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Di, 7. Februar 2023, 17:17 Uhr

Folgt auf die Krise der Aufschwung - nur weil es bisher immer so war?


07.05.20 16:55
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Wenn wir ehrlich sind, gibt es eine ganze Bandbreite an möglichen wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise, die von katastrophal bis hin zu eitel Sonnenschein reichen, so die Experten von LYNX Broker.

Realistisch betrachtet, sehe es kurz- und mittelfristig nicht allzu rosig aus. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass nach der Krise automatisch ein Aufschwung folge, nur weil es in der Vergangenheit so gewesen sei. Das Spektrum möglicher Szenarien sei dafür einfach zu groß. Und es gebe weitere Variablen, die die Zukunft weniger strahlend aussehen lassen könnten.

Die Zeit heile alle Wunden - auch an den Aktienmärkten. Wer eine Position nur lange genug halte, werde Gewinn machen, so sei es fast immer gewesen. Die große Frage sei nun: Werde es auch immer so bleiben? Könne die vorherrschende Meinung angesichts der aktuellen Krise noch stimmen, dass Bärenmärkte, Rezessionen und sogar Kriege und Pandemien zwar vorübergehend zu Abstürzen führen könnten, aber die Aktienmärkte auf lange Sicht nach oben steigen würden? Oder müsse man sich eingestehen, dass die Zukunft sich nicht immer anhand der Vergangenheit prognostizieren lasse?

"Wenn wir ehrlich sind, gibt es eine ganze Bandbreite an möglichen wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise, die von katastrophal bis hin zu eitel Sonnenschein reichen. Realistisch betrachtet, sieht es kurz- und mittelfristig nicht allzu rosig aus", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. "Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass nach der Krise automatisch ein Aufschwung folgt, nur weil es in der Vergangenheit so war. Das Spektrum möglicher Szenarien ist dafür einfach zu groß. Und es gibt weitere Variablen, die die Zukunft weniger strahlend aussehen lassen könnten."

Der Experte gebe zu, dass die Statistik der letzten 200 Jahre durchaus für eine Fortsetzung der Vergangenheit spreche, dass nach dem Crash eine starke Wachstumsphase folge. Das würde auch bedeuten, dass eine Investition in Aktien sich mit einem entsprechend langen Anlagehorizont auf jeden Fall rechne. "Das Problem ist doch, dass wir nicht wissen, was die Zukunft bringt. Welche Ereignisse werden in Zukunft die Märkte beeinflussen und wie werden daraus resultierende Probleme gelöst? Die weltweite Vernetzung ist heute wesentlich stärker als in den vergangenen 200 Jahren, das sieht man derzeit besonders. Und globale Lösungen für Probleme zu finden ist keine einfache Aufgabe, auch das wird derzeit deutlich", warne Sadowski.

Ein Beispiel sei für ihn der Klimawandel, der das Potenzial habe, weitere globale Krisen hervorzurufen. "Wird der Klimawandel in den nächsten 12, 24 oder 48 Monaten größere Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben? Wahrscheinlich nicht. Wird er sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren an den Märkten bemerkbar machen? Wahrscheinlich! Je länger der betrachtete Zeithorizont wird, desto höher ist die Gefahr, dass die Auswirkungen an den Märkten deutlich werden. Diese Variablen muss man leider in die Betrachtung der Zukunft einbeziehen, was die Vergleichbarkeit mit der Vergangenheit erschwert."

Alleine stehe Sadowski mit seiner Warnung nicht da. Selbst Warren Buffett, der eigentlich zu den Optimisten der Finanzszene zähle, zeige sich aktuell vorsichtiger als gewohnt. Während er in früheren Krisen Chancen schnell genutzt und Aktien oder gar ganze Unternehmen zu Schnäppchenpreisen gekauft habe, habe er diesmal darauf verzichtet zu investieren. Bei der Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway habe er erklärt "Wir haben nichts getan, weil wir nichts derart Attraktives sehen", habe Buffett gegenüber den Aktionären des Unternehmens gesagt.

"Buffetts Aussagen in der vergangenen Woche haben einige Optimisten durchaus schockiert, denn er scheint das Vertrauen in die US-Märkte sowohl kurz- als auch mittelfristig verloren zu haben. Obwohl er eine Menge Geld zur Verfügung hatte, hat er das bisherige Tief im März nicht genutzt. Das ist ungewöhnlich und könnte darauf hindeuten, dass er in Zukunft mit weiteren Tiefständen rechnet." (07.05.2020/ac/a/m)