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Mo, 28. November 2022, 14:58 Uhr

Inflation

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Hohe Inflation und steigende Zinsen? Small-Caps ins Visier nehmen


30.09.22 11:34
Stock-World Redaktion

Kleinere US-Unternehmen könnten sich als robuster erweisen, als es viele erwarten


Geldanlagen sind selten eine bequeme Angelegenheit – insbesondere, wenn man in kleinere Unternehmen investiert. In den USA sorgen hohe Inflationsraten und steigende Zinsen derzeit für große Unsicherheit bei den Anlegern. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass gerade solche Phasen für langfristige Anleger günstig sind, um das Portfolio für die Zukunft zu positionieren. Nach mehr als drei Jahrzehnten mit extrem niedrigen Inflationsraten und Zinsen ist eine Welt mit Preis- und Zinssteigerungen für viele Anleger Neuland. Tatsächlich stehen wir wohl an der Schwelle zu einem Regimewechsel – und ein solcher sorgt naturgemäß für Unsicherheit. Werfen wir also einen Blick auf ähnliche Phasen in der Geschichte, um herauszufinden, wie sich die aktuelle Marktdynamik weiterentwickeln könnte.


 


Der Blick auf die Historie zeigt, dass US-Small-Caps unter ähnlichen Marktbedingungen typischerweise zwei Merkmale aufweisen:


 


  1. US-Small-Caps schneiden in Zeiten mit hoher Inflation und steigenden Zinsen üblicherweise besser ab als Large-Caps (Abbildung 1).
  2. Kleinere Unternehmen standen bei einer Finanzmarkterholung nach einer Rezession historisch typischerweise an der Spitze und erzielten danach mehrere Jahre lang eine Outperformance gegenüber ihren größeren Pendants.

 


Ein Umfeld mit steigenden Zinsen ist historisch betrachtet für kleinere US-Unternehmen günstig


Abb. 1: Durchschnittliche Jahresrendite in einem Umfeld mit steigenden/fallenden Zinsen (31. Dezember 1978 bis 31. Dezember 2021)


 



 


* Basierend auf der monatlichen Veränderung der Rendite für zehnjährige US-Treasuries.Quellen: Furey Research Partners, S&P sowie London Stock Exchange Group plc und ihre Konzerngesellschaften (zusammen „LSE Group“). Analysen von T. Rowe Price (siehe Abschnitt „Zusätzliche Angaben“).


 


 


Kleinere Unternehmen haben häufig eine solide Preismacht


Die relative Outperformance kleinerer US-Unternehmen in Zeiten mit erhöhter Inflation ist gut dokumentiert. Kleinere Betriebe agieren häufig in Nischenbranchen oder in unterversorgten Marktbereichen. Und sie sind häufig eine zwar kleine, doch wesentliche Komponente komplexer Ketten oder Prozesse. Diese Position verleiht ihnen eine stärkere Preismacht, als es ihre Größe vermuten ließe. Wenn sie beispielsweise infolge steigender Löhne und Beschaffungskosten unter Inflationsdruck geraten, sind kleinere Unternehmen oft in der Lage, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben und robuste Margen zu erzielen.


 


Der aktuelle Bärenmarkt preist das schlimmste Szenario bereits ein


Das aktuelle Marktumfeld in den USA ist schwierig – für Unternehmen und Investoren gleichermaßen. Die Baisse an den Aktienmärkten, insbesondere im Small-Cap-Bereich, hat die Kurse auf ein Niveau gedrückt, das bereits das Risiko einer tiefen Rezession einpreist – ein Szenario, das in unseren Augen zu pessimistisch ist.


 


Auch wenn die US-Wirtschaft nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsleistung bereits in eine technische Rezession gerutscht ist, könnte der Abschwung unserer Ansicht nach kürzer und flacher ausfallen, als es viele erwarten. Im Vergleich zu früheren Konjunkturabschwüngen sind die Auftragsbücher vieler US-Unternehmen immer noch voll, da sie Auftragseingänge der letzten Jahre noch nicht abarbeiten konnten. Dies deutet darauf hin, dass sich der beträchtliche Nachfragestau noch nicht aufgelöst hat, was dazu beitragen kann, eine Verlangsamung der Auftragseingänge abzufedern.


 


In der aktuellen Baisse haben Small-Cap-Aktien seit ihrem Höchststand im November 2021 bis zum jüngsten Tiefpunkt im Juni 2022 mehr als 32 % ihres Wertes verloren. Im Vergleich dazu betrug der durchschnittliche Drawdown der letzten 13 Bärenmärkte -34 %.1 Auch wenn niemand die weitere Entwicklung mit Sicherheit vorhersagen kann, scheint im historischen Vergleich ein Großteil des Schadens doch hinter uns zu liegen.


 


Zugleich lehrt uns die Geschichte, dass bei einer auf eine Baisse folgenden Finanzmarkterholung Small-Caps üblicherweise an der Spitze stehen. Dies war bei einer Erholung des US-Marktes nach neun der letzten zehn Rezessionen der Fall – mit einer besonders starken Outperformance gegenüber Large-Caps in der Anfangsphase des Bullenmarktes, da größere Unternehmen normalerweise länger brauchen, um sich auf ein verändertes Umfeld einzustellen.


