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Mo, 5. Dezember 2022, 18:01 Uhr

Marktkommentar: Bedeutet der Krieg in der Ukraine die Rückkehr der Stagflation?


25.02.22 14:10
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Nun ist es also geschehen: Russland hat die Ukraine angegriffen und damit hat erneut das Gespenst des Krieges in Europa Einzug gehalten, so die Experten von LYNX Broker.

Die EU und die USA hätten in der Folge schärfste Sanktionen gegen den Aggressor angekündigt. Die weltweiten Aktienmärkte hätten entsprechend geschockt reagiert. So habe der russische Aktienindex RTS zwischenzeitlich fast die Hälfte seines Werts verloren und auch DAX, Dow und S&P hätten am Donnerstag deutliche Verluste hinnehmen müssen. Der Ölpreis hingegen habe von den Nachrichten profitiert und sei über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen. Was das langfristig bedeuten könnte, fasse Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX, zusammen.

"Die Aktienmärkte tendieren dazu, mit scharfen, aber glücklicherweise kurzen Korrekturen zu reagieren, um derartige geopolitische Risiken einzupreisen. Es ist also zu hoffen, dass das auch diesmal der Fall sein wird. Auch die Sanktionen der westlichen Länder dürften für die Weltwirtschaft keine drastischen Folgen haben, denn Russlands Anteil am globalen Wachstum ist vergleichsweise klein", erkläre der Experte. Doch er habe auch schlechte Nachrichten: "Moskau und allen voran Präsident Putin scheint es sich in den Kopf gesetzt zu haben, die glorreichen Tage der Sowjetunion wieder aufleben zu lassen. Der Einmarsch in der Ukraine erscheint vor diesem Hintergrund als logischer Schritt. Nun ist Russland aber auch einer der größten Öl- und Gasproduzenten der Welt - und Europa ist zumindest ein Stück weit von den Lieferungen aus Moskau abhängig, vor allem Deutschland."

Diese Unsicherheit habe bereits jetzt zu deutlichen Preissteigerungen bei Öl und Gas geführt und dürfte die ohnehin hohe Inflation in den kommenden Monaten weiter anheizen. Hilfe von den übrigen OPEC+ Staaten erwarte Sadowski derzeit nicht: "Die ölfördernden Staaten profitieren massiv von der hohen Nachfrage, die den Preis immer weiter nach oben katapultiert. Solange es keine Hinweise darauf gibt, dass Russland seine Energie-Exporte einstellt oder einstellen muss, dürfte von Seiten der OPEC+ keine Intervention zu erwarten sein."

Doch ein steigender Ölpreis sei für Sadowski nur ein offensichtliches Zeichen für ein tiefergehendes Problem, mit dem die Welt sich voraussichtlich in absehbarer Zeit auseinandersetzen müsse. "Stagflation ist ein Wort, das bei allen, die die 1970er Jahre miterlebt haben, böse Erinnerungen hervorrufen dürfte. Doch leider gibt es tatsächlich einige Parallelen: Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, die Inflation ist hoch und die Zinsen werden über kurz oder lang wieder steigen. Nun kommt der bewaffnete Konflikt in der Ukraine hinzu. Die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel hat der Ölpreis bereits überschritten und 120 US-Dollar sind durchaus im Bereich des Möglichen. Da die Inflation bereits jetzt stark von den Energiekosten getrieben ist, dürfte sie in der Folge noch weiter steigen. Eine solche Entwicklung könnte wiederum die Zentralbanken auf den Plan rufen, die versuchen werden, mit höheren Zinsen gegenzusteuern. Das aber könnte das Wirtschaftswachstum hemmen und so auf direktem Weg in die Stagflation führen." (25.02.2022/ac/a/m)




 
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