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Di, 4. Oktober 2022, 19:39 Uhr

Energiesektor hübscht Quartalssaison auf - Anleger sollten auf der Hut bleiben


17.08.22 14:54
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2022 neigt sich dies- und jenseits des Atlantiks dem Ende entgegen, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.

Lieferkettenprobleme, Inflation, Energiekrise und andere Herausforderungen seien ein weniger scharfes Schwert gewesen als viele Firmen zunächst befürchtet h‘tten. In Summe seien die Zahlen deutlich besser als erwartet gewesen.

Per 15.08.2022 hätten 92% der US-Unternehmen aus dem S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) und 83% der europäischen Unternehmen aus dem STOXX 600 (ISIN: EU0009658202, WKN: 965820) ihre Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. In den USA hätten 75% der Unternehmen höhere Gewinne und 70% der Unternehmen höhere Umsätze erzielt und damit die Erwartungen übertroffen. Damit sei der Trend aus den Vorquartalen im Wesentlichen beibehalten worden.

Insgesamt hätten die Gewinne über alle Unternehmen hinweg um etwa 4% oberhalb der Schätzungen gelegen. Bei den Umsätzen seien es ebenfalls rund 4% gewesen, wobei dies vor allem auf die guten Ergebnisse bei Energie- und Versorgungsunternehmen zurückzuführen sei. Betrachte man jedoch den Median der Unternehmen, so sei die Umsatzüberraschung mit knapp über 1% weniger beeindruckend.

Ähnliches zeige sich bei der Entwicklung des Gewinns je Aktie. Das Wachstum dieser Kennzahl sei im Jahresvergleich für den Markt insgesamt positiv gewesen, werde aber weitgehend von der Energiebranche getragen. Lasse man den Energiesektor unberücksichtigt, so lägen die jährlichen Wachstumsraten um etwa 4% niedriger als zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr. Der Energiesektor habe eine ohnehin ansehnliche Quartalssaison nochmals aufgehübscht. Investoren sollten angesichts der überraschend guten Quartalssaison daher nicht gleich in Euphorie verfallen.

Beruhigend sei, dass die Gewinnsteigerungen über alle Sektoren hinweg breit gestreut seien. Dies bestätige, dass der US-Markt trotz einer technischen Rezession widerstandsfähig bleibe und sowohl Gewinne als auch Umsätze oberhalb der Erwartungen liefere.

Interessante Erkenntnisse habe es aus dem IT-Sektor gegeben. Hier seien die Zahlen teils sehr stark ausgefallen. Daran sehe man, dass trotz erheblicher Bedenken im ersten Quartal viele der Themen, die in den letzten Jahren für die Outperformance der Technologiebranche verantwortlich gewesen seien (wie beispielsweise das Cloud-Geschäft), weiterhin Bestand hätten.

Die Berichtssaison in der Eurozone sei ebenfalls positiv verlaufen, wobei 70% der Unternehmen ihre Gewinne und beeindruckende 84% ihre Umsätze gesteigert hätten. Insgesamt hätten die Gewinne um 9% oberhalb der Erwartungen und die Umsätze 7% gelegen. Das Ausmaß der Umsatzsteigerungen deute darauf hin, dass das nominale Wachstum trotz der Inflation positiv bleibe und die Unternehmen weiterhin ihre höheren Kosten weitergeben könnten. Darüber hinaus habe sich die Stärke des USD für internationale Unternehmen im Binnenmarkt positiv ausgewirkt. Die Jahreswachstumsraten für die Eurozone seien mit 13% beim Gewinn pro Aktie und 25% beim Umsatz robust, doch seien die Wachstumsraten beim Gewinn pro Aktie negativ (-4%), wenn der Energiesektor herausgerechnet werde.

Neben dem Energiesektor hätten in Europa der Finanzsektor und der Sektor der langlebigen Konsumgüter im zweiten Quartal starke Gewinnüberraschungen gezeigt. Bei den Finanzwerten seien die Ergebnisse breit gestreut gewesen, und die meisten Unternehmen hätten die Erwartungen übertroffen. Bei den langlebigen Konsumgütern seien die Erwartungen vor allem von den großen Automobil-herstellern übertroffen worden.

Merck Finck gehe im Blick nach vorn davon aus, dass die Aktien der Eurozone im Vergleich zu den US-Aktien zunehmend unter Druck geraten würden. Eine Rezession in der Eurozone sei sehr wahrscheinlich, und obwohl sie auch in den USA immer wahrscheinlicher werde, sei sie dort noch nicht das Basisszenario von Merck Finck.

Anleger sollten künftig noch stärker als bisher auf fundamentale Faktoren und weniger auf technische Faktoren schauen. Merck Finck erwarte, dass die Erträge bis zum zweiten Halbjahr 2022 und darüber hinaus eine immer wichtigere Rolle für den Aktienmarkt spielen würden. Bisher seien die Marktbewegungen in erster Linie durch eine Anpassung bzw. Neubewertung von Unternehmen ausgelöst worden. Ab jetzt dürften die Erträge der Firmen wichtiger als Bewertungsmultiplikatoren oder Abzinsungsfaktoren sein.

Der Rückenwind aus dem Energiesektor werde mit großer Wahrscheinlichkeit abflauen. Auch die starken Ergebnisse der Finanz- und Autokonzerne dürften im zweiten Halbjahr grosso modo nicht wiederholbar sein - vor allem nicht, wenn es in der Eurozone zu einer Rezession komme, da diese Sektoren sehr zyklisch seien. Merck Finck glaube, dass der Markt bereits jetzt durch die Rezessionsrisiken hindurchschaut und der Weg frei sei für eine breite Aktienmarktrally, der könnte auf dem falschen Fuß erwischt würden. Anleger sollten auf der Hut bleiben. (17.08.2022/ac/a/m)





 
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