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Mi, 5. Oktober 2022, 6:38 Uhr

OPEC+: Was kommt als nächstes?


05.08.22 11:16
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Die OPEC+-Staaten haben in ihrer Sitzung am Mittwoch eine geringe Steigerung ihrer Fördermengen beschlossen, so Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Rund 100.000 Barrel pro Tag mehr sollten durch die Pipelines fließen. Doch ob die auch tatsächlich durch die Pipelines fließen würden, bleibe fraglich. Aktuell würden Experten schätzen, dass nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über ausreichend Kapazitäten verfügen würden, um ihre Fördermengen kurzfristig zu erhöhen. Eine Steigerung um 100.000 Barrel pro Tag für das gesamte Kartell würde für Saudi-Arabien nur ein Plus von rund 30.000 und für die Vereinigten Arabischen Emirate ein Plus von 10.000 Barrel pro Tag bedeuten.

"Ob das das Ergebnis ist, das sich Präsident Biden von seinem Besuch beim saudischen König im vergangenen Monat versprochen hat, ist fraglich, denn den Ölpreis signifikant senken wird diese Entscheidung der OPEC+ nicht. Allerdings war auch nicht zu erwarten, dass das Treffen in dieser Woche eine massive Steigerung der Fördermengen ergeben würde - nicht, wenn bereits jetzt mehrere Mitglieder Probleme haben, ihre Quoten zu erfüllen", erkläre Sascha Sadowski.

Die Frage sei, wie es mit dem Ölpreis nun weitergehe, denn auch wenn die OPEC+ die im Zuge der Corona-Pandemie verhängte Drosselung der Ölförderung bereits sukzessive zurücknehme, steige die Nachfrage nach dem schwarzen Gold schneller als das Angebot. "Ein Problem ist die Unsicherheit, denn gleich mehrere OPEC+-Mitglieder erfüllen ihre Quoten aktuell nicht, weil sie ihre Kapazitäten nicht ausreichend hochfahren können. So gelangt weniger Öl an den Weltmarkt als eigentlich von der OPEC+ vorgesehen. Hinzu kommen die Sanktionen gegen Syrien und Russland. Auch die Gaskrise in Europa spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn Ölprodukte wie Diesel könnten in der bevorstehenden Heizperiode eine Alternative zum knappen Gas sein", fasse der Experte zusammen.

Eine Lösung, von der Experten annehmen würden, dass sie innerhalb der OPEC+ diskutiert werde, könnte die Aufhebung individueller Quoten sein. Dann würde das Kartell lediglich eine Gesamtfördermenge festlegen, nicht jedoch, wie viel davon auf jedes Mitglied entfalle. Dazu Sadowski: "Das würde Ländern mit überschüssigen Kapazitäten erlauben, ihren Output zu erhöhen und für Länder einzuspringen, die ihre aktuelle Quote nicht erfüllen könnten. Für Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und vielleicht Kuwait wäre das ein gutes Geschäft, das sie allerdings auf Kosten von Ländern wie Nigeria, Algerien und Angola machen würden. Insgesamt würde so die Fördermenge steigen, denn die Untererfüllung der Quoten wäre Vergangenheit. Für den Ölmarkt würde das mehr Sicherheit und damit weniger Volatilität bedeuten", fasse Sadowski zusammen.

"Eine solche Lösung würde sicher auch Präsident Biden gefallen, insbesondere falls sie rechtzeitig zu den Zwischenwahlen in den USA kommen sollte. Dann könnte man ihm auch nicht mehr vorwerfen, bei seinem Besuch bei Kronprinz Mohammed bin Salman nichts erreicht zu haben." (05.08.2022/ac/a/m)




 
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