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Inflation

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NIEDRIGE LEITZINSEN, HOHE INFLATION: NOTENBANKER BEREITEN DIE ÖFFENTLICHKEIT AUF DIE ZINSWENDE VOR


02.05.22 09:02
Benjamin Summa

Jahrelang hat die Europäische Zentralbank die Füße stillgehalten und nicht an der Zinsschraube gedreht, obwohl die Inflation seit vielen Jahren kontinuierlich angestiegen ist. Doch nachdem der Druck auf die Notenbanker zuletzt massiv gestiegen ist, ist EZB-Chefin Christine Lagarde nun offenbar zum Handeln gezwungen: Wie aus einem Bericht der Investmentbank „Goldman Sachs“ hervor geht, ist eine Leitzinserhöhung im Juli durch die Europäische Zentralbank (EZB) so gut wie sicher. Der Leitzins würde dann um 25 Basispunkte steigen, so der Ökonom Sven Jari Stehn von Goldman Sachs. Er geht davon aus, dass die EZB ihren Leitzins im Jahr 2023 vier weitere Male auf 1,25 Prozent anheben wird.


Die Investmentbank präsentiert für ihre Prognose gleich mehrere handfeste Gründe. So hätten die jüngsten Kommentare der EZB angesichts des anhaltenden Kostendrucks und der begrenzten Anzeichen für einen anhaltenden Nachfragerückgang die zunehmenden Bedenken unterstrichen. Eine stärkere Verlangsamung des Wachstums sowie erneute geopolitische Spannungen seien eigentlich Gründe für eine langsamere Normalisierung der Zinspolitik, könnten deutlichere Anzeichen von sogenannten „Zweitrundeneffekten“, also Preiserhöhungen als Reaktion auf vorangegangene Kostensteigerungen sein und einen schnelleren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik erfordern.


Die Liste der hochrangigen Geldpolitiker, die eine Zinswende ankündigen, wird von Tag zu Tag länger – dies ist auch kein Wunder, denn die Inflation liegt im März inzwischen bei 7,5 Prozent im Euroraum mit weiterer Tendenz nach oben. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat in einem Interview den Juli als Zeitpunkt für einen ersten Zinsschritt als „live“ bezeichnet. Bundesbank-Chef Joachim Nagel geht ebenfalls von Anfang Juli als Startpunkt für eine erste Zinsanhebung aus. Und sein lettischer Amtskollege Martins Kazaks geht davon aus, dass der Leitzins bis Jahresende im Euroraum bereits um drei Zinsschritte auf 0,75 Prozent angestiegen sein könnte.


Die neuen Verlautbarungen aus der Notenbank-Szene haben bereits erste Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen: Die Aktienmärkte sind massiv unter Druck geraten. Der Euro steigt gegenüber dem Dollar deutlich an. Die Zinsen am europäischen Anleihemarkt ziehen massiv an – ebenso die Bauzinsen. Bei einer Zinsbindung von zehn Jahren werden inzwischen mehr als 2,3 Prozent Zinsen fällig, nachdem Baugeld mehrere Jahre lang praktisch zum Nulltarif zu bekommen gewesen war.


Die Belastungen für Sparer in Deutschland werden also noch weiter zunehmen – und es ist fraglich, welchen Effekt eine Zinserhöhung um ein paar Prozentpunkte hat, wenn die Inflation hierzulande in Richtung von zehn Prozent steigt. Wer diese Zahl für abwegig hält, brauch nur in unsere Nachbarländer schauen –in den Niederlanden und den baltischen Staaten liegen die Inflationszahlen schon jenseits der zehn Prozent. Und wenn Deutschland tatsächlich einem Gasembargo gegen Russland zustimmt, wird die Teuerungsrate nach Schätzungen der Bundesbank mit großen Schritten in Richtung der Zehn-Prozent-Marke springen.



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