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Fr, 29. Mai 2020, 22:39 Uhr

Chinesische Aktien - resistent gegen Viren?


25.03.20 10:35
M&G Investments

London (www.aktiencheck.de) - Seit Beginn der Corona-Krise hat sich ausgerechnet der chinesische Aktienmarkt bemerkenswert gut gehalten. Im globalen Vergleich hat China sogar am wenigsten unter den Turbulenzen der letzten Wochen gelitten, stellt das Aktienteam von M&G Investments fest und beobachtet, dass die Wirtschaft erkennbar wieder in Gang kommt.

Menschen und Unternehmen in China hätten Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei. Sie würden zu ihrem normalen Leben "vor dem Virus" zurückkehren, und auch die Industrieproduktion laufe wieder an. Experten würden zwar davon ausgehen, dass es nach einer ersten Krankheitswelle zu einer zweiten Welle kommen könne, wenn zwischenmenschliche Kontakte wieder aufgenommen würden. Diese sollte aufgrund einer gewissen Immunität jedoch weniger ausgeprägt verlaufen.

Als Land sei China für den Umgang mit einer solchen Krisensituation fast einzigartig positioniert. Eine überaus starke Regierung herrsche in einem politischen Rahmen, der eine weitgehend fügsame Bevölkerung hervorbringe. Dadurch hätten die Behörden sehr schnell und mit wenig Widerstand Entscheidungen treffen können, ohne Rücksicht auf ihre Popularität nehmen zu müssen.

Dazu komme die Finanzkraft des chinesischen Staates, der schnell mehrere expansive geldpolitische und fiskalische Maßnahmenpakete verabschiedet habe. Auf der Steuerseite habe es einen interessanten Effekt gegeben: Durch die Steuererleichterungen hätten die Menschen zwar mehr Geld erhalten, aber im Großen und Ganzen sei das Geld gespart worden. Das spiegle einerseits die Ausgangssperre, also eine Verschiebung des Konsums, aber andererseits auch die hohe Sparneigung der Chinesen, denn in China gebe es kein soziales Sicherheitsnetz. Diese unverhofften Mehreinkünfte würden daher nicht unbedingt zum unmittelbaren Schutz der Wirtschaft beitragen, sondern seien vielmehr als aufgeschobener Konsum zu sehen.

Die wirtschaftlich am stärksten gefährdeten Branchen seien in China dieselben wie überall sonst, nämlich Gastronomie, Transport, Roh- und Baustoffe und Energie. Chinas Kontrolle über sein gesamtes Finanzsystem könne jedoch einen totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch sehr wirksam verhindern, wie auch schon in der Vergangenheit zu beobachten gewesen sei. Dieses Jahr werde einen deutlichen Konjunkturabschwung bringen, die meisten Marktbeobachter würden jedoch von einer Erholung ab dem dritten Quartal ausgehen.

Ein Blick auf die verschiedenen Indices zeige, dass der chinesische Inlandsmarkt - abgebildet im CSI 300 mit den 300 größten Titeln in Shanghai und Shenzhen - seit seinem Höchststand im Januar um rund 13 Prozent gefallen sei und damit relativ am besten abgeschnitten habe. Für internationale Anleger sei der MSCI China repräsentativer. Dieser Index umfasse die H-Aktien der Börse Hong Kong, A-Aktien sowie in den USA gelistete chinesische Unternehmen und sei seit dem Januar-Hoch um etwa 20 Prozent gefallen - und liege damit immer noch deutlich vor dem breiteren Universum der Schwellenländer (MSCI Emerging Markets) sowie vor Asien (MSCI Asia Pacific ex Japan) und Japan (TOPIX).

Für die Widerstandsfähigkeit des chinesischen Aktienmarktes gebe es mehrere Gründe. Erstens: Durch die schnellen Korrekturmaßnahmen hätten sich die meisten chinesische Unternehmen in der Krise besser behaupten können als ihre Gegenstücke in den Industriestaaten. Zweitens dürfte ein großer Teil der staatlichen Zuwendungen umgehend in die A-Aktien im CSI 300 zurückgeflossen sein, denn chinesische Anleger hätten wenig Alternativen. Und drittens sei die chinesische Wirtschaft heute weniger konjunkturanfällig als jemals zuvor. So seien die Gewichtungen zyklischer Sektoren, wie Energie oder Baustoffen, im MSCI China in den letzten zwanzig Jahren stark zurückgegangen.

Die Kursniveaus lägen immer noch weit über früheren Tiefständen, und auch das habe mit der veränderten Struktur des chinesischen Marktes zu tun. So sei der MSCI China auf Basis der KGVs auf die nächsten zwölf Monate heute um 32 Prozent teurer als zu dem Zeitpunkt, als die Technologieblase geplatzt sei, und 40 Prozent teurer als zu seinem Tiefstand während der Finanzkrise. Angesichts dieser Widerstandsfähigkeit chinesischer Aktien könnten Schwellenländer-Investoren versuchen, in den robusten Segmenten Gewinne zu erzielen, und die Erlöse in anderen Schwellenländern anlegen, wo teils sehr starke Kursverluste zu beobachten gewesen seien - eine sorgfältige Titelauswahl natürlich immer vorausgesetzt. (25.03.2020/ac/a/m)