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Mi, 5. Oktober 2022, 7:29 Uhr

Energiemärkte in Aufruhr: Was würde ein Ölembargo gegen Russland für Deutschland bedeuten?


04.05.22 14:10
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine sorgen weiterhin für Turbulenzen an den Energiemärkten, so Robert Greil, CFA, Chefstratege bei Merck Finck a Quintet Private Bank.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs hätten sich bereits darauf geeinigt, aus der russischen Kohle auszusteigen. Als Nächstes könnte der Ausstieg aus russischem Öl erfolgen, wie die Diskussionen über ein mögliches Embargo zeigen würden. Sollte ein solches Öl-Embargo allerdings wie angedacht tatsächlich erst zum Jahresende anvisiert werden, dürften die Folgen für die deutsche Wirtschaft verkraftbar sein. Schließlich habe sie dann erstens wohl genügend Zeit, sich darauf einzustellen - und zweitens könnte der Krieg bis dahin auch vorbei sein und damit solche Sanktionen möglicherweise auch gar nicht in Kraft treten. Für Europa seien russische Öllieferungen zudem recht gut durch andere Lieferanten ersetzbar. Derweil dürfte der Ölpreis aus Sicht der Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank bis Jahresende in Richtung 95 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent und damit unter die 100-Dollar-Marke sinken.

Ein Öl-Embargo wäre damit für die deutsche Wirtschaft wie auch für Europa insgesamt zu bewältigen. Europa verfüge - anders als bei Erdgas, das hauptsächlich aus Russland komme - über einen breiten Korb an Öllieferanten. Außerdem dürfte angesichts des derzeit hohen Preisniveaus im Jahresverlauf die Versorgung aus dem US-Fracking-Sektor wieder zunehmen. Und die OPEC+ könnte am morgigen Donnerstag eine weitere leichte Ausweitung ihrer Fördermenge beschließen. Zugleich wirke sich bereits die Erwartung sinkender Nachfrage - zum Beispiel aus China - dämpfend auf den Ölpreis aus. Mit der wahrscheinlichen Verlangsamung der Weltkonjunktur im weiteren Jahresverlauf dürfte letztendlich auch die Ölnachfrage etwas abnehmen.

Zwar könnten der Beschluss eines Embargos und andere Unsicherheiten den Ölpreis aus Sicht der Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank kurzzeitig nochmals in Richtung 130 US-Dollar treiben, doch am Jahresende sehe man den Ölpreis wieder verstärkt auf fundamentaler Basis bewertet unterhalb von 100 US-Dollar. Dies würde dann zusätzlich zu den Basiseffekten die Energiepreisinflation dämpfen.

Während die Diskussionen über ein Öl-Embargo derzeit im Fokus stünden, liege das Ende von Gasimporten aus Russland aus Sicht der Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank in weiterer Ferne - zumal es am schwierigsten umsetzbar sei. Zu groß sei der Anteil Russlands speziell an den europäischen Gasimporten. Entsprechend sei bei Gas - anders als beim Öl - weiterhin mit volatilen und möglicherweise weiter steigenden Preisen zu rechnen.

Auf lange Sicht stehe eine Abkehr vom russischen Gas jedoch oben auf der politischen Agenda. Diese bedeute nicht nur negative Folgen in Gestalt höherer Gaspreise, sondern sollte auch positive Wirkungen haben. Der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur - zum Beispiel Flüssiggasterminals für Importe auf dem Seeweg - bedeute dauerhaft hohe Investitionen auf der Angebotsseite der Wirtschaft. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien werde sich voraussichtlich weiter beschleunigen und einen positiven Effekt auf das Wachstum haben. (04.05.2022/ac/a/m)





 
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