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So, 13. Oktober 2019, 23:16 Uhr

Amazon

WKN: 906866 / ISIN: US0231351067

Faktencheck: Wie real ist die "Amazon-Gefahr" für Versicherer? Aktiennews


12.03.19 14:10
FONDS professionell

Wien (www.aktiencheck.de) - Der Onlinehändler Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866, Ticker-Symbol: AMZ, Nasdaq-Symbol: AMZN) wird in einigen Versicherungssegmenten nach Einschätzung der mittelständischen Unternehmensberatung SMP einen Kunden-Exodus auslösen, so die Experten von "FONDS professionell".

"Versicherern droht die Gefahr, aufgrund vieler inaktiver Kundenbeziehungen zunehmend Kunden an Anbieter wie Amazon zu verlieren", habe Ingo Marjan gesagt, Partner bei SMP und auch im Bereich Versicherungen beratend tätig.

Grund: Versicherer hätten zwar umfangreiche Kundenbestände, wissen aber zu wenig über die Personen dahinter. Amazon-Nutzer würden das Unternehmen hingegen ständig und bereitwillig durch ihre Suchanfragen, Kaufentscheidungen oder mit Hilfe von Alexa über ihre Bedürfnisse und Lebensumstände informieren. So wisse Amazon genau, was Kunden brauchen würden. "Versicherer denken in Produkten. Amazon denkt vom Kunden her", so Marjan. Deshalb seien Versicherer auch austauschbar.

Dies beziehe Marjan auch auf den Vertrieb, wie er auf Nachfrage bestätige: Ein Ausschließlichkeits-Vermittler betreue aktiv zwischen 200 und 300 Kunden, habe tatsächlich aber Bestände von 800 bis zu 1.000 Kunden. "Ein Großteil der Kunden besteht also nur auf dem Papier und wird nicht aktiv gepflegt", so Marjan. Hinzu komme, dass häufig zu wenige relevante Kunden- und Kontaktinformationen gesammelt und die entsprechenden Einverständniserklärungen zur Kontaktaufnahme auch nicht konsequent eingeholt würden.

SMP prognostiziere, dass Amazon in den nächsten 36 Monaten eine Hausratversicherung anbieten werde - "als Zugabe zu Alexa mit einer Haussteuerung zu einem geringen Preis oder sogar kostenlos", meine Marjan. Darauf hätten Meldungen über die Planung des Geschäftsstarts in Indien und vermehrte Stellenausschreibungen in Großbritannien für den Bereich "Amazon Protect" (zuständig für Garantieverlängerungen zu bei Amazon gekauften Elektrogeräten) hingedeutet.

In Deutschland plane Amazon, für Kunden seines Abo-Dienstes Prime eine Kreditkarte anzubieten und rücke damit stärker auch ins Geschäft mit Finanzdienstleistungen vor. Dazu gehöre traditionell auch der Versicherungsschutz für bereits über Amazon gekaufte Produkte und gebuchte Reisen. In den USA habe Amazon jetzt zusammen mit Berkshire Hathaway - der Investmentgesellschaft der Börsenlegende Warren Buffett - und der US-Bank J.P. Morgan Chase den Krankenversicherer "Haven" gegründet, der nicht gewinnorientiert arbeiten solle.

"Die Hausratversicherung dürfte bald in Deutschland kommen, da Amazon bereits vielfältige Beziehungen zu Haushalten aufgebaut hat und die Vorlieben der Kunden, ihre Zahlungsbereitschaft und die damit verbundenen Zahlungsrisiken kennt", so Marjan. Diese intensive Kundenbeziehung, kombiniert mit dem technischen Zugang in die Wohnungen durch Alexa, mache es für Amazon einfach, ein attraktives Versicherungsangebot für den Hausrat zu unterbreiten und gleichzeitig die schwächer ausgeprägte Kundenbindung zum Versicherer aufzulösen. "Bei Sachversicherungen gelingt das im ersten Schritt deutlich schneller - möglicherweise sogar als Produktbestandteil von Alexa Plus", glaube Marjan.

Amazon selbst werde keine klassischen Versicherungen entwickeln. "Eher wird man sich einen Partner ins Boot holen, der selbst nicht in Erscheinung tritt", glaube Marjan. Für Amazon seien Versicherungen nur Mittel zum Zweck. "Nicht reine Produktkategorien sind interessant, sondern Lebenswelten und Plattformkategorien", wisse der Unternehmensberater.

Und da sehe er für die Assekuranz schwarz. "Für einen Versicherer mag es aufgrund der zu erwartenden Abschlüsse und Beitragseinnahmen kurzfristig interessant sein, in eine Kooperation als reiner Produktgeber einzuwilligen. Mittelfristig ist der Versicherer allerdings komplett austauschbar", prognostiziere Marjan. Die Kundenschnittstelle werde von Amazon gemanagt.

Der Kreislauf könnte so aussehen: Amazon besorge die Waren, schütze sie und ersetze sie im Schadenfall wieder. "Auch andere Internetkonzerne hätten die Technik dazu. Google ist technisch in der Lage, das gleiche Leistungsangebot zu schnüren, aber für Google steht zu viel auf dem Spiel", meine Marjan: Der Einstieg ins Versicherungsgeschäft würde die hohen Einnahmen gefährden, die Google von Versicherern als Werbetreibende mit der Suchmaschinenfunktion erhalte. "Beim Suchbegriff "Kfz-Versicherung" zahlten Versicherer im November gern mal 15 Euro pro Klick", wisse Marjan.

