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Fr, 27. Januar 2023, 10:16 Uhr

Bringt die Abkehr von fossilen Brennstoffen die nächste Finanzkrise?


19.11.21 17:04
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Weltweit pumpen Staaten und Zentralbanken weiter Geld in die Märkte, US-Präsident Bidens Infrastruktur-Plan ist nur eines von vielen Beispielen dieser Politik, so Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX.

In der Folge erhole sich die weltweite Wirtschaft wie geplant von den Auswirkungen der Pandemie. Doch die steigende Liquidität habe auch unerwünschte Folgen, wie die sprunghaft gestiegenen Preise für viele Rohstoffe beweisen würden. Insbesondere der Ölpreis biete mittlerweile Anlass zur Sorge, wie Sascha Sadowski erkläre.

"Zusammen mit dem Nachholbedarf, den viele Industriezweige nach der pandemiebedingten Rezession haben, hat das viele Geld im Markt dazu geführt, dass der Ölpreis regelrecht explodiert ist. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zur Einschätzung der Lage, die noch vor rund einem Jahr vorherrschte. Damals stand der Ölmarkt noch unter dem Motto "Lower For Longer". Insofern wundert es nicht, dass die jetzige Situation für viele ein Schock ist. Mittlerweile hat die US-Regierung die Staaten der OPEC sogar gebeten, die Fördermengen zu erhöhen, um die galoppierenden Preise wieder einzufangen. Paradoxerweise führt sie gleichzeitig neue Regularien und Auflagen für die einheimische Ölindustrie ein, um die Energiewende voranzutreiben", fasse Sadowski die Lage zusammen.

Genau in dieser Politik sehe Sadowski auch ein großes Risiko für die Wirtschaft vieler Staaten. "Die Energiewende ist richtig und wichtig, allerdings wird uns aktuell anhand des Ölmarktes recht deutlich vor Augen geführt, wie abhängig wir im Moment noch von fossilen Brennstoffen sind. Werfen wir nur einen Blick nach Großbritannien: Dort haben die Windkraftwerke nicht die erwartete Menge an Strom produzieren können, da es schlicht zu wenig Wind gab. Gleichzeitig wurde wenig in die herkömmliche Energieversorgung investiert oder sie wurde sogar abgeschaltet. Die resultierende Energiekrise trifft jetzt Verbraucher und Produzenten gleichermaßen", so der Experte.

Tatsächlich würden weltweit seit 2014 die Investitionen in fossile Brennstoffe deutlich sinken. Der Tiefstand sei 2020 erreicht worden, doch auch 2021 lägen die Investitionen nur minimal über diesem Wert und würden weniger als die Hälfte dessen ausmachen, was noch 2014 in diesen Bereich geflossen sei. Sadowski sehe dafür zwei gewichtige Gründe: "Zum einen hat der Ölpreis den Förderunternehmen keinen Anlass zu größeren Investitionen gegeben. Er lag schlicht und einfach zu niedrig, als dass es sich gelohnt hätte. Zum anderen - und dieser Grund spielt meines Erachtens die noch wichtigere Rolle - wird allerorts die Energiewende und der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen vorangetrieben. Größere Investitionen erscheinen da wenig zukunftsträchtig. Hinzu kommen unzählige Förderprogramme für Projekte im Bereich Grüne Energie, die die Kosten für die Unternehmen minimieren."

Doch genau das könnte sich jetzt als Problem erweisen, denn auch wenn der Ausstieg aus Öl und Gas mittlerweile in fast allen Ländern zum Konsens gehöre, würden einige offene Fragen in diesem Zusammenhang bleiben.

"Nehmen wir einmal das Beispiel Stahl, ein Material das sowohl für die Wind- als auch für Solarenergiegewinnung essentiell ist. Um die Energie aus fossilen Quellen zu ersetzen wären Berechnungen zufolge rund sechs Milliarden Tonnen Stahl nötig. Weltweit werden laut OECD jedoch nur rund 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr produziert. Wie soll diese Diskrepanz geschlossen werden? Ähnlich sieht es bei anderen wichtigen Rohstoffen wie Kupfer aus. Diese Fragen müssen bis zum nächsten geplanten Meilenstein der Energiewende im Jahr 2030 beantwortet werden, denn wir können bildlich gesprochen nicht riskieren, in den Pool zu springen, ohne vorher zu klären, ob überhaupt Wasser darin ist. Eine Energiekrise, für die die aktuelle Lage in Großbritannien nur ein Vorgeschmack ist, dürfte sonst unausweichlich sein - und mit ihr eine Finanz- und Wirtschaftskrise." (19.11.2021/ac/a/m)