 


Die Auswirkungen der steigenden Zinsen sind weniger stark als in der Marktentwicklung eingepreist


Die kurzfristige Erwartung für kleinere US-Unternehmen ist allgemein weiterhin schwach, insbesondere, weil die Sorge der Anleger um die potenziellen Auswirkungen steigender Zinsen auf die Stimmung gegenüber Small-Caps drückt. Es gibt allerdings gute Gründe für die Annahme, dass kleinere Unternehmen heute besser in der Lage sind, höhere Zinsen zu verkraften als in vergangenen ähnlichen Phasen.


 


Die US-Notenbank hat in den letzten neun Monaten mehrfach darauf hingewiesen, dass sie auf Straffungskurs gehen wird. Da vielen Unternehmen klar war, dass die niedrigen Zinsen bald Vergangenheit sein könnten, haben sie ihre Finanzierungen entsprechend angepasst, indem sie sich niedrige Zinsen gesichert und die Laufzeiten verlängert haben. Somit sind sie für Risiken durch steigende Zinsen heute weniger anfällig, als dies in früheren Zyklen der Fall gewesen sein mag.


 


Für die Verbraucher wiederum werden die höheren Zinsen beispielsweise vor allem beim Einsatz ihrer Kreditkarte spürbar. Was jedoch die Belastung durch Hypothekenkredite betrifft – ein Bereich, der weitaus stärker zu Buche schlägt –, so sind die Risiken heute relativ überschaubar. Viele US-Hausbesitzer haben aus der globalen Finanzkrise gelernt und darauf geachtet, dass ihre Hypothekendarlehen fest (und nicht variabel) verzinst sind. So sind heute weniger als 10 % aller US-Hypotheken (Neukauf und Refinanzierung) variabel verzinst. In anderen Worten liegt der Zinssatz für mehr als 90 % der privaten US-Hypothekenschulden deutlich unter dem aktuellen Zinsniveau (Abbildung 2). Diese Tatsache ist wichtig, um die medialen Schlagzeilen über die steigenden Zinsen und ihre potenziellen Auswirkungen auf die finanzielle Lage der US-Verbraucher richtig einzuordnen.


 


Bewertungen nahe ihren Allzeittiefs


Die Bewertungen für US-Small-Caps waren sicherlich selten ein derart überzeugendes Investitionsargument wie heute. Die pauschale Verkaufswelle, die seit dem vierten Quartal 2021 über die US-Aktienmärkte rollte, hat die relativen Small-Cap-Bewertungen fast auf ein Allzeittief gedrückt (Abbildung 3). Auf Zeiten, in denen die relativen Bewertungen ähnlich extrem niedrige Niveaus erreicht haben, folgten historisch üblicherweise Phasen, in denen Small-Caps über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine Outperformance gegenüber größeren Unternehmen erzielten.


 


Wie fast immer in Zeiten, in denen die Anleger pauschal verkaufen, wurden im letzten Jahr auch die Aktien vieler qualitativ erstklassiger Unternehmen abgestoßen, sodass die Bewertungen in einigen Fällen auf Mehrjahrestiefs gefallen sind. In der Folge finden wir heute über das gesamte Marktspektrum hinweg attraktive Kaufgelegenheiten – von zyklischen Aktien, bei denen unseres Erachtens mittlerweile eine tiefer als erwartete Rezession eingepreist ist, bis hin zu Wachstumstiteln, deren Bewertungskennzahlen stark gesunken sind, obwohl sich der Geschäftsausblick nicht wesentlich eingetrübt zu haben scheint.


 


Nach der erheblichen Verkaufswelle, die seit dem vierten Quartal 2021 über US-Small-Caps rollte, ist in den Bewertungen das Risiko eingepreist, dass die US-Wirtschaft in eine tiefe Rezession abgleitet. Wir halten dieses Szenario für überzogen pessimistisch und erwarten einen kürzeren und flacheren Abschwung als viele andere. Vor dem Hintergrund, dass die relativen Bewertungen fast historische Allzeittiefs erreicht haben, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Diese zeigt, dass sich Aktien kleinerer Unternehmen historisch üblicherweise früh und stark wieder erholen, sobald der zyklische Tiefpunkt erreicht ist. In vergangenen Marktzyklen lohnte es sich in der Regel für Anleger, zu diesem Zeitpunkt investiert zu sein, da ein wesentlicher Teil der in der Erholungsphase erzielten Renditen historisch kurz nach Erreichen des Tiefpunkts generiert wurden. Vor dem Hintergrund, dass die relativen Bewertungen fast auf historische Allzeittiefs gefallen sind und eine baldige Erholung der US-Finanzmärkte zu erwarten ist, glauben wir, dass der Zeitpunkt günstig ist, um in US-Small-Caps zu investieren.



Marktkommentar von Curt Organt, Portfolio Manager bei T. Rowe Price



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Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.





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