Dafür würden andere Konkurrenten an die Tür klopfen. Die chinesischen Internetriesen Alibaba und Tencent könnten das ebenfalls. Auch wenn es noch dauere, bis sie hier ankämen, würden das nach Marjans Einschätzung die nächsten Player sein, die in Europa eine Rolle spielen würden. Es würden sich die Prognosen mehren, dass Kfz-Versicherungen als eigenständiges Produktangebot zwischen 2030 und 2035 aufhören zu existieren. "Sie werden einfach vom Markt verschwinden", glaube Alfons Niebuer, ebenfalls Vorstand und Partner bei SMP. Er beziehe sich auf Prognosen von Fidelity, Boston Consulting, Roland Berger, KPMG und eigene Recherchen.

Gemeint sei, dass die Vielzahl der noch aktiven rund 90 Kfz-Versicherer verschwinde. Policen werde es weiterhin geben, aber in einem neuen Zuschnitt. "Das selbstfahrende Auto braucht keine Versicherung mehr, weil es quasi zu keinen Schäden mehr kommt", so Niebuer weiter. Der schlagende Vorteil von Plattformbetreibern wie Amazon gegenüber Versicherern erschöpfe sich demnach also nicht im Kundenwissen.

Ein weiterer Vorzug liege darin, dass Amazon Versicherungen geschmeidig in sein Produktangebot einbauen könne. "Dort werden sie nicht als aufdringlich empfunden wie bei einem Versicherungsmakler", behaupte Niebuer. Dass Makler im Lager der Kunden stünden, scheine Niebuer nicht zu berücksichtigen. Auf Nachfrage habe er geantwortet: "Zunehmend werden auch Telefonie (insbesondere Kundenservice-Center), Chats, E-Mail, Websites und Vergleichsportale als Vertriebs- und Kommunikationswege vom Kunden akzeptiert."

Lediglich im Schaden- und Leistungsfall hätten Versicherer heutzutage noch regelmäßigen Kundenkontakt, meine SMP. "Aber selbst der Fall des positiven Kundenerlebnisses wird von Vermittlern nicht für eine Empfehlung potenzieller Neukunden genutzt", glaube Niebuer zu wissen. Überhaupt fehle eine auf den Kundenanlass ausgerichtete systematische Ansprache, zudem fehle es an Kundendaten und an Kontakterlaubnissen, behaupte SMP. Das möge für einige Ausschließlichkeitsvertriebe zutreffen, für die Masse der Versicherungsmakler nach Recherchen von "FONDS professionell" jedoch keineswegs.

Dadurch bleibe auch Niebuers These fragwürdig, wonach das Wissen der Internetkonzerne über den Kunden zu einer genaueren Einschätzung des Versicherungsrisikos und zu einer zielgerichteteren Ansprache des Kunden führe. Sicherlich hätten einige Gesellschaften großen Nachholbedarf, die Masse der Makler kenne das Risiko ihrer Kunden aber gut und spreche sie auch zielgerichtet an. "Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wie schnell Versicherer den Umgang mit Daten professionalisieren und künstliche Intelligenz nutzen, und die Erkenntnisse in Bezug auf Kundenansprache und Produktentwicklung nutzen", gebe Niebuer den traditionellen Anbietern mit auf den Weg.

Nach dem Einzelhandel werde Amazon nun auch für Versicherer zum Maß aller Dinge. "Es ist die Latte, an der Kunden Internet-Angebote aller Art messen, auch die der Versicherer", so Niebuer. Und diesem Vergleich könnten Versicherer kaum Stand halten, meine SMP. Grund: Insbesondere Convenience-Erfahrungen (Einfachheit, Transparenz, Schnelligkeit, Verfügbarkeit) und die Erlebnisse mit erfolgreichen Plattformen würden den Verhaltenswandel beeinflussen und würden auch auf Finanzdienstleister übertragen.

Zu jedem Zeitpunkt herrsche Transparenz über den Kauf eines Produktes. Auch die Rücksendung erfolge ohne viel Aufwand. Zudem würden weitere für den Kunden interessante Produktvorschläge ausgespielt. "All diese Vorteile könnten die meisten Versicherer nicht bieten", so Niebuer. (News vom 11.03.2019)

Börsenplätze Amazon.com-Aktie:

Tradegate-Aktienkurs Amazon.com-Aktie:
1.482,3 EUR -0,27% (12.03.2019, 13:51)

XETRA-Aktienkurs Amazon.com-Aktie:
1.484,34 EUR +0,61% (12.03.2019, 13:37)

Nasdaq-Aktienkurs Amazon.com-Aktie:
1.670,62 USD (11.03.2019)

ISIN Amazon.com-Aktie:
US0231351067

WKN Amazon.com-Aktie:
906866

Ticker-Symbol Amazon.com-Aktie Deutschland:
AMZ

Nasdaq Ticker-Symbol Amazon.com-Aktie:
AMZN

Kurzprofil Amazon.com:

Amazon.com Inc. (ISIN: US0231351067, WKN: 906866, Ticker-Symbol: AMZ, Nasdaq-Symbol: AMZN) ist einer der führenden Anbieter im Bereich E-Commerce und gehört zu den Fortune-500-Unternehmen. Die Firma hat ihren Sitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Seit Gründung des Unternehmens durch Jeff Bezos 1995 wurde das Produktangebot kontinuierlich erweitert und ein weltweites Netz von Logistik- und Kundenservice-Zentren aufgebaut. In zahlreichen Ländern ist Amazon mit eigenen Websites vertreten. Heute kann man bei Amazon von Büchern und elektronischen Geräten bis hin zu Tennisschlägern und Diamantschmuck alles kaufen. Amazon verfügt über Websiten in den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Japan, China und Brasilien und betreibt über 69 Logistikzentren in aller Welt mit einer Gesamtfläche von über sechzehn Millionen Quadratmetern. (12.03.2019/ac/a/n)





 
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