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Di, 31. Januar 2023, 7:23 Uhr

Nehmen die USA dem IWF die Handlungsfähigkeit in der Krise?


17.04.20 09:50
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Anbei ein aktueller Marktkommentar von LYNX Broker:

"Von neuen Sonderziehungsrechten des IWF würden auch Länder wie China und der Iran profitieren. Sie bekämen ebenfalls Milliarden von Dollar ohne weitere Bedingungen zur Verfügung gestellt. Das würde die Position der USA gegenüber beiden Ländern schwächen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass der IWF diesen Schritt bereits in den nächsten Wochen gehen wird."

Der Internationale Währungsfonds (IWF) könnte in der Corona-Krise eines seiner mächtigsten Instrumente zum Einsatz bringen, um den 189 Mitgliedsländern bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unter die Arme zu greifen. Wie bereits in der letzten Finanzkrise 2009 könnten auch jetzt Neuzuweisungen von sogenannten Sonderziehungsrechten (SZR) genehmigt und so dringend benötigte Liquidität in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt werden. Bei SZRs handele es sich um eine künstliche Währung, die auf IWF-Konten wie ein Buchkredit geführt werde. Darüber hinaus könnten sie international als Zahlungsmittel verwendet werden. Ein solcher Schritt werde sowohl von Ökonomen als auch von vielen Mitgliedsstaaten befürwortet und auch der IWF habe eine weitere Zuteilung bereits in Erwägung gezogen. Weniger angetan von dieser Idee seien hingegen die USA und als einer der wichtigsten Anteilseigner könnten sie verhindern, dass der IWF sein wirksamstes Instrument nutzen könne.

"Rund 100 Länder haben in der aktuellen Krise bereits beim IWF Notkredite und Zuschüsse beantragt. Würde der IWF wie bereits 2009 eine neue SZR-Zuteilung starten, würde das diesen Ländern mehr Luft und Flexibilität verschaffen. Besonders Länder wie Argentinien, die ohnehin hoch verschuldet sind würden von diesem Schritt profitieren", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX. Die SZR würden damit wohl ein Thema in der kommenden Frühjahrssitzung des IWF und der Weltbank sein. "Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der IWF diesen Schritt bereits in den nächsten Wochen gehen wird, da die USA sich klar gegen eine weitere Zuteilung positioniert haben, wie die Leiterin des IWF Kristalina Georgieva in einem Interview zugab."

Hintergrund der US-amerikanischen Ablehnung seien die politischen Spannungen der vergangenen Monate. "Von einem solchen Schritt des IWF würden auch Länder wie China und der Iran profitieren. Sie bekämen ebenfalls Milliarden von Dollar ohne weitere Bedingungen zur Verfügung gestellt. Das würde die Position der USA gegenüber beiden Ländern schwächen", so der Experte. "Der Handelskrieg mit China ist zwar aktuell etwas in den Hintergrund gerückt, aber das bedeutet nicht, dass er gelöst ist. Hinzu kommt die Schuldfrage an der Corona-Pandemie, die Präsident Trump ganz klar mit China beantwortet. Mit dem Iran liegen die USA ebenfalls im Clinch. Hier drohte die Lage erst im Januar zu eskalieren und jetzt soll das Land aller Sanktionen zum Trotz Milliarden US-Dollar erhalten? Das ist für die USA nicht hinnehmbar!"

Doch es gebe Alternativen zu Sonderziehungsrechten, denn der IWF verfüge über rund eine Billion US-Dollar, von denen etwa 100 Milliarden als Notkredite und Zuschüsse verwendet werden könnten. Diese Möglichkeit würde wohl auch die Zustimmung der US-Amerikaner finden. Hinzu habe IWF-Chefin Georgieva eine weitere Option ins Spiel gebracht. "Die Mitgliedsstaaten können bestehende Sonderziehungsrechte untereinander weitergeben, quasi als Spende, um die Kredite des IWF zu ergänzen. Dagegen dürften auch die USA nichts einzuwenden haben. Damit ist diese Variante vorerst wesentlich wahrscheinlicher als die Neuzuteilung", führe Sadowski aus und füge hinzu: "Nichts ist vom Tisch, wie IWF-Chefökonomin Gita Gopinath in einem Interview in dieser Woche sagte. Ganz abschreiben würde ich daher die Möglichkeit weiterer Sonderziehungsrechte in absehbarer Zukunft noch nicht." (17.04.2020/ac/a/m)