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Fr, 7. Oktober 2022, 8:08 Uhr

Covestro

WKN: 606214 / ISIN: DE0006062144

Covestro: Abstieg eines Aufsteigers - Aktienanalyse


04.03.19 10:08
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Covestro: Abstieg eines Aufsteigers - Aktienanalyse

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie von Covestro (ISIN: DE0006062144, WKN: 606214, Ticker-Symbol: 1COV) unter die Lupe.

Rekordhoch Mitte Januar bei 95 Euro. Damit den Kurs innerhalb von knapp zwei Jahren fast verdreifacht. Im März die Aufnahme in Deutschlands Leitindex. Das vergangene Jahr habe für Covestro begonnen, wie es kaum hätte besser beginnen können. Bayer-Anleger hätten der ehemaligen Konzerntochter bereits hinterher getrauert, müssten sie sich doch nun und stattdessen mit den großen Unsicherheiten des Monsanto-Deals herumschlagen, um den zu finanzieren, sich Bayer schrittweise von Covestro begonnen habe, zu trennen.

Dann jedoch - fast punktgenau mit der Aufnahme in den DAX - habe für den Kunststoffspezialisten an der Börse eine umso desaströsere Talfahrt eingesetzt. Wer im Januarhoch eingestiegen sei, der habe bis Ende des Jahres mehr als die Hälfte seines Einsatzes verloren. 2018 sei damit für die Covestro-Aktie schlecht geendet, wie es kaum hätte schlechter enden können.

Im laufenden Jahr hätten sich die Papiere der Leverkusener zwar wieder leicht erholen können - derzeit koste eine Aktie knapp 50 Euro - doch von Aufstiegseuphorie sei bei dem DAX-Neuling nun wirklich gar nichts mehr zu spüren. Ein knappes Jahr erste Liga sei mehr als ernüchternd verlaufen. Man führe den DAX zwar an, allerdings von hinten. Keine Aktie habe sich auf Jahressicht so schlecht entwickelt wie die von Covestro. Der Aufsteiger, er spiele derzeit wie ein Absteiger. Auch da er es nicht schaffe, den Abwärtstrend zu stoppen. Im Gegenteil: Die jüngste Jahresbilanz gebe gemeinsam mit einem erschreckend schwachen Ausblick Anlass zur Sorge um das ehemalige "Margenwunder".

So sei zwar immerhin die Nachfrage und damit der Umsatz um 3% auf 14,6 Milliarden Euro angestiegen, der Betriebsgewinn jedoch habe das Vorjahresergebnis um sieben Prozentpunkte verfehlt. Ganz schwach sei offenbar Quartal Vier verlaufen. Mit einem Minus von 67% sei das EBITDA auf nur noch 293 Millionen Euro gesunken und habe somit auch die bereits wenig optimistischen Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Als "negatives" Sahnehäubchen hätten die Leverkusener dann auch noch eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr präsentiert, die Anleger praktisch vor einer möglichen Halbierung des Konzernergebnisses gewarnt habe. Mit einer erwarteten Spanne von 1,5 bis zwei Milliarden Euro läge das Ergebnis im besten Falle auf dem Niveau von 2016 und damit mindestens um 36% niedriger als 2018. Im schlechtesten stünde ein Minus um die 50% zu Buche.

Wo nur komme dieser im negativen Sinne phänomenale Absturz her? Fakt sei: Nicht irgendwo her. In der Branche gebe es Entwicklungen, die vieles erklären würden und viele Anleger wie Investoren auch vorhergesehen hätten, weshalb sie die Aktie bereits Mitte 2018 weit in die Tiefe geschickt hätten. Und auch bei Covestro selbst scheine man zu wissen, an was es liege, wisse sich nur offenbar nicht recht zu helfen. "Die vergangenen beiden Jahre waren von außergewöhnlich hohen Margen geprägt", habe sich Finanzvorstand Thomas Töpfer im Rahmen der Zahlenvorlage an einer Erklärung versucht. "Für 2019 erwarten wir zwar weiterhin eine steigende Nachfrage nach unseren Produkten, gleichzeitig werden die Margen aber aufgrund des Wettbewerbsdrucks deutlich sinken."

