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Sa, 3. Dezember 2022, 1:04 Uhr

Henkel Vz

WKN: 604843 / ISIN: DE0006048432

Henkel: Krise - Anleger und Analysten wenden sich ab - Aktienanalyse


28.01.19 08:49
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Henkel-Aktienanalyse der "BÖRSE am Sonntag":

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Vorzugsaktie des Konsumgüterkonzerns Henkel AG & Co. KGaA (ISIN: DE0006048432, WKN: 604843, Ticker-Symbol: HEN3, Nasdaq OTC-Symbol: HENOF) unter die Lupe.

Positive Dividendensignale - im laufenden Jahr wolle Henkel 30 bis 40 statt wie bislang nur 25 bis 35 Prozent seines Gewinns an die Aktionäre ausschütten - und ein insgesamt wieder etwas freundlicherer Gesamtmarkt dürften unter der Woche aus Sicht des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers schlimmeres verhindert haben. Allerdings dürfte ein Kursverlust von rund 15 Prozent innerhalb von vier Tagen auch schon als schlimm genug gelten. Vor allem, da Einbrüche dieser Art für Henkel-Aktionäre ein Novum darstellen würden. Seit 2009 schließlich sei kaum eine Aktie so sicher, geradlinig und schnurstracks nach oben gelaufen wie die des Persilherstellers.

Wer rechtzeitig eingestiegen sei, habe im Hoch aus dem Juni 2017 bei rund 128 Euro eine Rendite von sage und schreibe 590 Prozent einfahren können. Und das mit einem klassischen Konsumgüter-, keinem Tech-Wert. Doch seit jenem Hoch habe die Aktie nun bereits 35 Prozent an Wert verloren, allein von letztem August bis heute stehe ein Minus von 26 Prozent zu Buche. Mit einem Kurs von 84,50 Euro - am Freitag habe sich die Aktie leicht erholt - würden die Titel so tief wie letztmals Ende 2014 notieren.

Auf einmal stecke Henkel finanz- wie realwirtschaftlich in einer Krise, die kaum einer vorhergesehen habe. Weder Anleger noch Analysten. Wie sonst hätten sich der abrupte Kurssturz zu Wochenbeginn und die nicht weniger plötzlichen, dafür aber umso deutlicheren Herabstufungen mit Blick auf das Henkel-Papier erklären lassen?

Jahrelang hätten die Düsseldorfer an der Börse von gesundem Wachstum bei stetig steigenden Margen gelebt. Dazu seien meist annehmliche KGVs und Dividendenrenditen gekommen. Letzteres dürfte erst einmal so bleiben, sich angesichts der Kursverluste und der angekündigten Ausschüttungserhöhung sogar deutlich verbessern, doch ersteres, die so wichtige Jagd nach immer höheren Renditen, scheine vorerst beendet. 2019, so habe es Vorstandschef Hans Van Bylen angekündigt, solle das EBIT nur irgendwo zwischen 16 und 17 Prozent liegen. Und damit nicht nur deutlich niedriger, als noch im vergangenen Jahr (17,6 Prozent), sondern überhaupt nur in etwa auf dem Niveau von 2015. Für Henkel eine Art Zeitenwende. Von 2009 an schließlich sei es Jahr um Jahr angestiegen.

Der Konsumgüterriese stehe also vor einem Umbruch, es brauche neue Strategien, auch um in einem stark umkämpften Markt weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Und das heiße auch: Henkel müsse investieren. 300 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr sollten 2019 zuvorderst in Innovation und Marketing fließen. "Wir wollen unser nachhaltig profitables Wachstum fortsetzen und attraktive Erträge erzielen", gebe van Bylen die Richtung vor.

Wachstum durch Investition also. Das erscheine als richtiger und notwendiger Schritt, schließlich habe Henkel 2018 mit 19,9 Milliarden 100 Millionen Euro weniger Umsatz als noch 2017 gemacht. Schuld daran seien unter anderem eine schwächelnde Kosmetik- und eine unter dem schwachen Dollar leidende Waschmittelsparte gewesen. Die sollten nun mithilfe eines Aktionspaketes aufgepimpt werden, ebenso wie die dritte im Bunde, das Klebstoffgeschäft. Und darunter leide freilich die Marge. Doch wäre die Aktie bei ihren derzeitigen Kursen dann nicht mittel- bis langfristig gesehen ein schönes Schnäppchen? Vielleicht ja, doch Investoren scheinen sich doch um mehr zu sorgen, als allein um eine wohl für mindestens ein Jahr sinkende Marge.

