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Mi, 5. Oktober 2022, 7:21 Uhr

Ölpreis trotz größerer Fördermengen stabil


10.06.22 11:17
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Der Druck, den die USA auf Saudi-Arabien in den letzten Monaten ausgeübt haben, scheint endlich Wirkung zu zeigen, denn die OPEC hat sich dazu bereit erklärt, die Fördermengen um 650.000 Barrel pro Tag zu erhöhen, so die Experten vom Online-Broker LYNX.

Völlig unbeeindruckt von dieser Ankündigung zeige sich allerdings bislang der Ölpreis. So habe ein Barrel Rohöl mit Lieferung im August Anfang dieser Woche fast 120 US-Dollar gekostet - und damit mehr, als noch vor dem wichtigen Treffen der OPEC+-Staaten und der Entscheidung, die Fördermengen bereits im Juli und August zu erhöhen, anstatt erst im September. So sollten die galoppierenden Preise für Rohöl eingefangen werden, die ansonsten drohen würden, das weltweite Wirtschaftswachstum zu schädigen.

"Wenn Saudi-Arabien die Ölpreis-Rally nicht stoppen kann, ist das schon sehr bezeichnend", meine Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. "Nachdem Riad lange Zeit gezögert hat, die Fördermengen zu erhöhen, sollte diese Nachricht eigentlich für Entspannung auf dem Markt sorgen, doch bislang ist das nicht der Fall. Das könnte auch daran liegen, dass viele Marktexperten nicht damit rechnen, dass die volle Menge auch auf dem Markt ankommt. Außerdem waren bereits 432.000 Barrel pro Tag eingepreist, die ohnehin im Juli und August angekündigt waren. Hinzu kommt, dass viele kleinere Mitglieder der OPEC+ bereits jetzt Schwierigkeiten haben, ihre Förderzusagen einzuhalten, wodurch der tatsächliche Output der OPEC+ deutlich unter der geplanten Ölmenge liegt. Und man darf nicht vergessen: Durch die Sanktionen gegen Russland könnten im zweiten Halbjahr 2022 bis zu drei Millionen Barrel pro Tag fehlen. All das führt dazu, dass die erhoffte Entspannung auf dem Ölmarkt bislang ausgeblieben ist."

Insbesondere die USA und ihren Präsidenten stelle das vor ein Problem: Zwar konnten sie ihren Willen gegenüber Riad letztendlich durchsetzen und damit Stärke beweisen, gebracht habe es ihnen aber nicht viel. Der Benzinpreis in den USA befinde sich weiter auf Rekordniveau - und das ausgerechnet wenige Monate vor den wichtigen Kongresswahlen. "Für Präsident Biden ist das eine schwierige Situation. Er hätte gerne eine Zusage über eine noch größere Menge Öl von Riad bekommen, nachdem auch die einheimischen Ölförderer scheinbar kein großes Interesse hätten, ihre Ölmengen zu steigern. Stattdessen würden sie das Geld nutzen, das sie durch den hohen Ölpreis verdienen, um Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen."

Eine weitere Möglichkeit wäre, Öl aus Venezuela zu beziehen, doch angesichts der Probleme im Land und der maroden Infrastruktur dürfte das kurzfristig keine Option sein. Auch ein neuer Atom-Vertrag mit dem Iran, durch den die dortigen Sanktionen wegfallen könnten, sei derzeit nicht in Sicht. "Bliebe noch Kanada, doch hier sind die USA politisch gerade nicht besonders beliebt, nachdem Präsident Biden der umstrittenen Keystone XL Pipeline die Genehmigung entzogen hat", fasse Sadowski zusammen. "Und selbst wenn eine dieser drei Optionen doch machbar wäre, würde es einige Monate dauern, bis die neuen Lieferketten stehen. Für die Wahlen ist es dann zu spät."

Für Sadowski sei damit klar, dass die Zusage Saudi-Arabiens für den Ölpreis allenfalls minimale Auswirkungen haben werde. "Den Wegfall russischen Öls kann die zugesagte Menge nicht kompensieren. Gleichzeitig steigt die Nachfrage immer weiter an und wenn Chinas Wirtschaft früher oder später wieder vollständig öffnet, wird sich das Problem weiter verschärfen. Dann sind bis zu 150 US-Dollar pro Barrel nicht mehr unrealistisch, denn die Preise werden solange steigen, bis Angebot und Nachfrage sich wieder die Waage halten - oder bis eine Rezession die Weltwirtschaft schrumpfen lässt und damit den Hunger nach Öl abwürgt." (10.06.2022/ac/a/m)