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Sa, 3. Dezember 2022, 6:22 Uhr

Immobilienrenditen im Sinkflug: Die Null ist die Untergrenze


06.05.21 10:35
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Der befürchtete Einbruch des Immobilienmarkts in Folge der Covid-19-Pandemie ist ausgeblieben, so Klaus Oberfuchshuber, Leiter Immobilienberatung bei Merck Finck.

Zwar seien einzelne Sektoren wie etwa Hotels stark in Mitleidenschaft gezogen worden, doch in weiten Teilen des Marktes seien die Preise stabil oder sogar weiter im Aufwind.

So seien etwa Logistikimmobilien stark gefragt - zum einen, weil der Onlinehandel massiv zugelegt habe, und zum anderen, weil viele Unternehmen Teile ihrer störungsanfälligen globalen Lieferketten verkürzt und zurück ins Heimatland geholt hätten. Im Bereich der Büroimmobilien stelle sich langsam heraus, dass einige Unternehmen dauerhaft auf mehr Homeoffice und weniger Bürofläche setzen würden, doch primär werde es dabei um die Umgestaltung bestehender Flächen auf neue Arbeitsformen gehen - keine umfangreichen Kündigungen von Mietverträgen. Der große Leerstand werde bei Büros ausbleiben. Im Bereich Wohnimmobilien würden die Experten ebenfalls stabile bis leicht steigende Preise sehen, wobei sich die Nachfrage von den Städten ins Umland verschiebe. Die "Speckgürtel" der einkommensstarken Großstädte seien die neuen Top-Lagen.

Nach dem kräftigen Preisauftrieb der vergangenen Jahre sei nun jedoch der Raum für weitere Steigerungen fürs Erste aufgezehrt. Insbesondere im Segment Wohnen würden die Mieten schon seit längerer Zeit nicht mehr Schritt mit den Preisen halten. Die Mietrenditen für Investoren seien also bereits gesunken. Auch im Blick nach vorn scheine das Potenzial für Mietsteigerungen begrenzt, solange die Kaufkraft nicht deutlich anziehe. Schon heute würden die Deutschen im Schnitt 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete ausgeben. Es scheine unwahrscheinlich, dass sich dieser Wert nochmals signifikant erhöhe. Zugleich sei die Nachfrage nach Wohnimmobilien von institutionellen und privaten Investoren robust, sodass die Preise auf hohem Niveau stabil bleiben oder sogar noch leicht steigen würden.

Im Ergebnis heiße das: Die Renditen für Immobilien würden in der Tendenz weiter sinken. Dabei sei die Null jedoch die Untergrenze. Während erhebliche Teile des Anleihenmarktes negativ rentieren würden, sei eine solche Situation selbst bei Top-Immobilien, die eine hohe Sicherheit versprechen würden, nicht vorstellbar. Die Experten von Merck Finck haben noch keinen Anleger gesehen, der dies in Kauf nehmen würde. Investoren, die auf der Suche nach attraktiven Renditen seien, bleibe also nichts anderes, als kreativ nach Objekten mit Wertsteigerungspotenzial zu suchen. Das könnten im Bereich Wohnen etwa seniorengerechte Objekte sein. (06.05.2021/ac/a/m)