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Fr, 7. Oktober 2022, 7:58 Uhr

Neue Aktien-Portfolio von Warren Buffett


25.02.19 09:25
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Mit einem Gegenwert von rund 730 Millionen Dollar sind die Anteile des US-Software-Entwicklers Red Hat (ISIN US7565771026/ WKN 923989) die teuersten Neuzugänge in Buffetts Aktienportfolio, so die Experten der "BÖRSE am Sonntag".

Um die vier Millionen Papiere habe das "Orakel von Omaha" zugekauft. Vom Geschäftsmodell der Amerikaner vorwiegend über Lizenzmodelle Kunden an seine Software-Angebote zu binden, scheine der Starinvestor offenbar angetan. Ebenso Branchenriese IBM (ISIN US4592001014/ WKN 851399), der Red Hat bereits im Oktober des vergangenen Jahres für 34 Milliarden Dollar übernommen habe. Der Kurs der Aktie habe innerhalb der letzten drei Jahre um fast 200 Prozent zugelegt.

Mit 300 Millionen Dollar seien die Zukäufe von rund elf Millionen Suncor Energy-Aktien (ISIN CA8672241079/ WKN A0NJU2) nicht ganz so viel Wert, dabei aber trotzdem Buffetts zweitteuerster Neukauf in den letzten Monaten. Das kanadische Energieunternehmen mit Sitz in Calgary verdiene sein Geld größtenteils mit der Ölsand-Veredelung hin zu fertigen Rohölprodukten und Dieselkraftstoff. Die Aktie der Kanadier habe auf Dreijahressicht zuletzt um knapp 40 Prozent zulegen können. Der Kursverlauf allerdings habe sich dabei als auffällig volatil erwiesen.

Der dritte und durchaus überraschende Neuling in Buffets Portfolio heiße Stoneco (ISIN KYG851581069/ WKN A2N7XN), ein brasilianischer Bezahldienstleister. Dessen Wachstums- und Expansionserfolge innerhalb kürzester Zeit bei vor seinem Einstieg noch recht niedrigem Börsenkurs dürften aber gut zu Buffetts Investmentglauben passen, unterbewertete Aktien mit langfristig erfolgsversprechendem Geschäftsmodell zu kaufen und dann auch zu halten. Inzwischen koste das Stoneco-Papier umgerechnet 21,40 Euro und damit 15 Prozent mehr als noch vor einem Monat.

Stark sei es jüngst auch für die Oracle-Aktie (ISIN US68389X1054/ WKN 871460) gelaufen. Mit einem Kurs von 52 Dollar nähere sich das Papier allmählich seinem Rekordhoch aus dem März 2018 bei in etwa 53 Dollar. Zwischenzeitlich habe die Aktie des Softwarekonzerns allerdings herbe Rückschläge hinnehmen müssen, die Buffett ganz offensichtlich nicht gefallen hätten. Nach nur einem Jahr steige der Starinvestor nun wieder aus. Und zwar komplett.

Nur teilweise trenne sich Buffett unter anderem von der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines (ISIN US8447411088/ WKN 862837). Möglicherweise eine Reaktion auf die insgesamt schwächelnde Branche. In den letzten Jahren sei es immer wieder zu Insolvenzverfahren und großen Fusionen gekommen. Nachdem Buffett mit US Airways-Aktien vor fast 30 Jahren einmal einen Verlust von 75 Prozent gemacht habe, gelte er bis heute ohnehin nicht als großer Freund des Airline-Sektors. Mit rund 55 Millionen Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar zähle die texanische Fluglinie aber trotzdem und weiterhin zu seinen Top-Investments.

Ebenfalls reduziert habe Warren Buffett seine Anteile an dem US-Kabelnetzbetreiber Charter Communications (ISIN US16119P1084/ WKN A2AJX9). Die Aktie des Konzerns aus Stamford, Connecticut, habe zuletzt weniger gut performt, auf Jahresssicht stehe sie mit knapp 5% im Minus. Buffett, der im August 89 Jahre alt werde, glaube aber weiterhin an das Potenzial des Dienstleisters. Der Wert seiner Beteiligungen liege nach den jüngsten Abverkäufen immer noch bei über zwei Milliarden Dollar.

Obwohl Buffett mit Berkshire Hathaway zuletzt Gefallen an Bankaktien gefunden habe, habe er nun ein kleines Paket an Wells Fargo-Papieren (ISIN US9497461015/ WKN 857949) verkauft. Nachdem die Bank aufgrund eines Scheinkonten-Skandals in die Negativ-Schlagzeilen gerutscht sei, habe Buffett deren Krisenmanagement kritisiert und verkaufe nun schon seit längerem immer wieder Anteile. Trotzdem bleibe die Beteiligung an Wells-Fargo mit einem Wert von fast 20 Milliarden Dollar ein "fetter Brocken" in seinem Portfolio.

