicht nur schlechte Nachrichten, wie die aktuell fast beendete Berichtssaison zeige. "Mittlerweile haben fast alle Unternehmen im S&P 500 ihre Quartalsergebnisse vorgelegt und hier kann man durchaus sagen: Es hätte schlimmer kommen können. Nachdem die Prognosen ja bereits weit nach unten revidiert wurden, haben Beobachter hier nicht viel Positives erwartet. Umso freudiger waren die Reaktionen, als die Zahlen in rund zwei Drittel der Fälle deutlich besser waren als die zu Beginn der Krise gesenkten Prognosen. Die Ergebnisse waren also besser als die Börse vorab eingepreist hatte - und das erklärt zumindest teilweise den aktuellen Aufwärtstrend."

Einen weiteren Faktor sehe Sadowski in der Struktur der Indices. "Tech-Unternehmen wie Amazon und Netflix haben mittlerweile das Potenzial, die Aktienmärkte zu beeinflussen. Und gerade die großen Unternehmen profitieren aktuell davon, dass es den kleinen Konkurrenten in der Krise schlecht geht", so der Experte. "Viele kleine Unternehmen, wie Boutiquen oder Fachgeschäfte mussten im Lockdown schließen. Doch der Bedarf nach den Waren, die dort verkauft werden ist ja nach wie vor gegeben. Was macht also der Verbraucher? Er sucht sich eine andere Möglichkeit, seinen Bedarf zu decken, heißt, er bestellt online oder kauft bei einem großen stationären Händler, der geöffnet hat, weil er sein Hauptgeschäft mit Waren des täglichen Bedarfs macht. Zwei Beispiele sind Amazon und Walmart, die beide fantastische Zahlen gemeldet haben. Der amerikanische NYU-Professor Scott Galloway sagte daher über die Stimulus-Maßnahmen der US-Regierung kürzlich, dass man sie genauso den ‚Amazon and Walmart shareholder act‘ nennen könnte."

Natürlich sei anzunehmen, dass das von der US-Regierung nicht unbedingt so beabsichtigt gewesen sei, denn immerhin sollte mit den Zahlungen an alle Bürger die gesamte Wirtschaft gestärkt werden, und nicht nur einzelne Unternehmen. "In gewisser Weise war das jedoch zu erwarten, wenn kleine Geschäfte weiterhin geschlossen sind und die Menschen so wenig wie möglich Kontakt zu anderen haben sollen. Natürlich werden nicht alle das Geld sofort auf den Kopf hauen, doch diejenigen, die es ausgeben müssen, werden sich auf diejenigen Geschäfte beschränken, die auch geöffnet sind. So werden Starke noch stärker und es ist abzusehen, dass bei kleinen und mittleren Unternehmen, die sich aktuell noch im Lockdown befinden, eine weitere Pleitewelle darauf wartet über das Land zu schwappen." (29.05.2020/ac/a/m)