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So, 2. Oktober 2022, 17:41 Uhr

Explodierende Rohstoffpreise: Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte?


22.04.22 13:15
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Die Preise für Rohstoffe steigen seit Monaten immer weiter, so die Experten vom Online-Broker LYNX.

Egal, ob Öl, Weizen, Gas oder Palladium, die Wirtschaft erwache weltweit aus ihrer Corona-Zwangspause und sorge für steigende Nachfrage. Auch der Krieg in der Ukraine trage seinen Teil zu den gewaltigen Preissprüngen vieler Rohstoffe bei, denn in der jetzigen Situation sei die Kornkammer Europas, wie die Ukraine auch genannt werde, weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten. Mit den Rohstoffpreisen sei auch die Inflation auf den höchsten Stand seit vielen Jahrzehnten geklettert - und ein Ende dieser Entwicklung sei noch nicht in Sicht, denn noch immer stehe ein Embargo dringend benötigter russischer Rohstoffe im Raum.

"Der Krieg in der Ukraine hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie fragil unsere Wirtschaft und unser eigener Wohlstand eigentlich sind. Natürlich sind die steigenden Preise vieler Produkte nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, auch die Auswirkungen der Pandemie schlagen sich darin nieder. Doch sollten sich diese Entwicklungen weiter fortsetzen, könnten wir in absehbarer Zeit vor noch größeren Herausforderungen stehen", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. Er befürchte, die steigenden Rohstoffpreise könnten am Ende eine weitere Finanzkrise heraufbeschwören, falls sich nicht bald etwas ändere.

Tatsächlich würden die schnellen Preissteigerungen bei Rohstoffen eine Belastung nicht nur für Konsumenten darstellen. Auch auf Händlerseite und bei den Banken, die diese finanzieren würden, würden sie für Probleme sorgen. Da der Markt kaum reguliert sei, könnte es in diesem Bereich zu Pleiten kommen, bei denen am Ende der Staat oder die Zentralbanken einschreiten müssten. Doch für Sadowski komme noch ein anderes, gravierendes Problem hinzu: "Die Kernaufgabe der Zentralbanken ist die Stabilität der jeweiligen Währung. Die aktuell exorbitanten Inflationsraten sowohl in Europa als auch in den USA bedrohen diese massiv. Die FED hat das bereits erkannt und dementsprechend Zinssteigerungen angekündigt. Die EZB ist hier noch zögerlich, wird sich aber früher oder vermutlich eher später ebenfalls bewegen müssen", fasse er die aktuelle Lage zusammen. "Die Frage ist nur: Reicht das? Können die Zentralbanken mit Zinssteigerungen überhaupt etwas gegen die Inflation ausrichten, wenn ein großer Teil dieser Preissteigerungen durch explodierende Rohstoffpreise ausgelöst wird? Höhere Zinsen beseitigen ja das zugrundeliegende Problem nicht!"

Auch der IWF habe in dieser Woche vor "starkem Druck auf die Finanzierung von Rohstoffen und Derivatemärkte" gewarnt. Für Sadowski stelle der Krieg in der Ukraine damit einen Wendepunkt dar, der zu einer Neuordnung des Geldsystems führen könnte. "Dann würde die Weltwirtschaft nicht mehr auf den Dollar als Leitwährung setzen, sondern die Rohstoffpreise zugrunde legen. In einer solchen Welt werden die Zentralbanken die zentrale Rolle der Rohstoffhändler bei der Preisstabilität nicht mehr ignorieren können. Eine Regulierung dieses Bereichs etwa durch strengere Positionslimits für den Handel mit Warenderivaten wird damit immer wahrscheinlicher." Eine solche Regulierung würde bedeuten, dass die Anzahl der Kontrakte, die ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzen könne, beschränkt sei, um übermäßige Spekulationen und Volatilität auf den Rohstoffmärkten zu verhindern. Zwar würden derartige Regeln bereits seit 2020 in den USA existieren, doch diese hätten sich bis jetzt als zahnlos erwiesen.

"Der Handel mit Rohstoffen ist weitgehend unreguliert, weil es keine Positionslimits gibt oder die Limits so hoch sind, dass sie schlicht nicht rechtzeitig greifen. Durch die stark steigende Inflation kommen dazu noch Anleger, die ihre Portfolios in Rohstoffe umschichten, um sich gegen weitere Preissteigerungen abzusichern. Sinnvoller wäre es dagegen funktionierende Positionsgrenzen zu erlassen, die die Preise besser an Angebot und Nachfrage anpassen würden", fasse Sadowski zusammen. (22.04.2022/ac/a/m)





 
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