Suchen
Login
Anzeige:
Sa, 26. November 2022, 20:35 Uhr

Inflation

WKN: / ISIN:

Krieg, Inflation und höhere Zinsen: Rezession voraus


28.09.22 15:04
Berenberg

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Das Hochschnellen der Preise für Energie und Nahrungsmittel trifft die Konjunktur hart, so die Analysten von Berenberg.

Nachdem sich die Wirtschaftsleistung in der Eurozone in der ersten Hälfte 2022 mit dem Abflauen der Omikron-Welle der Pandemie kräftig erholt habe, dürfte die Region mit dem Ende der Sommerreisesaison in eine Rezession abgleiten. Angesichts der hohen Energiekosten bleibe den Verbrauchern weniger Geld für andere Güter und Dienstleistungen.

Beim Preisauftrieb drohe in den kommenden Monaten weiteres Ungemach. Anders als beim Öl seien die hohen Gaspreise wohl noch nicht voll bei den Haushalten angekommen, da Strom- und Gasversorger ihre Absatzpreise nur schrittweise an die Marktlage anpassen würden. Nachdem Russland seine Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 Ende August auf unbestimmte Zeit eingestellt habe, habe sich der Preisdruck noch einmal erhöht. Auch wenn Regierungen dies durch Interventionen und Hilfspakete abfedern würden, würden die Verbraucher noch höhere Kosten tragen müssen.

Nach zwei Corona-Jahren habe eine lebhafte Reisesaison die Konjunktur in der Eurozone im Sommer zwar noch vor dem Einbruch bewahren können. Danach würden die arg gebeutelten Verbraucher aber ihre Ausgaben vermutlich erheblich einschränken. Die Analysten würden jetzt mit einem Rückgang des Euro-BIP um etwa 2,2% bis einschließlich Q1 2023 rechnen. Da die Speicher sich weiter füllen würden, habe allerdings das Risiko abgenommen, dass Gas im Winter in Deutschland rationiert werden müsse. Sonst würde die Rezession noch schärfer ausfallen.

In der Rezession dürften vor allem der private Güterkonsum, die privaten Investitionen und der Außenhandel mit Waren zurückgehen. Dagegen würden die Staaten ihre Investitionen weiter ausdehnen. Angesichts der derzeit sehr hohen Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte die Arbeitslosigkeit in der Rezession in der Eurozone nur geringfügig steigen. Dies grenze die Abwärtsrisiken ein.

Die rückläufige Nachfrage könne im Zeitablauf erheblich dazu beitragen, die aktuellen Lieferkettenprobleme weitgehend zu lösen. Auch Transportkosten würden vermutlich im Laufe des kommenden Jahres wieder etwas sinken. Das helfe, sowohl die Inflation zu dämpfen als auch die Auftriebskräfte wieder zu stärken.

Wenn der Winter überstanden sei und der Gasmarkt sich wieder etwas entspannt habe, könne die Euro-Konjunktur im Sommer 2023 wieder anspringen. Ab dann könnte auch der Anstieg der Einkommen wieder oberhalb der Inflationsrate liegen, sodass die Verbraucher nach einem herben Rückschlag ab dann real wieder etwas mehr Geld in der Tasche hätten. Sobald auch die vermutlich milde US-Rezession im Herbst 2023 auslaufe, könnten auch die Ausfuhren wieder zulegen. Nach einem Rückgang der Euro-Wirtschaftsleistung um etwa 1,3% im Durchschnitt des Jahres 2023 würden die Analysten für 2024 ein Wachstum von 2,5% erwarten. Für Großbritannien würden sie einen ähnlichen Verlauf wie für die Eurozone erwarten.

Auch in den USA würden die Verbraucher über hohe Preise stöhnen. Aber anders als Europa seien die USA nicht von russischem Erdgas abhängig. Dagegen würden die USA unter einem hausgemachten Inflationsdruck leiden. Mit ihrer späten, aber umso energischeren Zinswende werde die FED die Nachfrage voraussichtlich so dämpfen, dass die US-Konjunktur im Schlussquartal 2022 stagniere und die USA danach bis zum Herbst 2023 in eine milde Rezession fallen würden - bei rückläufigem Konsum und weniger Investitionen vor allem im Wohnungsbau. Staatsausgaben einschließlich der öffentlichen Investitionen dürften die Konjunktur dagegen stützen.

In den USA habe der Preisdruck seinen Höhepunkt offenbar bereits überschritten. Während die Lohnzuwächse zunächst hoch bleiben würden, würden etwas geringere Preise für Benzin und Gebrauchtwagen die Verbraucher entlasten. Da der Arbeitsmarkt langsam an Schwung verliere, könnte auch der Lohndruck in einigen Monaten abnehmen. Anders als in den USA müssten die Verbraucher in Europa sich vorerst noch auf spürbar höhere Strom- und Gaspreise einstellen. Denn die im Sommer nochmals gestiegenen Preise für Erdgaseinfuhren und Strom seien noch nicht voll bei den Verbrauchern angekommen. In Europa könnte die Inflation im Herbst 10% erreichen, bevor sie 2023 zurückgehe. Das genaue Inflationsprofil hänge auch davon ab, in welchem Ausmaß Regierungen den Energiepreisschock auffangen und damit die Kosten teilweise von den heutigen Verbrauchern auf künftige Steuerzahler verlagern würden.

Im kommenden Jahr könnten die Inflationsraten auf beiden Seiten des Atlantiks spürbar zurückgehen. Dann falle der Anstieg der Energiepreise des Jahres 2022 schrittweise aus dem Vorjahresvergleich heraus. Wie sehr die Inflation sich dann dem Zentralbankziel von 2% annähere, hänge auch davon ab, in welchem Umfang Arbeitnehmer höhere Löhne durchsetzen könnten, die wiederum den Kostendruck für Unternehmen verschärfen würden.

Damit die hohe Inflation sich nicht verfestige, würden die FED und - etwas zögerlicher - auch die EZB auf die Zinsbremse treten. In den USA könnte der Leitzins Anfang 2023 4,5% erreichen oder sogar leicht überschreiten. Sobald die Fed genügend Anzeichen sehe, dass die Rezession den Inflationsdruck hinreichend gedämpft habe, werde sie dann die Zinsen wieder etwas senken, voraussichtlich beginnend in H2 2023. Allerdings werde die FED dies vorerst nicht in Aussicht stellen. Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz könnte im Februar 2023 2,5% oder sogar 2,75% erreichen, gefolgt von einer rezessionsbedingten Pause im Rest von 2023. (Horizonte Q4/2022) (28.09.2022/ac/a/m)





 
Werte im Artikel
2,00 plus
+60,00%
10,40 plus
+4,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
Inflation vorbei? Preise gehen runter! Wie reagieren [...]
Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Ist die Inflation vorbei? Die Preise gehen runter! Wie reagieren Aktienmärkte ...
BEIM GOLDPREIS KEIMT (INFLATIONSBEDINGT) [...]
In den USA scheint der Inflationsdruck spürbar nachzulassen, was dem Goldpreis paradoxerweise ...
25.11.22 , news aktuell
Marc Cain zahlt 3.000 Euro Inflationsprämie an Mit [...]
Bodelshausen (ots) - Erst Corona, dann Krieg, jetzt Inflation. Die heutige Zeit ist geprägt von Krisen und stellt ...