Und habe damit wohl Recht. Dank günstiger Marktsituationen - unter anderem hervorgebracht durch Produktionsausfälle der Konkurrenz - habe der Chemie-Konzern viel Geld verdient. Jetzt jedoch würden sich die Leverkusener wieder höherem Preisdruck ausgesetzt sehen. Vor allem in ihrem Kerngeschäft mit Polyurethanen, sprich harten und weichen Schäumen, die beispielsweise für Isolierungen oder in Autositzen verwendet würden. Großkonkurrenten wie BASF, Wanhua aus China oder Sadara aus dem Nahen Osten hätten ihre Kapazitäten nämlich (wieder) ausgebaut. Zudem lasse die Nachfrage der Autoindustrie nach, die wiederum schwindende Käufe in China plagen würden und sich überhaupt in einer teuren Umbruchphase zu befinden scheine. Und natürlich drücke auch die abflauende Weltkonjunktur auf die Erwartungen bei dem Kunststoffspezialisten und sowieso auf die seiner Anleger.

Die wolle Covestro - wie es derzeit offensichtlich im Trend liege - mit einer Dividendenerhöhung um 20 Cent auf 2,40 Euro besänftigen. Zudem würden sie sparen in Leverkusen. 350 Millionen Euro bis 2021 wollen. Bereits bis Ende 2020 sollten so 900 von insgesamt 16.200 Stellen wegfallen.

Ob das reiche um die eigenen Anleger bei Laune zu halten? Nun, salopp formuliert könnte man sagen: Viel schlechter als im Moment könne sie kaum werden. Daran glaube auch J.P. Morgan-Analyst Chetan Udeshi: Die aktuell geringe Bewertung der Aktie lasse das Bild düsterer erscheinen als es tatsächlich sei, habe er in seiner Studie gestiegen. Allerdings zeige auch er sich wenig angetan von den vorgelegten Zahlen und dem schwachen Ausblick. Sein Kursziel habe Udeshi bei 62 Euro belassen. Bei dem derzeitigen Kurs entspreche das immerhin einem Aufwärtspotenzial von 24%.

Es gebe aber auch andere Meinungen, wie die von Baader Bank-Experte Markus Mayer, der geschrieben habe: Er sehe sich durch die Ergebnisse im vierten Quartal und den enttäuschenden Ausblick in seiner Ansicht bestätigt, dass es trotz niedriger Bewertung zu früh sei, um positiver auf die Covestro-Aktie zu blicken. Sein Kursziel habe er dementsprechend bei 48 Euro belassen, seine Einstufung auf "hold".

Covestro stehe nun ohne Frage vor wieder schwierigeren Zeiten. Impulse vonseiten der Automobilindustrie dürften kurz- bis mittelfristig kaum zu erwarten sein. Und die Konjunktur habe eben erst damit begonnen, sich abzuschwächen. Die Konkurrenz aus Nah- und Fernost dürfte gleichzeitig nicht weniger werden. Nach dem schwachen Börsenjahr biete die Aktie der Leverkusener natürlich dennoch eine gewisse Einstiegschance an, allerdings dürften die Risiken hoch bleiben, es fehle ganz grundsätzlich an einer schlüssigen Wachstumsstory. Bleibe freilich die Möglichkeit wieder zur Tochter eines Großkonzerns zu werden. Schließlich sei Covestro an der Börse gerade nicht nur für Anleger vergleichsweise günstig geworden. Wenn nicht Bayer, dann vielleicht BASF? Ohne Frage reine Spekulation, der Aktie würde ein solcher Deal aber wohl ziemlich sicher einen Schub geben. (Analyse vom 26.02.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Covestro-Aktie:

Xetra-Aktienkurs Covestro-Aktie:
51,28 EUR +0,27% (04.03.2019, 09:53)

Tradegate-Aktienkurs Covestro-Aktie:
51,38 EUR +0,35% (04.03.2019, 10:01)

ISIN Covestro-Aktie:
DE0006062144

WKN Covestro-Aktie:
606214

Ticker-Symbol Covestro-Aktie:
1COV

Kurzprofil Covestro AG:

Mit einem Umsatz von 14,6 Milliarden Euro im Jahr 2018 gehört Covestro (ISIN: DE0006062144, WKN: 606214, Ticker-Symbol: 1COV) zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Holzverarbeitungs- und Möbelindustrie sowie der Elektro-und Elektroniksektor. Hinzu kommen Bereiche wie Sport und Freizeit, Kosmetik, Gesundheit sowie die Chemieindustrie selbst. Covestro produziert an rund 30 Standorten weltweit und beschäftigt per Ende 2018 rund 16.800 Mitarbeiter (umgerechnet auf Vollzeitstellen). (04.03.2019/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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