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WKN: A1JWVX / ISIN: US30303M1027

Facebook: Börsenbeben - wie geht es jetzt weiter? Aktienanalyse


30.07.18 10:27
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Facebook: Börsenbeben - wie geht es jetzt weiter? Aktienanalyse

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des sozialen Netzwerks Facebook Inc. (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX, Ticker-Symbol: FB2A, NASDAQ-Symbol: FB) unter die Lupe.

Ein nachbörsliches Minus von fast 25 Prozent am Vorabend - negativ aufsummiert in nur wenigen Stunden. Auf dem Parkett dann ein historischer Wertverlust von rund 120 Milliarden Dollar - entstanden innerhalb eines einzigen Tages. So groß sei noch nie das Volumen des Sturzes einer einzigen Aktie an nur einem Tag gewesen. Auf den ersten Blick habe einem ziemlich viel Angst machen können, was da am Donnerstag mit Facebook an der Börse passiert sei. Ein Börsenbeben.

Ein Vorbeben seien die Verluste nach Bekanntwerden des Datenskandals Mitte März gewesen. Doch davor sei es für die Aktie des Social-Media-Konzerns seit dem Börsengang 2012 kontinuierlich aufwärts gegangen. Genauer gesagt um 620 Prozent. In fast schon gewohnter Regelmäßigkeit habe Facebook Quartal um Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, Umsatz und Gewinn seien im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Auch die Zahlen zum ersten Quartal 2018 hätten den Trend bestätigt. Dementsprechend optimistisch seien unter Anlegern und Analysten auch die Erwartungen mit Blick auf das im Juni zu Ende gegangene zweite Quartal gewesen. So sei der Aktienkurs allein in den letzten rund viereinhalb Monaten um knapp 50 Prozent gestiegen. An Cambridge-Analytica und neue Datenschutzverordnungen habe da kaum einer mehr gedacht.

Dann sei der 26. Juli gekommen: Facebook habe die Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht. Und einmal mehr hätten die Analysten falsch gelegen. Diesmal jedoch gefährlich falsch, denn Facebook habe die Erwartungen nicht übertroffen, der Zuckerberg-Konzern habe sie völlig überraschend unterboten. Die weltweite monatlich aktive Nutzerzahl sei so nur geringfügig von 2,2 auf 2,234 Milliarden geklettert.

Die schwindende Nutzerzahl in Europa und die kaum steigende auf globaler Ebene seien nämlich nicht der einzige Grund für diesen für Facebook so rabenschwarzen Donnerstag gewesen. Noch nie übrigens habe ein börsennotierter Konzern an einem Tag so viel Wert verloren. Intel habe die Liste bislang mit 91 Milliarden Dollar an geführt. Facebook habe mit den bereits erwähnten 150 Milliarden Dollar mehr als die gesamte Markkapitalisierung des Bitcoin oder von SAP verloren, immerhin mit umgerechnet 146 Milliarden Dollar Deutschlands wertvollster Konzern.

Auch das Umsatzwachstum sei abgeflacht und habe mit einem Plus von 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar unter den von Analysten anvisierten 13,36 Milliarden Dollar gelegen. Ein sich abschwächendes Wachstum gepaart mit steigenden Kosten, das sei an der Börse noch nie gut angekommen.

Dass die Aktie aber in solch einem Ausmaß in die Tiefe gestürzt sei, habe wohl auch daran gelegen, dass ihr Kurs in den Wochen zuvor so stark gestiegen sei. Im Juli habe er so weit von der 200-Tage-Linie entfernt gelegen wie nie zuvor. Eine Korrektur sei damit ohnehin immer wahrscheinlicher geworden. Am Ende habe sich also ein zu großer Optimismus seitens der Anleger mit überraschend pessimistischen Aussichten des Social-Media-Giganten gemischt. Dass der Datenskandal noch nicht lange zurückliegt und seine langfristigen Folgen gewiss noch nicht abzusehen seien, dürfte ebenfalls seinen Teil beigetragen haben. Und natürlich würden Facebook-Aktien in vielen ETFs und großen Hedgefonds stecken. Komme es hier zur Auflösung von Positionen, sei die eine oder andere Milliarde an Börsenwert ziemlich schnell weg.

