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Fr, 19. August 2022, 13:11 Uhr

Noch mehr Volatilität im zweiten Halbjahr zu erwarten


01.07.22 12:20
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Die strukturelle Komplexität der Eurozone ist in den letzten Wochen zweifellos wieder deutlich geworden, so die Experten von LYNX Broker.

Es werde immer schwieriger die Finanzmärkte zu navigieren. Die immer weiter steigende Inflation, das Ende des billigen Geldes, geopolitische Risiken und eine drohende Rezession würden die Volatilität an den Aktienmärkten immer weiter zunehmenlassen. Besonders die steigenden Preise und die damit verbundenen Gegenmaßnahmen der US-Zentralbank FED würden für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX, dabei eine entscheidende Rolle spielen.

"Aktuell scheint es so, als ob viele Marktteilnehmer sich darauf verlassen, dass die FED den Kampf gegen die Inflation in den kommenden Monaten gewinnen wird. Dabei spielt sicher auch die Tatsache eine Rolle, dass höhere Zinsen das Wirtschaftswachstum bremsen und eventuell sogar zu einer Rezession führen könnten - was allein bereits zu einer Abkühlung der Inflation führen sollte", erkläre der Marktexperte.

Doch längst nicht alle seien davon überzeugt, dass dieser Plan aufgehen werde. Besonders Trader, die mit Inflationsderivaten handeln würden, würden offenbar nicht davon ausgehen, dass sich der Aufwärtstrend bei den Konsumentenpreisen in den nächsten Monaten brechen lasse. "Mit 8,6 Prozent im Mai kratzt die US-Inflationsrate aktuell bereits an ihrem höchsten Stand seit 41 Jahren. Für Juni, Juli und August gehen die Fixing-Trader im Moment von noch höheren Werten von bis zu neun Prozent aus. Erst im Oktober könnten die Preise wieder etwas sinken und der Consumer Price Index (CPI) wieder auf 8,1 Prozent zurückgehen. Bis zum Jahresende könnten dann 7,6 Prozent erreicht werden", fasse Sadowski zusammen.

Die alles entscheidende Frage sei also: Werde die Inflation sinken und wenn ja, wie weit? "Aktuell sprechen auch ein paar Faktoren dafür, dass diejenigen Recht behalten werden, die von sinkenden Preisen im zweiten Halbjahr ausgehen - selbst wenn Konsumenten nochmal eine Spitze aushalten müssen. Bereits jetzt lässt in einigen Bereichen wie Getreide oder Aluminium die Nachfrage nach und die Preise sinken. Auch die Löhne hinken den gestiegenen Preisen noch deutlich hinterher. Das dürfte in absehbarer Zeit den Inflationsdruck mindern", erkläre Sadowski. "Keine große Entspannung ist allerdings vorerst bei den Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum zu erwarten, diese könnten noch eine Weile hoch bleiben, was auch die Inflation insgesamt steigern dürfte."

Neben der Inflation sehe Sadowski allerdings ein weiteres Risiko für die Finanzmärkte, nämlich die Zinspolitik der FED. "Wenn die FED die Zinsen zu stark erhöht, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, besteht immer auch die Gefahr, dass die US-Wirtschaft so in eine Rezession gezwungen wird. Dann würden zwar auch die Preise sinken, doch zu welchem Preis?", so der Experte. Er gehe davon aus, dass die FED die Zinsen nur noch bis zum Ende des Jahres auf etwa drei Prozent erhöhen werde. "Danach könnte sie sogar zurückrudern und die Zinsen wieder senken, insbesondere dann, wenn Europa in eine Rezession schlittert. Das würde auch der Weltwirtschaft schaden - und damit auch den USA und die FED müsste auf eine solche Entwicklung entsprechend reagieren." (01.07.2022/ac/a/m)