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BMW St

WKN: 519000 / ISIN: DE0005190003

Daimler, BMW und Volkswagen im Abwärtsstrudel


25.06.18 12:05
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Deutschlands Automobilgiganten kommen an der Börse einfach nicht in Fahrt, so die Experten der "BÖRSE am Sonntag".

Im Gegenteil: Nach einem vielversprechenden zweiten Halbjahr 2017 würden Anleger nun wieder deutlich auf die Bremse drücken. Ausgehend von ihren Zwischenhochs im Januar hätten die Aktien von Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000), BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) und Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403) zwischen 14 und 20 Prozent an Wert verloren. Der Weg zurück in die Erfolgsspur werde damit länger und länger.

Es sei ein Paukenschlag mit Ansage gewesen, der den Volkswagenkonzern zu Wochenbeginn aufgewühlt, durchgeschüttelt und eifrig zurück auf Krisenfahrt geschickt habe. Seit Montagmorgen sitze Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft habe offenbar ausreichend eindeutige Indizien mit Blick auf Verdunklungsgefahr im Abgasskandal gesehen. Bereits vor einer Woche hätten die Beamten Stadlers Wohnung durchsucht. Nun hätten sie zugeschlugen. Mit voller Härte.

Öffentlichkeitswirksamer könne man - mit böser Zunge gesprochen - sein Konzernimage kaum zerstören. Da schien sich Volkswagen mit Rekordabsatzzahlen und den besten Ergebnissen der Unternehmensgeschichte jüngst eindrucksvoll aus der Umklammerung des Dieselskandals befreit zu haben, und nun das. In der Wolfsburger Führungsriege dürfte der Durchschnittspuls bei mindestens 180 liegen. Der Skandal um geschönte Abgaswerte via illegaler Abschalteinrichtungen werde immer mehr zu einem Virus, das hier und da überwunden scheine, dann aber doch wieder ausbreche und einfach nicht vollständig verschwinden wolle.

Und wie für ein Virus üblich, habe es sich inzwischen längst über Niedersachsen hinaus, bis nach Bayern und Baden-Württemberg ausgebreitet. Während Martin Winterkorns Managerkarriere beendet scheine, hänge die von Rupert Stadler an einem mindestens seidenen Faden, die von Daimler-Chef Dieter Zetsche scheine zumindest in grober Gefahr. In München sei das Virus zwar noch nicht ausgebrochen, die Ansteckungsgefahr jedoch bleibe hoch. Auffällige Messwerte habe es auch bei BMW gegeben. Zwar habe der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger jegliche Verwicklung in einen Abgasskandal dementiert, aber was heiße das schon nach all dem, was seit 2015 so passiert sei.

Die größte Katastrophe der Branche

"Die Autobauer wursteln sich amateurhaft durch die größte Katastrophe ihrer Branche", urteile Professor und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Ein Ende des Schlamassels sei nicht in Sicht. Volkswagen habe die eigene Abgastrickserei bislang schon mehr als 26 Milliarden Euro gekostet. Und noch immer gebe es viele laufende Verfahren mit ungewissem Ausgang. Auch Daimler könnte noch eine Milliardenstrafe drohen. Das zumindest habe jüngst der "Spiegel" in Bezug auf Äußerungen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer berichtet. Schon jetzt müssten die Stuttgarter europaweit 774.000 PKW wegen illegaler Abschalteinrichtungen zurückrufen. Auch das dürfte nicht billig werden. Zetsche derweil poche weiter darauf, Abgaswerte nicht manipuliert zu haben. Dieses Verhalten sei das Gegenteil von geradeheraus, ehrlich und offen, kritisiere Metzler-Analyst Jürgen Pieper. Und das drücke aufs Image. Ganz besonders wie es scheine auf das der Aktien.

Seit Januar habe die Volkswagen-Aktie 19 Prozent an Wert verloren, Daimler- und BMW-Papiere hätten um 20 beziehungsweise 14 Prozent nachgegeben. Damit seien die Kurse der drei Automobilgiganten weit von Niveaus entfernt, die ihren aktuellen Ergebnissen entsprechen würden. Denn die seien hervorragend. 2017 hätten alle drei Rekordwerte bei Umsatz, Absatz und Gewinn erzielt. Die ersten drei Monate des laufenden Jahres seien dann zwar nicht ganz so gut gelaufen, Daimler, BMW und Volkswagen hätten im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum leichte Gewinneinbußen hinnehmen müssen, Daimler und VW allerdings nur aufgrund von positiven Sondereinflüssen 2017 beziehungsweise geänderten Derivate-Bewertungen. Die Absatzzahlen dagegen seien erneut angestiegen. Daimler habe sieben Prozent mehr Fahrzeuge verkauft, Volkswagen acht und BMW drei Prozent mehr. Die KGVs lägen mit Werten von 6,0 (VW), 6,5 (Daimler) und 7,5 (BMW) historisch Tief, die Dividendenrenditen würden dank der niedrigen Kurse mit 3,3 Prozent, 5,9 Prozent und 4,6 Prozent dementsprechend zu den besten im DAX gehören.