Höhere Investitionen bei unveränderten mittelfristigen Zielen, habe Commerzbank-Analyst Andreas Riemann geschrieben, das sei auch ein Zeichen des zunehmenden Wettbewerbsdrucks. Die geplanten Investitionsmaßnahmen seien darüber hinaus fade und kämen zu spät, konstatierte Andrew Wood vom US-Analysehaus Bernstein Research. Auch wenn die Aktie nun günstig sei, die frühere Zuverlässigkeit des Unternehmens sei nicht mehr gegebenen. Sein Kursziel habe Wood von 101 auf 86 Euro gesenkt.

Das habe auch Merrill Lynch-Analyst Guillaume Delmas getan, mit einer Abstufung von 120 auf 104 Euro allerdings auf höherem Niveau. Seine Begründung habe ähnlich geklungen: Mit einem Abschlag von 22 Prozent zur Branche bleibe die Aktie zwar attraktiv bewertet, doch das schwer vorhersagbare Gewinnwachstum werde den Kurs belasten. UBS-Analystin Pinar Ergun habe geschrieben: Das Management von Henkel habe zwar die richtigen Schritt eingeleitet, eine baldige Verbesserung sei deshalb aber nicht garantiert. DZ BANK-Experte Herbert Sturm habe den Ausblick des Konsumgüterherstellers vor allem auch deshalb bemängelt, da er "sehr deutlich unter den Markterwartungen" liege.

Egal welche Bank, welches Analysehaus, welches Research-Institut: Alle hätten sie ihre Kursziele deutlich gesenkt. Nur die Experten vom Bankhaus Metzler würden in der Krise eine Einstiegschance sehen. Und diese Chance sei freilich auch da, schließlich verkaufe Henkel Produkte, die schlecht wegdigitalisiert werden könnten und auch in Zukunft in großen Mengen nachgefragt werden dürften, Beispiel Waschmittel. Der Konzern stehe also auf einem vergleichsweise festen Fundament, doch mit Blick auf steigende Aktienkurse brauche es eben auch eine überzeugende Wachstumsstory.

Und genau an der mangle es Henkel nun. Aufgrund von strukturellen Problemen genauso wie einer zu schwächeln beginnender Weltwirtschaft. Es dürften schwierige Zeiten anbrechen für den verwöhnten Riesen. Doch es dürfte auch noch lange nicht zu spät sein, die richtigen Schritte einzuleiten, damit daraus in Zukunft wieder bessere würden. Und die wirklich positiven Ausschüttungssignale könnten dabei helfen, zumindest einmal ein schwieriges 2019 ohne weitere und noch größere Blessuren zu überstehen, so Oliver Götz von "BÖRSE am Sonntag". (Analyse vom 25.01.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Henkel-Vorzugsaktie:

Tradegate-Aktienkurs Henkel-Vorzugsaktie:
84,44 EUR +0,40% (28.01.2019, 08:38)

XETRA-Aktienkurs Henkel-Vorzugsaktie:
84,36 EUR (25.01.2019)

ISIN Henkel-Vorzugsaktie:
DE0006048432

WKN Henkel-Vorzugsaktie:
604843

Ticker-Symbol Henkel-Vorzugsaktie:
HEN3

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Henkel-Vorzugsaktie:
HENOF

Kurzprofil Henkel AG & Co. KGaA:

Die Henkel AG & Co. KGaA (ISIN: DE0006048432, WKN: 604843, Ticker-Symbol: HEN3, Nasdaq OTC-Symbol: HENOF) verfügt weltweit über ein ausgewogenes und diversifiziertes Portfolio. Mit starken Marken, Innovationen und Technologien hält das Unternehmen mit seinen drei Unternehmensbereichen führende Marktpositionen - sowohl im Industrie- als auch im Konsumentengeschäft: So ist Henkel Adhesive Technologies globaler Marktführer im Klebstoffbereich. Auch mit den Unternehmensbereichen Laundry & Home Care und Beauty Care ist das Unternehmen in vielen Märkten und Kategorien führend. Henkel wurde 1876 gegründet und blickt auf eine über 140-jährige Erfolgsgeschichte zurück.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Henkel einen Umsatz von 20 Mrd. Euro und ein bereinigtes betriebliches Ergebnis von rund 3,5 Mrd. Euro. Allein Loctite, Schwarzkopf und Persil, die jeweiligen Top-Marken der drei Unternehmensbereiche, erzielten dabei einen Umsatz von 6,4 Mrd. Euro. Henkel beschäftigt weltweit mehr als 53.000 Mitarbeiter, die ein vielfältiges Team bilden - verbunden durch eine starke Unternehmenskultur, einen gemeinsamen Unternehmenszweck und gemeinsame Werte. Die führende Rolle von Henkel im Bereich Nachhaltigkeit wird durch viele internationale Indizes und Rankings bestätigt. Die Vorzugsaktien von Henkel sind im DAX notiert. Weitere Informationen finden Sie unter www.henkel.de. (28.01.2019/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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