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Di, 7. Februar 2023, 17:04 Uhr

Ist die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Wirtschaft berechtigt?


24.04.20 12:40
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Natürlich ist es erstmal positiv, wenn die Wirtschaft die Arbeit wieder aufnehmen kann. Aber das ist nicht unbedingt der ausschlaggebende Faktor für eine Erholung, so Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX.

Man sollte sich vielmehr fragen, wann die Nachfrage am Markt wieder auf das Niveau vor der Corona-Krise steigen werde - und diese Frage lasse sich aktuell noch überhaupt nicht beantworten.

Seit dem historischen Kurssturz Ende März in Folge der Corona-Pandemie hätten sich die Märkte weltweit erholt. Erste vorsichtige Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen und noch nie dagewesene staatliche Hilfspakete hätten in Anlegern die Hoffnung geschürt, dass das Schlimmste überwunden sei und die Wirtschaft schon bald wieder Fahrt aufnehmen werde. Doch ganz so einfach dürfte es nicht werden, wie Sascha Sadowski erkläre.

"Die aktuellen Kurssteigerungen beruhen vor allem auf der Frage, wann die Wirtschaft wieder zum Normalbetrieb übergehen kann. Das lässt sich aktuell zwar nicht konkret beantworten, aber es ist zumindest wahrscheinlich, dass der Betrieb in absehbarer Zeit in vielen Branchen wieder anlaufen dürfte", so der Experte. Doch für ihn sei das nicht die eigentlich relevante Frage. "Natürlich ist es erstmal positiv, wenn die Wirtschaft die Arbeit wieder aufnehmen kann. Aber das ist nicht unbedingt der ausschlaggebende Faktor für eine Erholung. Man sollte sich vielmehr fragen, wann die Nachfrage am Markt wieder auf das Niveau vor der Corona-Krise steigen wird - und diese Frage lässt sich aktuell noch überhaupt nicht beantworten."

Noch immer seien viele Analysten der Meinung, dass der Tiefpunkt bereits durchschritten sei. Sie würden glauben, dass es nun dank einer langsam flacher werdenden Infektionsrate des Virus in den großen Industrienationen in Kombination mit den immensen Summen an Hilfsgeldern weltweit wieder bergauf gehe - immer vorausgesetzt, dass keine zweite Infektionswelle für neue Erschütterungen sorge.

Doch das könnte ein Trugschluss sein, wie Sadowski erkläre: "Im Moment läuft die gesamte Wirtschaft auf Sparflamme. Erst wenn sie wieder hochgefahren wird, werden sich die wahren Schäden der Krise zeigen, denn dann wird in den folgenden Wochen und Monaten klar, wie viele Geschäfte und Unternehmen sich aller Finanzhilfen zum Trotz nicht erholen werden. Auch wird erst im Laufe der Zeit nach dem Shutdown deutlich, wie viele Arbeitsplätze dauerhaft verloren sind. Das wiederum macht eine Prognose der künftigen Nachfrage quasi unmöglich."

Der Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf eine V-förmige Erholung der Märkte erteile Sadowski damit eine Absage. Seiner Meinung nach seien einfach noch zu viele Faktoren unbekannt, um davon auszugehen, dass die Talsohle bereits durchschritten sei. "Das Problem ist doch, dass das Virus jetzt nun einmal in der Welt ist. Solange es kein Heilmittel oder einen Impfstoff gibt und dieser auch in großen Mengen verfügbar ist, wird sich daran auch nichts ändern - und das kann noch eine ganze Weile dauern. Bis dahin wird eine vollständige Rückkehr zur Normalität nicht möglich sein, auch wenn es mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Lockerungen beispielsweise für die Gastronomie geben wird."

"Aber dann müssen auch die Konsumenten mitspielen und viele haben derzeit einfach Angst, sich anzustecken. Da wird auf einen gemütlichen Shoppingbummel oder einen Restaurantbesuch durchaus auch verzichtet. Andere wiederum müssen unbezahlten Urlaub nehmen, um die Kinder zu betreuen, befinden sich in Kurzarbeit oder sind selbstständig ohne Aufträge. Sie müssen jetzt finanziell zurückstecken und haben gar nicht die Mittel, um einkaufen zu gehen. Hinzu kommt die Angst vor einer ungewissen Zukunft, die sowohl Endverbraucher als auch Unternehmen dazu bewegt, erst einmal das Geld zusammenzuhalten und auf unnötige Ausgaben oder Investitionen zu verzichten." (24.04.2020/ac/a/m)