Wie heiße Kartoffeln...

Mit jedem weiteren Minus müssten die drei Großkonzerne so eigentlich immer bessere Einstiegsgelegenheiten offenbaren. Doch für den Moment wolle niemand zugreifen. Das Risikobewusstsein unter Anlegern scheine hoch. Nicht nur aus Respekt vor den weiteren Folgen des Dieselskandals, zuletzt vor allem auch aufgrund der Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa. Letztere würden Donald Trumps Strafzölle freilich nicht einfach so hinnehmen wollen und hätten Reaktionen angekündigt. Daraufhin wiederum habe Trump mit neuen Drohungen reagiert, er habe beispielsweise weitere Einfuhrzölle auf chinesische Güter im Wert von bis zu 100 Mrd. Dollar in den Raum gestellt.

Damit sei die Angst, dass aus einem bislang noch eher harmloseren Scharmützel ein waschechter Handelskrieg werde, in die Köpfe vieler Anleger zurückgekehrt. Und am Ende könnten die großen deutschen Autokonzerne zu den Haupt-Leidtragenden gehören. Trump habe der EU bereits mit deutlich höheren Zöllen auf Deutschlands wichtigstes Industrieprodukt gedroht. Dies könnte mit Blick auf Umsatz und Gewinn spürbare Auswirkungen haben und einige Prozente kosten, zeige sich nicht nur Experte Pieper besorgt.

Zum Kauf der VW-Aktie rate er wie viele seiner Branchenkollegen trotzdem. J.P. Morgan-Analyst Jose Asumendi habe nach zuversichtlichen Aussagen von VW-Finanzchef Frank Witter mit Blick auf die anvisierten Jahresziele sein Kursziel von 213 auf 217 Euro angehoben. Max Warburton vom Analysehaus Bernstein Research habe derweil auf China als "entscheidenden Gewinntreiber" für die deutschen Autobauer hingewiesen und habe sein Kursziel bei 220 Euro belassen. Volkswagen habe seinen Absatz dort allein im Mai um fast sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern können.

Schlingerkurs in Ungewisse

Ähnlich sehe es für Daimler und BMW aus. Im Jetzt würden die Geschäfte rund laufen. Fundamental gebe es kaum Gründe die Aktien der deutschen Automobilkonzerne nicht zu kaufen. Bei Daimler seien die Aussichten für das dritte Quartal 2018 "sehr, sehr gut", habe so beispielsweise und vor kurzem Deutsche Bank-Analyst Tim Rokossa geschrieben. Sein Kursziel: 90 Euro. Der Credit Suisse derweil würden die Markterwartungen für BMW deutlich zu niedrig erscheinen. Anleger unterschätzten den größten Produktzyklus seit 2011, die EBIT-Marge dürfte spürbar steigen, so die Experten. Mit einem Kursziel von 129 Euro würden die Schweizer den Aktien der Münchner ein Kursteigerungs-Potenzial von mehr als 50 Prozent zusprechen. Derzeit würden die Papiere schließlich nur 83 Euro kosten.

All diesen positiven Einschätzungen zum Trotz würden Dieselskandal und Handelsstreit aber offenkundig das dominierende Dauerthema unter Anlegern bleiben. Neben der unsicheren Zukunft mit Blick auf die wohl bevorstehenden Umwälzungen durch die Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung im Fahrzeugsektor. Auch hier würden den deutschen Konzernen klare Visionen und Konzepte fehlen. Die Konkurrenz aus China und den USA enteile zunehmend. Der Weg zurück in die Erfolgsspur werde damit nicht nur länger und länger, er sei vor allem bislang ziellos. Und solange das so sei, führe er die deutschen Autobauer in holprigem Zickzackkurs - ins Ungewisse.

Fakt sei: Immer mehr Anleger würden den Glauben daran verlieren, dass den deutschen Auto-Konzernen eine schnelle und wirkungsvolle Virusbekämpfung gelinge. Der richtige Impfstoff, er fehle. Wohl auch, da sich das Virus über immer neue Mutationen am Leben halte. Nach einem vielversprechenden Aufbäumen der drei automobilen Patienten im zweiten Halbjahr 2017 habe die Krise die deutschen Autobauer wieder fest im Griff. (Ausgabe vom 24.06.2018) (25.06.2018/ac/a/m)




 
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