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Mo, 27. Juni 2022, 8:15 Uhr

Brent Crude Rohöl ICE Rolling

WKN: COM062 / ISIN: XC0009677409

Rohöl dürfte an Bedeutung verlieren


08.04.22 10:50
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aufgrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine, der Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland und der enormen Unsicherheit über den weiteren Ausblick schwanken die Ölpreise kräftig auf hohem Niveau, so die Analysten der DekaBank.

Die russischen Öllieferungen in Richtung Europa seien auch ohne entsprechende Sanktionen wohl deutlich zurückgegangen. Immer mehr europäische Energieunternehmen würden sich aus dem Russland-Geschäft zurückziehen. Die Länder der OPEC+ würden derweil unbeirrt an ihrer Strategie einer nur graduellen Ausweitung der Ölförderung festhalten. Um der Unterversorgung des Marktes entgegenzuwirken, würden einige Verbraucherländer Teile ihrer strategischen Ölreserven freigeben, die USA sogar gut 30% im Lauf dieses Jahres. Diese Maßnahmen könnten kurzfristig die Angebotssituation entspannen, würden aber letztendlich die Knappheitsproblematik in die Zukunft verschieben, denn die Reserven müssten wieder aufgefüllt werden.

Die Corona-Pandemie werde keine globale Rezession mehr auslösen. Vielmehr werde sich die Weltwirtschaft im Verlauf von 2022 von den bisherigen Corona-Belastungen erholen, der globale Rohölkonsum werde sich weiter auf höherem Niveau normalisieren. Die freiwilligen Produktionskürzungen seitens der OPEC würden im Prognosezeitraum weiter zurückgenommen. Das zusätzlich nachgefragte Rohöl werde vornehmlich von der OPEC bereitgestellt werden. Dies gebe den OPEC-Ländern wieder mehr Marktmacht, über die eigenen Produktionsmengen die Ölpreise stärker zu beeinflussen. Im Zuge des Angriffs Russlands auf die Ukraine dürften die russischen Öllieferungen in Richtung Europa auch ohne offizielle Sanktionen mit der Zeit versiegen, während Russland den Ölhandel mit Asien wohl verstärken werde. Würde Europa den Energiesektor umfassend in seine Sanktionen mit einbeziehen, würde dies deren Schlagkraft enorm erhöhen. Zugleich stiege aber der Druck auf die europäischen Abnehmerländer, ihre Energieversorgung zügig umzustellen.

Perspektivisch spiele die globale Absichtserklärung, bis 2050 die Netto-Emissionen von Kohlendioxid auf Null zu senken, für den Rohölmarkt eine wichtige Rolle. Investitionen in fossile Angebotskapazitäten würden reduziert. Allerdings sei fraglich, ob die Nachfrage in entsprechendem Tempo auf alternative Energiequellen umgestellt werden könne. Dies erhöhe mittelfristig die Aufwärtsrisiken beim Ölpreis. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit hätten höhere Ölpreise eine wünschenswerte Lenkungswirkung, sofern in der Folge regenerative Energieträger stärker zum Zuge kämen. Langfristig werde Rohöl an Bedeutung für die Weltwirtschaft verlieren und dürfte damit im Preis nachgeben. (Ausgabe April 2022) (08.04.2022/ac/a/m)



 
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