Ganz grundsätzlich würden solche Abstürze - auf den zweiten Blick - oft auch günstige Einstiegsgelegenheiten bieten. Was, wenn der Facebook-Kursverfall völlig übertrieben sei? Gerade mit Blick auf die Nutzerzahlen lohne ein Blick auf Facebook als Gesamtkonzern. Denn ja, die Nutzerzahlen des Kern-Netzwerks würden in den USA stagnieren und in Europa nun sogar zurückgehen. Dafür jedoch habe sich die Zahl der monatlich aktiven Instagram-Nutzer von 600 Millionen Ende 2017 auf inzwischen rund eine Milliarde erhöht. Auch die Messaging-Dienste WhatsApp und Facebook-Messenger würden auf über eine Milliarde Nutzer im Monat kommen. Facebook verliere also quasi Nutzer an sich selbst. Dass dies trotzdem ins Gewicht falle, liege daran, dass sowohl Instagram als auch WhatsApp bei weitem noch nicht so sehr monetarisiert worden seien wie Facebook. Dies wäre jedoch zu jeder Zeit möglich. Ohnehin würden Kunden bei absteigender Attraktivität des Kernnetzwerks in Zukunft lieber Werbung auf Instagram und WhatsApp schalten.

Das Datenschutzproblem könnte sich darüber hinaus als kurzfristiges und vor allem hauptsächlich europäisches erweisen. Wobei selbst in Europa die große Mehrheit der Nutzer der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe, habe Mark Zuckerberg betont. Und ohnehin sei der US-Markt für Facebook viel einträglicher. Pro Nutzer würden die Kalifornier in der Heimat 25 Dollar Umsatz machen, in Europa seien es nur 8,60 Dollar.

Was darüber hinaus in all der Aufregung über schwindende Nutzerzahlen beinah unterzugehen scheine: In Sachen Gewinn habe Facebook die Analystenschätzungen erneut übertroffen. Er sei um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar gestiegen, was 1,74 Dollar je Aktie entspreche. Analysten hätten nur 1,70 Dollar erwartet. Angesichts dessen, dass Facebook kurzfristig mit deutlich höheren Kosten zu kämpfen habe, eigentlich ein recht gutes Ergebnis.

Facebook verdiene also weiter Geld. Und zwar ziemlich viel. Dies ließe sich nicht nur in Aktienrückkäufe oder Dividendenzahlungen investieren, sondern freilich auch in intelligente Zukäufe. Zuletzt habe Zuckerberg beispielsweise angekündigt, in den Online-Dating-Markt einsteigen zu wollen. Nicht unmöglich, dass da auch ein Konzern wie die Match Group, zu der unter anderem die erfolgreiche Plattform Tinder gehöre, langfristig auf der Einkaufsliste stehe.

Am Ende mache der erneute und besonders heftige Kurssturz klar: Facebook sei nicht mehr immun gegen schlechte Nachrichten. Anleger würden zunehmend nervös. Und so sei der Börsenwert vielleicht einfach zu schnell zu hoch gestiegen und nach dem Datenskandal im März zu viel Positives zu plötzlich im Kurs eingepreist. All das ändere jedoch nichts daran, dass Facebook immer noch eine Geldmaschine sei und wohl mindestens mittelfristig auch bleibe. Das wiederum kann auch Türen und Tore mit Blick auf den Einstieg in neue Wachstumsmärkte öffnen, so die Experten der "BÖRSE am Sonntag". (Analyse vom 27.07.2018)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Facebook-Aktie:

XETRA-Aktienkurs Facebook-Aktie:
149,85 EUR -0,73% (30.07.2018, 09:50)

Tradegate-Aktienkurs Facebook-Aktie:
149,65 EUR -0,22% (30.07.2018, 10:04)

NASDAQ-Aktienkurs Facebook-Aktie:
174,89 USD -0,78% (27.07.2018, 22:00)

ISIN Facebook-Aktie:
US30303M1027

WKN Facebook-Aktie:
A1JWVX

Ticker-Symbol Facebook-Aktie Deutschland:
FB2A

NASDAQ Ticker-Symbol Facebook-Aktie:
FB

Kurzprofil Facebook Inc.:

Facebook Inc. (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX, Ticker-Symbol: FB2A, NASDAQ-Symbol: FB) ist ein US-Unternehmen mit Sitz in Menlo Park, Kalifornien. Der Gesellschaft gehört das soziale Netzwerk Facebook. Am 18. Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Die Facebook-Nutzung ist für Mitglieder kostenlos, die Einnahmen bringt vor allem das Werbegeschäft. In den USA hat Facebook den größten Anteil am Markt für Bannerwerbung. Unternehmensplänen zufolge sollen künftig aber auch neue E-Commerce-Angebote in den Dienst integriert werden. (30.07.2018/ac/a/n)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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