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Mo, 5. Dezember 2022, 18:22 Uhr

Krieg in der Ukraine könnte Euro nachhaltig schwächen


04.03.22 17:05
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Noch vor einer Woche war die Welt eine andere, so Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Russlands aggressiver Angriff auf seinen Nachbar Ukraine habe alles verändert und den Krieg nach langen Jahren des Friedens zurück nach Europa gebracht. Die Welt befinde sich im Schockzustand und die Frage, wie man die Gier nach Macht des Despoten im Kreml so habe unterschätzen können, werde alle noch lange beschäftigen. Doch wie gehe es nun in Europa weiter? Für Sascha Sadowski stelle der Krieg in der Ukraine einen echten Wendepunkt dar - für die Politik, aber auch für die Wirtschaft und die Aktienmärkte.

"Vor einer Woche hat die galoppierende Inflation in Europa noch die Diskussion bestimmt. Doch dieses Thema ist - zu Recht - völlig in den Hintergrund getreten. Besonders in Deutschland waren die Zeichen einer sich überhitzenden Wirtschaft deutlich zu erkennen. Doch jetzt ist alles anders. Jetzt steht Deutschland in der ersten Reihe, wenn es darum geht, sich Russland in den Weg zu stellen. Gleichzeitig sind wir hierzulande wirtschaftlich stark exponiert, auch durch unsere Abhängigkeit im Energiesektor. Die Vorzeichen in Europa haben sich also stark verändert - und die Märkte haben diese Entwicklung noch nicht vollständig eingepreist."

Tatsächlich sei die Unsicherheit insbesondere in Deutschland, stark gestiegen. Umfragen hätten ergeben, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten sogar Sorgen um einen möglichen Atomkrieg mit Russland mache. Das werde sich auch auf das Vertrauen der Verbraucher auswirken. "Deutschland, aber auch beispielsweise Italien, hat seine Wirtschaft auf günstiger Energie aus Russland aufgebaut. Das könnte nun zu einem echten Problem werden und das Wachstum hemmen. Das wiederum würde zu steuerlichen Defiziten und einer höheren Schuldenlast führen. Maßnahmen, die die EZB vielleicht zur Eindämmung der Inflation unternommen hätte, sind damit Makulatur, denn höhere Zinsen und ein Ende der ultralockeren Geldpolitik wären unter diesen Umständen tatsächlich nicht hilfreich."

Die Ausgestaltung der Geldpolitik in Europa sei tatsächlich wesentlich schwieriger als in den USA, da die wirtschaftlichen Gegebenheiten in den einzelnen Mitgliedsstaaten überaus unterschiedlich seien. So sei beispielsweise Deutschland immer wieder für seine niedrige Staatsverschuldung kritisiert worden. Doch angesichts der nun drohenden wirtschaftlichen Einschnitte zeige sich, dass die deutsche Strategie vielleicht doch sinnvoller gewesen sei, als das Geld mit vollen Händen auszugeben.

"Es kann jederzeit negative Schocks geben, das haben die vergangenen zwei Jahre zur Genüge bewiesen. Zuerst Corona, dann die Varianten und nun der russische Einmarsch in der Ukraine. Da empfiehlt es sich doch, noch einen gewissen Spielraum zu haben, um entsprechend zu reagieren", erkläre Sadowski. "Bereits in den letzten Jahren hat sich eine gewisse Zurückhaltung auf dem freien Finanzmarkt dabei gezeigt, hoch verschuldete Staaten zu finanzieren - daher auch das gigantische Schuldenaufkaufprogramm der EZB. Dass dieses ausgerechnet jetzt, angesichts eines steigenden Finanzbedarfs vieler Länder, ausgesetzt wird, darf bezweifelt werden."

Die Entwicklung führe laut Sadowski zu einer paradoxen Situation, denn in den USA werde die FED aller Voraussicht nach an ihren Zinsplänen festhalten. "Die Geldpolitik in Europa und den USA würde sich
dann voneinander abkoppeln. Während die Fed langsam aber sicher wieder zur Normalität übergeht, bleibt es in Europa beim Quantitative Easing. Über kurz oder lang würde das zu einer deutlichen Schwächung des Euro gegenüber dem Dollar führen. Diese ganz akute Möglichkeit einer solchen Entwicklung haben die Aktienmärkte scheinbar noch nicht realisiert und damit auch noch nicht eingepreist." (04.03.2022/ac/a/m)





 
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