Das bleibe auch Apple (ISIN US0378331005/ WKN 865985). Mit knapp 40 Milliarden Dollar sogar der "fetteste". 2016 zu einem günstigen Zeitpunkt eingestiegen und danach immer mal wieder aufgestockt, habe Buffett den Wert seiner "Apfel-Anteile" in weniger als drei Jahren um umgerechnet zehn Milliarden Euro steigern können. Wie aus den letzten F-Filing-Reports hervorgehe, habe er nun aber einen Teil des Brockens verkauft. Womöglich sei neben vielen Anlegern und Investoren auch Buffett negativ von Apples Absatzproblem mit Blick auf sein wichtigstes Produkt, dem iPhone, überrascht worden. Die Aktie der Kalifornier habe von Oktober bis Ende Dezember fast 40 Prozent an Wert verloren, im neuen Jahr habe sich der Kurs leicht erholt und stehe nun bei 171 Dollar.

Ebenfalls reduziert, allerdings deutlich weniger öffentlichkeitswirksam, habe Buffett seine Anteile am Öl- und Gaskonzern Philipps 66 (ISIN US7185461040/ WKN A1JWQU) und dem Luftfahrtunternehmen United Continental (ISIN US9100471096/ WKN A1C6TV).

Kräftig ausgebaut dagegen habe das "Orakel von Omaha" seine Positionen mit Blick auf Amerikas wertvollste Bank, J.P. Morgan (ISIN US46625H1005/ WKN 850628). Aus 35 seien so 50 Millionen Aktien geworden. Gut möglich, dass da eine gewisse Portion an Vitamin B eine Rolle gespielt habe. Buffett sei nicht nur mit JP Morgan-CEO Jamie Dimon befreundet, der Berkshire Hathaway Co-Investmentchef Todd Combs habe auch einen Sitz im Verwaltungsrat der Bank. Bei einem derzeitigen Aktienkurs von 105 Dollar hätten Buffets Beteiligungen einen Wert von rund fünf Milliarden Dollar.

Deutlich höher sei der mit Blick auf Buffetts Anteile an der Bank of America (ISIN US0605051046/ WKN 858388). Zirka bei 22 Milliarden Dollar dürfte er liegen. Und auch hier habe die Investorenlegende jüngst zugeschlagen und seine Positionen deutlich ausgebaut. Nach der Merrill Lynch-Übernahme 2009 gehöre die Bank of America zu den global größten und bedeutendsten Finanzinstituten und Vermögensverwaltern und verdiene ähnlich wie JP Morgan und vor allem im Vergleich zu Europas Geldhäusern ziemlich viel Geld. Das schlage sich im Aktienkurs nieder. Innerhalb von drei Jahren sei dieser um 140 Prozent geklettert.

Und weiter gehe es mit Investments im Finanzdienstleistungssektor. Auch an der US Bancorp-Bank habe Buffett seine Aktien-Anteile aufgestockt, halte jetzt 130 Millionen Stück im Wert von fast sechs Milliarden Dollar. Ebenso habe er Aktien der Bank of New York Mellon (ISIN US0640581007/ WKN A0MVKA) zugekauft. Insgesamt halte er nun fast 81 Millionen Aktien des Geldhauses im Wert von 3,8 Milliarden Dollar. Und auch in die PNC Financial Services Group habe er erneut investiert, habe seine Anteile auf über acht Millionen Aktien im Wert von knapp einer Milliarden Dollar ausgebaut.

Zwar keine Bank, aber als größter Sachversicherer der USA ebenfalls ein bedeutender Finanzdienstleister, sei Travelers (ISIN US89417E1091/ WKN A0MLX4). Und auch an dem Konzern mit Sitz in New York City halte Buffett im neuen Jahr mehr Anteile. Fast sechs Millionen Stück im Wert von gut 700 Millionen Dollar.

Nur ein Konzern, an dem Warren Buffet seine Beteiligung ausgebaut habe, gehöre nicht in die Finanzdienstleistungsbranche. General Motors (ISIN US37045V1008/ WKN A1C9CM). Trotz einiger Krisenjahre gehöre der US-Autobauer immer noch zu den größten der Welt, dürfte es aber ähnlich wie die deutschen Hersteller in den kommenden Jahren mit großen und vor allem teuren Umwälzungen in Sachen Mobilitätswende zu tun bekommen. Buffett halte jetzt trotzdem über 72 Millionen Aktien des Konzerns aus Detroit. Ihr Gesamtwert: Rund 2,8 Milliarden Dollar. (Ausgabe vom 20.02.2019) (25.02.2019/ac/a/m)





 
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