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Fr, 2. Dezember 2022, 20:14 Uhr

Harte Entscheidung - Wie lange will die OPEC+ die Ölproduktion noch drosseln?


05.02.21 10:42
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Russland möchte unbedingt verhindern, dass die USA sich weitere Marktanteile und Investitionen in Schieferöl sichern können, so Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Das könnte die Arbeit der OPEC+ in Zukunft deutlich erschweren und Russland sehe auch keinen Grund, warum man eine solche Entwicklung zulassen sollte, wenn man doch selbst noch über ungenutzte Kapazitäten verfüge.

Saudi-Arabiens Entscheidung im vergangenen Monat, die eigene Ölproduktion um eine Million Barrel pro Tag zu kürzen, scheine sich als Erfolg zu erweisen. Der Ölpreis habe sich erholt und spüle mehr Geld auf die Konten der OPEC+-Mitglieder. Eine Strategieänderung beim Treffen der Mitglieder in dieser Woche sei daher nicht zu erwarten gewesen, auch wenn die Auswirkungen der Pandemie den ölproduzierenden Ländern weiter zusetzen würden. Trotzdem dürfte es heiß hergegangen sein, denn auch wenn die Taktik der gedrosselten Fördermengen aktuell aufgehe, stehe die Entscheidung, wann man sie wieder hochfahre, noch aus - und es gebe innerhalb der OPEC+ durchaus gegensätzliche Meinungen.

"Es ist in der Vergangenheit bereits des Öfteren offensichtlich geworden, dass Saudi-Arabien und Russland unterschiedliche Ansätze verfolgen. In Riad setzt man auf höhere Preise und ist bereit, dafür geringere Fördermengen in Kauf zu nehmen. So sollen die immensen Staatsausgaben gedeckt werden. Seit Beginn der Pandemie und der damit verbundenen niedrigeren Nachfrage nach Öl, hat sich diese Strategie durchaus als erfolgreich erwiesen und wurde von den anderen OPEC+-Staaten mitgetragen. Auch die erneute Senkung der Fördermenge durch Saudi-Arabien im Januar hat sich angesichts des schleppenden Impfstarts in vielen Teilen der Welt und neuen oder verlängerten Lockdowns als richtig herausgestellt", erkläre Sadowski.

Auf der anderen Seite des Spektrums sehe er hingegen Moskau. "Russland möchte unbedingt verhindern, dass die USA sich weitere Marktanteile und Investitionen in Schieferöl sichern können. Das könnte die Arbeit der OPEC+ in Zukunft deutlich erschweren und Russland sieht auch keinen Grund, warum man eine solche Entwicklung zulassen sollte, wenn man doch selbst noch über ungenutzte Kapazitäten verfügt. Allein steht Russland mit dieser Einstellung nicht da. Sowohl der Irak, als auch die Vereinigten Arabischen Emirate dürften für eine Erhöhung der Fördermengen in absehbarer Zeit stimmen."

Spätestens beim nächsten Treffen im März dürfte dieser Konflikt zwischen den unterschiedlichen Strategien zu hitzigen Diskussionen führen. "Mit seinem Alleingang im Januar hat Saudi-Arabien der OPEC etwas Zeit für die knifflige Entscheidung erkauft, wann die Fördermengen wieder hochgefahren werden. Trotzdem bleibt die grundsätzliche Frage ungelöst", so Sadowski.

Der Experte sehe außerdem ein weiteres Problem auf das Öl-Kartell zukommen, wenn der neue US-Präsident Biden seinen Plan umsetze, mit dem Iran ein neues Atomabkommen zu schließen. "Bereits das Ende von Donald Trumps "Maximum Pressure"-Politik hat die Ölexporte aus dem Iran steigen lassen. Sollte ein neues Abkommen in Krafttreten, würden weitere US-Sanktionen wegfallen und der Weg für rund zwei Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag wäre wieder frei. Das würde der OPEC-Strategie einen empfindlichen Dämpfer verpassen", erkläre Sadowski.

Er füge jedoch hinzu: "Ein solcher Vertrag scheint allerdings noch in weiter Ferne, denn im Moment reichert man in Teheran weiter fleißig Uran an und es ist nicht absehbar, ob die schwelenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA in die eine oder die andere Richtung kippen. Es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass es eher kracht, anstatt sich zu beruhigen. Die OPEC wäre jedoch gut beraten, wenn sie beide Varianten in ihre Überlegungen mit einbezieht." (05.02.2021/ac/a/m)